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15.05.1981 - 

Optimale Nutzung der Technologie durch den Teilnehmer:

Auswählen per Videotext - Buchen über Bildschirmtext.Technisch realisierbar - aber auch rechtlich und politisch?

MÖNCHENGLADBACH: (je) - Eine zukunftsorientierte Darstellung über Videotext und Bildschirmtext nennt Albert Handelmann aus Mönchengladbach, der sich selbst als "Versuchsteilnehmer" bezeichnet, seine nebenstehenden Ausführungen. Handelmann möchte mit seinem Beitrag das Thema einer möglichen Kombination von Videotext und Bildschirmtext zur Diskussion stellen. Technische Probleme, betont er, gibt es für ein solches Vorhaben nicht. Möglicherweise jedoch, räumt er ein, sprechen rechtliche und politische Gründe dagegen.

Die Zukunftschancen der Datenfernverarbeitung sind derzeit noch gar nicht ausgereizt. Hat die Kommunikationstechnologie erst die Betriebe erfaßt, ist es auch nicht mehr weit, bis die Technik die Haushalte und somit "Otto Normalverbraucher" erreicht. VTX als Videotext-Angebot der Fernsehanstalten und BTX als Bildschirmtext-Angebot über die Deutsche Bundespost sind geradezu ein Beispiel dafür.

Beide Dienste sind zukunftsweisend und befinden sich noch im Feldversuch. Noch sind Änderungen möglich. Noch kann der Verbraucher entscheidend an der Zukunft mit seiner Meinung und Einstellung mitwirken. Bundespost und Fernsehen haben ein offenes Ohr für Verbesserungen. Eine Kombination von VTX und BTX wäre geradezu phantastisch.

Analysiert man die Situation bei VTX/BTX und im Haushalt von "Otto Normalverbraucher" über das, was vorhanden ist und das, was geboten wird, kommt man ohne Vorurteile zu folgenden Erkenntnissen:

Videotext hat derzeit ein Angebot zwischen 16.00 Uhr und Sendeschluß über (Ausschnitt)

- sämtliche Fernsehprogramme mit Vorschau und Beschreibungen,

- Sonderzusammenfassung von Programmen für Kinder und Eltern,

- aktuelle Videotext-Auswahl,

- Nachrichten/aktuelle Politik/ Sport/letzte Meldungen,

- Kultur

- Pressevorschauen verschiedener überregionaler Zeitungen,

- Verkehr/Wetter,

- Sendungen mit Untertiteln für Schwerhörige.

Die Startseite S 100 bei VTX präsentiert sich den Fernsehteilnehmern wie folgt:

Was benötigt nun der Fernsehteilnehmer, um VTX empfangen zu können?

1. einen Videotext-Decoder mit Fernbedienungsbox,

2. eine gut eingerichtete Antenne, um einen störungsfreien Empfang zu gewährleisten.

Die Funktionsweise von Videotext

Der Fernsehsender: Der Sender hat bei Betrieb Zugriff auf die für VTX erstellten Daten. Diese Daten werden geordnet, in Seiten zusammengefaßt, und dann wird Seite für Seite durchgehend ausgesendet.

VTX bietet momentan rund 75 Seiten an; 75 Seiten deshalb, um die Zugriffszeit zu den einzelnen Seiten relativ kurz zu halten, da beim Übertragen dem Sender nur die Leerzeilen der sogenannten "Austastlücke" zur Verfügung stehen. Die Seiten werden auch während der Ausstrahlung immer auf den neuesten Informationsstand gehalten.

Ein Durchlauf der 75 Seiten dauert etwa 15 Sekunden.

Der Fernsehteilnehmer: Der mit VTX ausgerüstete Teilnehmer empfängt, wenn er VTX eingeschaltet hat, mit dem Decoder alle vom Sender ausgestrahlten Seiten, aber nur die vom Teilnehmer an der Fernbedienungsbox eingegebene Seitennummer wird vom Decoder auf den Fernsehschirm übertragen. Über die Programmtasten der Fernbedienungsbox kann der Teilnehmer jede von VTX angebotene Seite auf den Bildschirm bringen. Daß der Teilnehmer mit der "Mix-Taste" der Box das normale Fernsehprogramm und VTX sehen kann, ist gelegentlich sehr nützlich. Überdies kann durch Seitenteilung die Schrift wesentlich vergrößert werden.

Zusammenfassend ist zu sagen, daß das Angebot über VTX für alle Fernsehteilnehmer und somit Haushalte gleichzeitig zugriffsbereit ist. Der Übertragungsweg ist geeignet, um Informationen gleichzeitig einer großen Anzahl von Teilnehmern zukommen zu lassen. Auch das Kabelfernsehen muß mit seinen Möglichkeiten in die Zukunftsüberlegungen mit einbezogen werden. Eine Angebotsaufteilung zwischen den einzelnen Sendern könnte die Zugriffszeit verkürzen.

