Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.02.1995

Ausstellungen am Standort Deutschland Kleine Spezialveranstaltungen machen Grossmessen Konkurrenz

Von Guenther Moeller*

Die Welt der Informationstechnik ist im Umbruch, also auch ihre Messen. Ganz grosse wie die CeBIT koennen sich halten, mittlere Veranstaltungen wie die Systec verlieren an Bedeutung - sprich Besuchern -, kleine suchen und finden, gegen den Widerstand der Grossen, ihre Chance.

Zirka 50 Messen und Ausstellungen fuer Buero-, Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) gibt es zur Zeit allein in Deutschland. Mehr als 30 von ihnen finden jaehrlich statt. Hinzu kommen internationale Fachmessen in Mailand, Madrid, Basel, Wien, Genf, Paris, Bruessel, Stockholm, Amsterdam und Uebersee. Regional- und kleine Spezialmessen sowie -ausstellungen ergaenzen das Angebot. Die deutsche und internationale Messelandschaft ist schwer ueberschaubar, die Kosten-Nutzen-Relation ist fraglich geworden.

Konzentration und Ausbreitung gleichzeitig

Die rasante Entwicklung der ICT hat auch die Messelandschaft entscheidend gepraegt. Weltweit hat sich binnen eines kurzen Zeitraums eine Anzahl bedeutender ICT-Messen als eigenstaendige Veranstaltungen etabliert. Es ist gerade zehn Jahre her, dass die Informationstechnik aus der Industriemesse Hannover ausgegliedert wurde. Bis 1985 war die jetzige CeBIT lediglich Teil der Hannover Messe. Heute ist sie als von der Nomenklatur her auf Buero-, Informations- und Kommunikationstechnik begrenzte Veranstaltung die weltweit groesste Fachmesse ueberhaupt.

Mit der zunehmenden Zahl neuer Veranstaltungen haben die ICT- Branchenmessen sich ihre eigenen Konfliktpotentiale geschaffen, die in konjunkturell schwierigen Zeiten eher zutage treten als sonst. Hierbei sind augenblicklich zwei auf den ersten Blick gegenlaeufige Trends erkennbar: Konzentration auf der einen, Ausbreitung neuer Veranstaltungen auf der anderen Seite.

Weniger Standflaeche auf den Spitzenmessen

In Europa etablieren sich einige wenige grosse Messeplaetze mit der CeBIT als internationaler Leitmesse an der Spitze und der Mailaender SMAU sowie der Muenchener Systems nach Ausstellungsflaeche, Aussteller- und Besucherzahlen im Gefolge. Die CeBIT konnte als einzige ICT-Messe weltweit sogar in den Jahren der Rezession Aussteller- und Besucherrekorde verzeichnen. Fuer die Orgatec in Koeln, die im Zweijahresrhythmus stattfindet, laesst sich augenblicklich noch keine zuverlaessige Prognose abgeben, nachdem im Herbst 1994 ein starker Rueckgang bei den ICT-Ausstellern zu verzeichnen war.

Die anderen ICT-Messen mit Ausnahme der Comdex in Las Vegas haben zum Teil erhebliche Schwierigkeiten, sich in der internationalen Messelandschaft zu positionieren. Unter dem Strich nimmt das Ausstellungsangebot der 20 internationalen Spitzenmessen fuer Informationstechnik deshalb erkennbar ab. 1993/94 wurde weltweit 13,5 Prozent weniger Standflaeche vermietet als noch 1990/91. Die weltwirtschaftlichen konjunkturellen Turbulenzen der vergangenen Jahre sind hierfuer nur bedingt verantwortlich. 1994 zog die Konjunktur wieder an - der IT-Markt waechst in Deutschland und Europa augenblicklich um zirka fuenf Prozent pro Jahr -, doch muessen sich viele IT-Messen weiterhin mit Problemen bei der Akquisition von Ausstellern und der Attraktion von Besuchern auseinandersetzen. Die einst auf Rang drei plazierte und inzwischen bereits im dritten Jahr ausgesetzte Sicob in Paris ist ein Beispiel dafuer.

Hierfuer gibt es drei Gruende. Zum einen wird es messelogistisch zunehmend schwieriger, den grossen Ueberblick ueber die rapide expandierende informations- und kommunikationstechnische Branche insgesamt zu geben. Zum zweiten stehen fast alle ICT-Anbieter unter grossem Wettbewerbs- und Kostendruck, der auch ueber die Kuerzung der Messebudgets aufgefangen wird.

Die Chancen stehen grundsaetzlich gut

Unternehmen jeder Groessenordnung sind gezwungen, aus der Vielfalt der Messeangebote die fuer sie jeweils guenstigsten auszusuchen. Entscheidungskriterien sind rar. Abgewogen werden unter anderem Nutzenaspekte wie Standort, Besucher- und Ausstellerqualitaet, Besucherzahl, Presseresonanz, Terminierung, Dauer und Standgebuehren.

