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07.10.1994

Ausverkauf im Grafikmarkt: Adobe uebernimmt Photostyler Kaufrausch von Adobe kostet die Aldus GmbH die Existenz

MUENCHEN (ade) - Der konsequente Uebernahmekurs von Adobe fordert auch hierzulande erste Opfer. Gegen Ende 1994 muss die Hamburger Aldus-Niederlassung ihre Tore schliessen. Zudem befindet sich jetzt das letzte ernstzunehmende Konkurrenzprodukt, "Photostyler" von U- Lead, in den Haenden des Acrobat-Anbieters. Anwender zeigen sich besorgt ueber die nahezu komplette Beherrschung des Grafikmarkts durch Adobe.

Mit einer Hiobsbotschaft muessen demnaechst die Mitarbeiter der Hamburger Aldus-Niederlassung rechnen: Die von der Adobe Systems Inc. angekuendigten Personalkuerzungen um rund 20 Prozent auf etwa 1600 Mitarbeiter weltweit treffen vor allem die deutsche Tochtergesellschaft von Aldus. Laut Frank Steinhoff, Marketing- Direktor und Mitglied der Geschaeftsleitung der Adobe GmbH, Muenchen, ist eine Schliessung der Dependance zum 30. November oder 30. Dezember dieses Jahres vorgesehen. Der Support der Aldus- Kunden falle kuenftig, so Steinhoff auf der Frankfurter Messe Macworld Expo '94, in den Zustaendigkeitsbereich von Adobe.

Waehrend die Marketing-Crew in diesen Tagen vollmundig damit wirbt, dass Adobe durch die Akquisition des Erzrivalen Aldus zum viertgroessten PC-Softwarehersteller nach Microsoft, Novell/Wordperfect und Lotus avanciert sei, hat die Fuehrungsetage des "Postscript"-Erfinders bereits neue Uebernahmeplaene ausgeheckt. Wie die CW-Schwesterpublikation "Infoworld" mitteilt, ist der Sourcecode von

Photostyler der U-Lead Systems vor kurzem in den Besitz von Adobe uebergegangen. U-Lead hatte den Quellcode urspruenglich an Aldus lizenziert.

Support von Photostyler steht nun auf dem Spiel

Anwendern des Grafikpakets duerfte diese Nachricht uebel aufstossen: Analysten erwarten, dass Adobe die Weiterentwicklung und den Support von Photostyler mittelfristig zugunsten des eigenen Bildverarbeitungspakets "Photoshop" einstellen wird.

"Sie werden Benutzer von Photostyler dazu ueberreden, auf Photoshop umzusatteln", glaubt beispielsweise Bill Caffery, Vice-President und Director der Advanced Technology Group bei der Gartner Group.

Auch die Kundschaft hat den Braten offensichtlich bereits gerochen. Viele Anwender bewerten die Uebernahme von Photostyler durch die kalifornische Company aus Mountain View als Schlussverkauf im Grafikmarkt:

"Es war das letzte Stueck des Kuchens", meint der Photoshop- und Photostyler-User Doug Lidster, Electronic Publishing Coordinator bei der Woodsmith Corp., Des Moines, Iowa. Ebenso sorgen sich Benutzer im Aldus-Forum des Online-Informationsdiensts Compuserve um die Weiterentwicklung des ehemaligen U-Lead-Pakets. Unter der Ueberschrift "Adobe kills Photostyler?" diskutieren Benutzer derzeit darueber, ob kuenftig eine Auswahl zwischen mehreren Bildverarbeitungspaketen bestehen werde.

Adobe huellt sich diesbezueglich in Schweigen: "Wir befinden uns derzeit in einem Evaluationsmodus", lautet die lapidare Auskunft von Bryan Lamkin, Senior Product Manager fuer Photoshop. Alles sei moeglich - Entscheidungen noch nicht gefaellt. Auch auf der Mac- Messe in der hessischen Metropole war das Thema Photostyler - zumindest fuer die Adobe-Mannschaft - noch tabu. Stefan Horst, zustaendig fuer die Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit der Hamburger Aldus-Dependance, haelt eine Koexistenz von Photoshop und Photostyler jedoch fuer moeglich.

Eine fuer den PC-Grafikgiganten Adobe wohl eher harmlose Niederlage mussten die Mannen um Chef John Warnock allerdings hinnehmen. Nachdem die Altsys Corp. im April dieses Jahres Klage gegen den Acrobat-Hersteller wegen Verletzung eines bestehenden Technologieabkommens eingereicht hatte, muss Adobe das Streitobjekt "Freehand" Mitte Januar 1995 wieder an Altsys uebergeben.