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14.05.1999 - 

Alles außer der Spectrum-Unit wird veräußert

Ausverkauf bei Cabletron

MÜNCHEN (CW/IDG) - Cabletron Systems steht vor der Selbstauflösung. Das Geschäft mit der System-Management-Software "Spectrum" soll in ein eigenes Unternehmen ausgegliedert werden. Für alle übrigen Konzernbereiche sucht man Käufer.

Seit Monaten produziert das kalifornische Unternehmen, das bis Mitte der 90er Jahre noch als Highflyer in der internationalen Netzwerkszene galt und in einem Atemzug mit Branchengrößen wie Cisco Systems, 3Com oder Bay Networks (jetzt Nortel) genannt wurde, negative Schlagzeilen. Insofern kommt die Nachricht über einen Verkauf beziehungsweise die Zerschlagung des Unternehmens nicht überraschend.

Schon im Januar hatte die "New York Post" berichtet, das Cabletron-Management selbst habe die US-Investmentbank Merrill Lynch mit der Suche nach einem Kaufinteressenten beauftragt (siehe CW 9/99, Seite 61).

Jetzt scheinen sich die Pläne konkretisiert zu haben. Nach Angaben von Robert Travis, verantwortlicher Cabletron-Manager für den Bereich Investor Relations, ist mit den Experten von Merrill Lynch bereits "Phase zwei" des "Rollouts" in Angriff genommen worden. Demnach ist die Ausgliederung der bisherigen System- und Netz-Management-Division, die für die Weiterentwicklung und den Vertrieb der Management-Suite "Spectrum" verantwortlich zeichnet, in ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen beschlossene Sache. Ein Teil der Aktien soll in den öffentlichen Handel gehen; die Mehrheit an der "Spectrum-Company" bleibt jedoch im Besitz der bisherigen Cabletron-Aktionäre. Für alle übrigen Konzernbereiche (Enterprise Networks, Service Provider Networks und Professional Services) suche man, so Travis, nach Formen "einer Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligung anderer Partner" - oder nach einem Käufer.

Mit diesem Schritt geht das Cabletron-Management noch weiter, als es erste Spekulationen zu Beginn des Jahres noch vermuten ließen. Seinerzeit war von einem (lukrativen) Verkauf des ganzen Unternehmens die Rede gewesen; unter Umständen auch von einem Einstieg eines Finanzinvestors, der die Position der Company gestärkt, gleichzeitig aber deren Unabhängigkeit und weitere Existenz gesichert hätte. Jetzt, so scheint es, hat man aber keine andere Alternative mehr gesehen. Die mittlerweile auch von CEO Greg Benson bestätigte Selbstauflösung beziehungsweise der Ausverkauf einzelner Business Units sollen noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Über mögliche Käufer schweigt man sich nach wie vor aus. Fest steht aber, daß der Börsengang der "Spectrum"-Division sowie das Verscherbeln der anderen Geschäftsbereiche mindestens 2,5 Milliarden Dollar in die Kasse der Cabletron-Aktionäre bringen soll.

Die Kalifornier waren in den vergangenen zwei Jahren von einer Krise in die andere getaumelt. Kritiker brachten die Probleme zuletzt auf den Nenner: Zu lange Produktzyklen, Marketing-Fehler sowie eine handfeste Führungskrise. Nach dem Rückzug von Mitbegründer Robert Levine übernahm Ende 1997 kurzzeitig der frühere Nynex-Manager Don Reed das Ruder, wurde jedoch nach einem katastrophalen Einbruch der Geschäftszahlen wenige Monate später wieder in die Wüste geschickt. Seither trägt Co-Founder Benson die Verantwortung, der jedoch das Ruder auch nicht mehr herumreißen konnte. Cabletron schrieb erst im vierten Quartal des letzten Geschäftsjahres (Ende: 28. Februar) mit einem Gewinn von 2,5 Millionen Dollar (bei 345,1 Millionen Dollar Umsatz) wieder schwarze Zahlen. Das Unternehmen galt deshalb unter Experten mit seinem Jahresumsatz von zuletzt 1,41 Milliarden Dollar im hart umkämpften und von technologischen Umbrüchen gekennzeichneten Netzwerkmarkt seit längerem als zu klein und damit als potentieller Übernahmekandidat.