Schliesslich und drittens erwachsen den Grossveranstaltungen mit universalem Anspruch in den kleineren Spezialmessen und - ausstellungen Konkurrenten, die sie nicht nur ergaenzen, sondern teilweise auch ersetzen. Kleinere Messen mit zwischen 50 und 250 Ausstellern beginnen, Nischen zu besetzen. Von Fachausstellungen begleitete Kongresse sprechen gezielt ein hochspezialisiertes Publikum an. Solche Veranstaltungen konzentrieren sich auf aktuelle Entwicklungen einzelner Branchensektoren wie beispielsweise Network-Computing. Gerade dadurch sind kleinere Spezialmessen jedoch sehr viel staerker vom technologischen und konjunkturellen Wandel abhaengig als Grossmessen.

Dies ist in einer Branche, die sich seit den 60er Jahren in einem kontinuierlichen strukturellen Wandel befindet, nicht ohne Risiko. Noch vor 30 Jahren gab es informationstechnische Systeme nur in Ansaetzen. In den Bueros standen keine Computer, sondern Schreibmaschinen. Schreib- und Verwaltungsarbeiten wurden mit Hilfe mechanischer und elektromechanischer Geraete erledigt. Innerhalb nur eines Jahrzehnts wurden diese Apparate durch DV und elektronische Bueromaschinen ersetzt. Anfang der siebziger Jahre war der Schritt von der Buero- zur Informationstechnik vollzogen. Mit den multimedialen Anwendungen der Information-Highways und der Moeglichkeit weitraeumigen, anspruchsvollen Datenaustauschs ist die Informationstechnik in einen erneuten tiefgreifenden Strukturwandel eingetreten. Er ist gekennzeichnet durch die sich beschleunigende Verzahnung von Informationstechnik mit Produkten und Systemen der Kommunikationstechnik und der Unterhaltungselektronik.

Schon heute ist absehbar, dass sich im Schnittbereich dieser drei Branchen neue Messen bilden beziehungsweise dass sich die Grossmessen entsprechend ausrichten werden. Multimediale Systeme integrieren informations-, kommunikations-, unterhaltungs- und teilweise auch fototechnische Elemente. Die technologische Trennung solcher Anwendungen nach Branchen wird mehr und mehr obsolet. Dieser grundlegende Wandel ist nun von den Messegesellschaften zunaechst konzeptionell und anschliessend praktisch umzusetzen.

Fuer die etablierten ICT-Messen stehen die Chancen grundsaetzlich gut, von der expansiven Entwicklung der Branche zu profitieren. Informationstechnik findet in immer mehr Lebensbereiche Eingang.

In Zukunft wird sie uns auch ausserhalb des Bueros nicht nur beim Anfertigen von Texten und Verwalten von Adressen unterstuetzen. Vom Bankgeschaeft ueber den taeglichen Einkauf und die Reisebuchung bis zur Telearbeit traegt sie zu einer Steigerung unserer Lebensqualitaet bei. Dies bedeutet, dass auch die Zahl potentieller Messeinteressenten steigt. Denn informations- und kommunikationstechnische Produkte und Systeme sind mehr als andere Investitions- und Gebrauchsgueter erklaerungsbeduerftig.

Immer spezifischere Problemloesungen

Deutsche Messen scheinen diesen Anforderungen in besonderem Masse gerecht zu werden. Mehrere der zehn groessten europaeischen ICT- Messen werden hierzulande veranstaltet. Sie ziehen zur Zeit mehr als die Haelfte des europaeischen Aussteller- und Besucheraufkommens an. Die Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnik und ihre verbandliche Vertretung werden ihr moeglichstes tun, dass die ausserordentlich hohe Attraktivitaet des Messestandorts Deutschland erhalten bleibt. Dies ist moeglich, wenn die Messen mit der technologischen Entwicklung und den sich aendernden Marktstrukturen Schritt halten und der Ausbreitung immer neuer Veranstaltungen Einhalt geboten werden kann.

Tabelle

Die grossen europaeischen Messen fuer Informations- und Kommunikationstechnik 1994

Messe/Ort/Nettoflaeche (qm); Aussteller/Besucher

CeBIT/Hannover/;309 364*; 60421*/682 549

SMAU/Mailand/60 303; 1790/240 000

Systems/Muenchen/56 229; 1767/119 935

Orgatec/Koeln/141 000; 1591/125 120

orbit/Basel/23 000; 837/70 114

Ifabo/Wien/31 440; 562/73 818

SIMO2/Madrid/18 035; 401/140 747

Systec/Muenchen/ca. 11 000; 382/14 000

Data Office**/Stockholm/11 191; 366/40 985

Exponet/Duesseldorf/ca. 20 000; ca. 300/32 365

Efficiency Beurs**/Amsterdam/17 000; 285/60 437

Bureau/Bruessel/16 500; 240/73 0652**

Sicob/Paris: abgesagt

Which Computer/Birmingham: abgesagt

* 1995 **1993

Quelle: Fachverband Informationstechnik

nach: AUMA, CeBIT, dc, Orgatec, SMAU, Systec

* Guenther Moeller ist Geschaeftsfuehrer des Fachverbandes Informationstechnik im VDMA und ZVEI in Frankfurt am Main