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Aktionäre gehen leer aus

Ausverkauf bei Gigabell: Die erste Pleite am Neuen Markt

10.11.2000
MÜNCHEN (CW) - Die TK-Gesellschaft Gigabell schreibt Geschichte. Das von dem ehemaligen Schlagersänger Daniel David gegründete Unternehmen ist das erste am Neuen Markt, dessen Aktionäre ihr Geld nahezu komplett verloren haben. Mit dem Verkauf wichtiger Bereiche an die finnische Internet-Firma Jippii - ehemals Saunalahti - verbrieft die Gigabell-Aktie nur noch Anteile an einer wertlosen Company.

Für zehn Millionen Mark kaufen die Finnen zwar wesentliche Geschäftsfelder von Gigabell, gehen jedoch keine Beteiligung ein. Noch Ende September hatten sie mitgeteilt, die auf 56 Prozent geschätzten Anteile des mittlerweile zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden David übernehmen zu wollen. Bedingung war jedoch, dass Gigabell seinen Schuldenberg deutlich reduziert. Allem Anschein nach ist dies dem Frankfurter Unternehmen nicht gelungen. Jippii übernimmt nun lediglich Anlagen, Lizenzen und Kundenbestände des insolventen Unternehmens, kurz- und langfristige Schulden allerdings nicht. Wie der Insolvenzverwalter Dirk Pfeil Mitte Oktober mitgeteilt hatte, belaufen sich diese auf rund 50 Millionen Mark. Durch den Kaufpreis von zehn Millionen Mark erhielten die Gläubiger immerhin ein Fünftel ihrer Außenstände. Für Pfeil ("Die Aktie ist ein Unwert") ist dies zumindest einTeilerfolg, denn ein Scheitern der Verhandlungen mit den Finnen hätte durch Schadensersatzforderungen aus laufenden Verträgen die Schulden auf mindestens das Doppelte erhöhen können.

Für die Anteilseigner sieht der Jurist jedoch schwarz: "Wer Aktionär ist, ist Unternehmer und somit Mitpleitier". Die Gesellschaft werde nur noch dem Namen nach existieren können. Nach Wiederaufnahme des Handels am dritten Oktober brachen die Aktien prompt um mehr als 75 Prozent auf 1,80 Euro ein. Später erholten sie sich geringfügig auf knapp drei Euro. Auf diesem Niveau laufen derzeit lebhafte Spekulationsgeschäfte.

Das an der Börse in Helsinki notierte Unternehmen stammt wie Gigabell aus dem Internet- und Telekommunikationssektor und ist bislang in Finnland, Norwegen und Großbritannien aktiv. Auch wenn der Anbieter das gleiche Produktportfolio wie die Frankfurter besitze, werde er kein "neues Gigabell", betonte der Jippii-Vorstandschef Harri Johannisdahl. Rund 180 der 200 Arbeitsplätze bei Gigabell blieben erhalten, hieß es, weitere Details zum Fortgang des Betriebs sollen in Kürze bekannt gegeben werden.