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02.04.1993 - 

Neuer IBM-Koenig kommt von einem Kekskonzern

Aussenseiter Gerstner wird Nachfolger von John Akers

Der Neue gibt fuer den Schleuderstuhl bei Big Blue den Posten eines CEOs und Chairmans beim Lebensmittel- und Zigarettenhersteller RJR Nabisco auf.

Die Entscheidung fuer Gerstner, der bereits am 1. April seinen Job antreten soll, ist unter IBMern und unter IBM-Anwendern umstritten. Schliesslich kann der Manager, der auch schon American Express fuehrte und bei McKinsey mit 31 Jahren juengster Senior- Partner war, kaum mit Referenzen aufwarten, die ihn fuer den schnellebigen IT-Markt und die Fuehrung eines Technologiekonzerns qualifizieren. "Ich weiss nicht, wie jemand, der keine Ahnung von den Nuancen dieses Geschaeftes hat, mit dieser Wahnsinnsaufgabe (O- Ton: Mega-Task) zurechtkommen soll", kommentierte Robert Schuessler, Director Strategic Systems von Rockwell International.

Aus seiner technischen Ahnungslosigkeit macht Gerstner keinen Hehl. Laut "Wall Street Journal" erklaerte er waehrend seiner Vorstellung am vergangenen Freitag in Manhattan, dass er noch keine Strategie fuer den Turnaround ausgearbeitet und sich noch mit keinem IBM-Executive getroffen habe.

Ausserdem sei er auf den Rat anderer angewiesen, wenn es um Technologie gehe. Als Zweifel an seiner Befaehigung fuer den Posten, laesst er die Wissensluecke allerdings nicht gelten. Technische Fragen loese man genauso wie alle anderen in einem Unternehmen auftauchenden Probleme: "Sie finden die Leute, die die Fakten der Situation verstehen, sie hoeren Aussenstehenden genauso zu wie Insidern, sie suchen Wege, um auf Nummer sicher zu gehen und dann kontrollieren sie das ganze," zitiert ihn das "Wall Street Journal".

Bis jetzt gab Gerstner nur einige Hinweise auf seine Strategie. Dazu gehoert die Dezentralisierung der Entscheidungsprozesse und die Naehe zum Kunden. Wenn sich Akers Vorhaben, die IBM in mehrere Baby Blues zu gliedern, als richtig erweise, dann werde er sie mit aller Macht vorantreiben. Haelt sie seinem Urteil nicht stand, "aendern wir das".

James Burke, der einflussreichste Outsider im IBM-Verwaltungsrat begruendete die Wahl eines Branchenfremden in einem Interview mit der "Financial Times". Seiner Ansicht nach, so der ehemalige Chef von Johnson & Johnson, habe IBM das Problem "nicht so sehr als Unternehmen gefuehrt zu werden, wie es noetig waere". Unter diesen Umstaenden wuerde er einen sehr erfolgreichen, hartgesottenen, strategisch denkenden Geschaeftsmann einem Technologen jederzeit vorziehen". Im uebrigen sei nur eines der elf Auswahlkriterien, an denen man die Kandidaten gemessen habe, technologieorientiert gewesen: "Erfahrungen in Information- und High-Tech" wurden in der IBM Wunschliste zwar als "sehr wuenschenswert" (O-Ton: highly desirable) aufgefuehrt, aber sie seien kein Knock-out-Kriterium fuer einen "ausserordentlichen Geschaeftsmann" gewesen.

Ob der Noch-Nabisco-Chef die IBM aus der schwersten Krise der Unternehmensgeschichte fuehren kann, entscheide sich an drei Fragen, berichtet das "Wall Street Journal Europe" unter Berufung auf Branchenkenner. Er muesse sich sehr schnell auf die neue Branche einstellen, die Unternehmenskultur umkrempeln und in den sich ueberlappenden Geschaeftsbereichen die Gewinner von den Verlierern trennen, um den extrem zusammengeschmolzenen Boersenwert der IBM wieder aufzubauen. Viel Zeit hat Gerstner nicht. Die Aktionaere wollen Geld sehen. Als das Ende der Suche nach einem Akers-Nachfolger in Insiderkreisen bekannt wurde, fielen die Kurse der leicht erholten IBM-Aktie um 3,1 auf 51,1 Dollar.