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10.05.2007

Außenstehende MAN-Aktionäre kritisieren Großaktionär VW

MÜNCHEN (Dow Jones)--Vertreter von außenstehenden Aktionären haben auf der Hauptversammlung der MAN deutliche Kritik am Vorgehen des Großaktionärs Volkswagen geäußert und die Wahl des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech in das MAN-Kontrollgremium abgelehnt. "Der bestehende Wahlvorschlag berücksichtigt nicht die Interessen der außenstehenden MAN-Aktionäre", sagte Hans-Christoph Hirt vom britischen Hermes Pensionsfonds am Donnerstag auf dem Aktionärstreffen. Es bestehe die Gefahr, dass der Großaktionär VW mit drei Vertretern im Aufsichtsrat einen sehr großen Einfluss bei MAN erlange.

MÜNCHEN (Dow Jones)--Vertreter von außenstehenden Aktionären haben auf der Hauptversammlung der MAN deutliche Kritik am Vorgehen des Großaktionärs Volkswagen geäußert und die Wahl des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piech in das MAN-Kontrollgremium abgelehnt. "Der bestehende Wahlvorschlag berücksichtigt nicht die Interessen der außenstehenden MAN-Aktionäre", sagte Hans-Christoph Hirt vom britischen Hermes Pensionsfonds am Donnerstag auf dem Aktionärstreffen. Es bestehe die Gefahr, dass der Großaktionär VW mit drei Vertretern im Aufsichtsrat einen sehr großen Einfluss bei MAN erlange.

Die Volkswagen AG ist nach dem überraschenden Einstieg im Herbst 2006 mit mittlerweile knapp 30% größter Anteilseigner des Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern. Zum ersten Mal sollen mit Piech sowie dem Leiter des Nutzfahrzeuggeschäfts Stephan Schaller und Audi-CEO Rupert Stadler drei VW-Vertreter in das MAN-Kontrollgremium einrücken. Dabei ist vorgesehen, Piech an die Spitze des Kontrollgremiums zu wählen.

Die MAN AG steht nach der gescheiterten Übernahme des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers Scania AB, an der VW ebenfalls die meisten Stimmrechte hält, vor einer ungewissen Zukunft. Volkswagen will durch eine Allianz der beiden Unternehmen einen europäischen Nutzfahrzeugchampion schaffen und das eigene Lkw-Geschäft einbringen. Wie dies geschehen soll, hat Piech aber noch nicht erklärt.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) forderte VW deshalb auf, die eigenen Pläne den MAN-Aktionären verbindlich darzulegen. "Mit der Wahl der vorgeschlagenen VW-Vertreter würden die Aktionäre de facto der Umstrukturierung des MAN-Konzerns zustimmen, ohne das Konzept von VW zu kennen", begründete Harald Petersen von der SdK. Falls VW eine führende Rolle bei einem Umbau von MAN führen wolle, solle sie stattdessen den außenstehenden Aktionären ein Übernahmeangebot machen.

Die Schutzgemeinschaft will deshalb gegen die drei VW-Vertreter votieren und schlägt stattdessen Christian Strenger zur Wahl in das Kontrollgremium vor. Strenger ist Mitglied der Coporate-Governance-Kommission und Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS. "Bei MAN wird versucht, wie bei Volkswagen durch die entscheidenden Vorgaben von Herrn Piech, das Unternehmen unter die Kontrolle der Volkswagen/Porsche Gruppe zu bringen", sagte Strenger und betonte, dass er rein als MAN-Aktionär spreche.

Gleichzeitig kritisierte er, dass Piech laut Medienberichten bereits im Vorfeld weit reichende Weichenstellungen zur Unternehmensstrategie und Personalpolitik mit Arbeitnehmervertretern im MAN-Aufsichtsrat vereinbart hat. Schon aus diesem Grund komme Herr Piech nicht als Vertreter der Kapitalseite in Frage. SdK-Sprecher Petersen kündigte in diesem Zusammenhang an, möglicherweise eine Sonderprüfung zu beantragen: "Wenn irgendetwas zu Lasten der Aktionäre vereinbart wurde, dann werden wir dafür sorgen, dass das an die Öffentlichkeit kommt und dass die Verantwortlichen in Haftung genommen werden."

"Das Beispiel VW zeigt, dass Herrn Piechs Verständnis von Unternehmensführung nicht guter Corporate Governance entspricht", so Hirt von Hermes Pensionsfonds. Sein Unternehmen lehne deshalb die Wahl von Piech ab, stattdessen werde Strenger als Aufsichtsratsmitglied vorgeschlagen.

Piech steht seit längerem nicht zuletzt wegen dem Einstieg des Sportwagenherstellers Porsche bei VW in der Kritik: Viele Investoren befürchten auch dort eine Interessenkollision, weil der VW-AR-Vorsitzende zusammen mit anderen Mitgliedern der Familien Porsche und Piech nicht nur den Sportwagenhersteller kontrolliert, sondern die Erben des Firmengründers auch gleichzeitig Besitzer des exklusiven VW-Vertriebs in Osteuropa sind.

"Die Vorgehensweise von VW ist zwar unschön, letztlich aber nur eine Frage des Stils", sagte dagegen Daniela Bergdolt Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Dies sei aber kein Grund für einen Gegenantrag. Die Rechtsanwältin sprach sich generell für einen Zusammenschluss mit Scania aus, betonte aber, dass dies unter der Führung von MAN und dem Vorstandsvorsitzenden Hakan Samuelsson geschehen solle.

Die Verdienste des Schweden, der einst bei Scania tätig war, sind unstrittig: Samuelsson restrukturierte das einst weit verzweigte Industriekonglomerat, verkaufte Verlustbringer sowie wenig profitable Einheiten und trimmte die verbliebenen Sparten auf Rendite. Innerhalb von zwei Jahren erhöhte der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern unterstützt von einem starken Konjunkturaufschwung fast alle drei Monate die Gewinnprognosen und erfüllte schneller als erwartet die zuvor formulierten mittelfristigen Renditeziele.

Webseite: http://www.man.de

-Von Matthias Krust, Dow Jones Newswires, +49 (0)711 22874 12,

matthias.krust@dowjones.com

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