Bildschirmtext über die Deutsche Bundespost

Bildschirmtext hat derzeit ein wesentlich umfangreicheres und flexibleres Angebot als VTX. Diverse Anbieter sind mit den unterschiedlichsten Offerten über Datex-P an die BTX-Zentrale angeschlossen. Der Zugang für Teilnehmer ist jedoch noch stark eingeschränkt wegen der regional begrenzten Versuchsbetriebs (Berlin/Düsseldorf) .

Die Anwendung von BTX reicht in diesem Bereich von "Bankbuchung" bis "Bestellung beim Versandhandel". So kann über BTX nach Katalog beim Versandhandel bestellt und diese Bestellung über BTX bestätigt werden. Was benötigt der Fernsehteilnehmer, um mit BTX im Dialog zu verkehren?

1. einen BTX-Decoder (beinhaltet auch VTX) und eine Fernbedienungsbox,

2. einen Modem der Bundespost D-BT 02 und Telefon.

(Zusatzbemerkung: In den USA können Modems dieser Art bereits in das Telefon integriert werden.)

Die Anbieter: Die Anbieter sind mit ihren Datenbanken über Datex-P an die BTX-Zentrale angeschlossen. Kleinen Anbietern stellt die BTX-Zentrale je nach Angebot die entsprechende Seitenkapazität zur Verfügung. Die Angebote sind also zeitunabhängig verfügbar und zugänglich.

Der Teilnehmer: Der Teilnehmer schaltet mit der Fernbedienungsbox seinen Fernseher über den Decoder auf BTX und betätigt die Wahltaste. Das Gerät wählt nun selbsttätig die BTX-Zentrale an. Die von der Post vergebene Teilnehmernummer und das Kennwort sind bei den neueren Modems D-BT 02 bereits integriert und werden automatisch ausgesendet. Es erscheint dann sofort die BTX-Begrüßungsseite. Der Teilnehmer kann nun genau wie bei VTX über die Programmtasten wählen und vom umfangreichen BTX-Angebot Gebrauch machen.

Somit kann man zusammenfassend sagen: Das Angebot über BTX ist heute schon sehr umfangreich, der Dialog zwischen Anbietern und Teilnehmern jedoch begrenzt, da in jedem Fall das öffentliche Fernsprechnetz der Bundespost verwendet wird.

Phantastisch wäre eine Kombination zwischen VTX und BTX, um das Datenvolumen und den Datenfluß wirtschaftlich zu verteilen und dem Teilnehmer ein Optimum in der Nutzbarkeit der zur Verfügung stehenden Technologie zu bieten.

Berücksichtigt man, daß:

VTX über Fernsehsender eine große Informationsmenge (Datenvolumen) einer enorm großen Zahl von Teilnehmern zur Verfügung stellen kann und die Teilnehmer diese Informationsmenge gezielt auswerten können, BTX über das öffentliche Fernsprechnetz eine große Informationsmenge nur einer begrenzten Anzahl von Teilnehmern zur Verfügung stellen kann, diese Teilnehmer aber auswählen und mit der gewählten Datenbank im Dialog arbeiten können, so kommt man zu dem Ergebnis, daß eine Kombination oder Zusammenfassung beider Dienste nur sinnvoll sein kann. Die abgebildete Skizze soll den Informationskreislauf veranschaulichen.

Ein Beispiel: Der Versandhandel XY hat eine große Angebotspalette, die er in Katalogen den Kunden anbietet. Er muß also Kataloge erstellen und verteilen. Er hat hier theoretisch und praktisch die Möglichkeit, über VTX seinen Katalog allen Kunden anzubieten. Nachfolgende Änderungen müßten nur einmal auf der Datenbank durchgeführt werden. Das Katalogangebot über VTX steht also einer großen Zahl von Interessenten immer zur Verfügung.

Fernseher mit eingebautem Decoder

Der Kunde AB bestellt regelmäßig Artikel aus dem Angebot des Versandhandels XY. Er hat bei einer VTX/BTX-Kombination die Möglichkeit, sich über VTX sämtliche Artikel auszusuchen. Er entlastet diese bei der Auswahl das öffentliche Telefonnetz. Hat er seine Entscheidung über die Artikelbestellung gefällt, wählt er über BTX den Versandhandel XY an und bestellt. Das öffentliche Telefonnetz wird also nur geringfügig belastet.

Die Kostenseite fällt ebenfalls zugunsten einer VTX/BTX-Kombination aus. Das Beispiel ließe sich genausogut mit dem Reiseveranstalter ZZ durchführen (Angebot über VTX, Buchung über BTX). Zum Abschluß sollte noch erwähnt werden, daß bereits einige TV-Hersteller werksseitig den Decoder mit einbauen. Wer im Grenzgebiet der Niederlande wohnt, kann mit der deutschen Videotext-Einrichtung den niederländischen "Teletekst" empfangen. (Der niederländische Teletekst hat mit dem Teletex der Bundespost nichts gemeinsam.)