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17.10.2006

Autobiographie: Fiorina rechnet ab

In ihrem Buch "Tough Choices" rechnet die ehemalige Chefin von Hewlett-Packard (HP), Carleton Fiorina, mit einigen HP-Verwaltungsratsmitgliedern ab. Das könnte für das gegen HP laufende Verfahren von Interesse sein.

Erste Passagen der Biographie waren bereits vor der Buchveröffentlichung in US-Medien zitiert worden. Die ehedem gefeierte Top-Managerin lässt dabei kein gutes Haar an dem Verwaltungsrat von Hewlett-Packard, der sie im Frühjahr 2005 gefeuert und durch Mark Hurd ersetzt hatte. Fiorina bezeichnet das Board of Directors als "dysfunktional" und als dilettantische, zerstrittene, kindische Ansammlung von passiven Managern.

Frustrierter Hurd

Seit ihrem Amtsantritt 1999 als Frontfrau von HP habe ihr das vornehmlich mit Männern besetzte Gremium das Leben schwer gemacht. Fiorina gab in einem Interview im Vorfeld der Buchpräsentation zum Besten, sie habe sich im April 2006 mit dem heutigen HP-Chef Mark Hurd zum Frühstück getroffen. Bei diesem Treffen habe sich Hurd ihr gegenüber "frustriert" über das Direktorium geäußert. Diese Aussage will der HP-Chef selbstredend nicht kommentieren.

Eigentlich hat die ehemalige First Lady der IT-Branche keinen Grund zur Klage. Ihr war der Absturz von der Weltbühne der IT-Szene mit einem komfortablen Fallschirm abgefedert worden. Die Abfindung betrug immerhin 21,4 Millionen Dollar, eine Summe, ob deren Höhe es später noch Diskussionen im und über den Aufsichtsrat gab. Fiorina quittiert den goldenen Händedruck allerdings nur knapp: "Man hat mir dabei nicht in die Augen gesehen und man hat mir auch nicht die Gründe für den Rauswurf genannt." Die Direktoriumsmitglieder hätten sich weder bedankt, nicht einmal verabschiedet habe man sie.

Ihre Demission brachte ihr das damals noch einfache Direktoriumsmitglied Patricia Dunn nach einem Treffen des Aufsichtsrats in einem Hotel nahe dem Chicagoer Flughafen nahe. Sie schlug vor, Fiorina solle gegenüber der Öffentlichkeit die übliche Formel vom eigenen Entschluss benutzen. Nach einigen Stunden Bedenkzeit habe sich die alerte Managerin aber gegen diese Option entschieden. Sie konnte die Entscheidung des Boards nicht nachvollziehen. Also sah sie auch keinen Grund, den Rauswurf zu kaschieren.

In ihrem Buch geht Fiorina mit einigen Mitgliedern des Verwaltungsrats ins Gericht, die jetzt auch in den Abhörskandal verwickelt sind und die teilweise - wie etwa Dunn - mittlerweile von ihren Ämtern zurückgetreten sind. In dem Verfahren gegen HP, in dem HP-Chef Hurd seine Mitwisserschaft bereits zugegeben hat, werden fünf Personen angeklagt. Neben Dunn sind dies der bei HP ehedem für Ethikfragen zuständige Manager Kevin Troy Hunsaker und die Privatdetektive Ronald DeLia, Matthew DePante und Bryan Wagner. Sie sollen HP-Mitarbeiter und Journalisten überwacht und abgehört haben.

Gereizt reagierender Mensch

Dunn, die nach der Entmachtung der ehemaligen HP-Ikone zur Aufsichtsratschefin aufstieg, habe einen "ausgesprochen zufriedenen Eindruck gemacht, nun eine bedeutendere Position auszufüllen", stichelt Fiorina in ihren Memoiren. Welche Meinungen Dunn vertrat, sei hingegen "häufig nicht zu erkennen" gewesen. Die Verwaltungsratschefin, mit 53 Jahren fast im gleichen Alter wie die ein Jahr jüngere Fiorina, konterte die Kritik mit dem Vorwurf, bei Fiorina sei das Direktorium auf taube Ohren gestoßen. Board-Mitglied George Keyworth, bei den internen Ermittlungen von HP als undichte Stelle im Verwaltungsrat identifiziert und mittlerweile zurückgetreten, bezeichnete die Buchautorin als einen emotionalen, ungeduldigen und gereizt reagierenden Menschen.

Exklusiver Lebensstil

Thomas Perkins, der aus Protest über die Abhörmethoden des Unternehmens aus dem Direktorium zurücktrat, werden von Fiorina in ihrer Biografie ganz eigene Absichten unterstellt, deren Ziele ihr aber nicht erkenntlich gewesen seien. Perkins ist Mitbegründer des Wagniskapitalunternehmens Kleiner Perkins Caufield & Byers. Als Geldgeber finanzierte seine Firma Gründungen wie die von Sun Microsystems, AOL, Amazon, Netscape und Google. Perkins, ehedem Absolvent der US-Eliteuniversitäten Massachussetts Institute of Technology (MIT) und von Harvard, gilt als schillernde und sehr einflussreiche Person im Silicon Valley. Er pflegt seinen Lebensstil mit exklusiven Autos (Vorliebe sind Bugattis) und Yachten (ihm gehört "The Maltese Falcon", eine der drei größten Yachten weltweit) zu zelebrieren. Für seinen Rückzug aus dem HP-Board werden ihm taktische Motive unterstellt. Als er im Mai 2006 die HP-Aufsichtsratssitzung, in der die Bespitzelungsaffäre benannt wurde, unter Protest verließ, war dies bereits das zweite Mal, dass Perkins den Direktoriumssitz niederlegte. Dieses Mal war er es, der die Öffentlichkeit über den Abhörskandal informierte und mit Details fütterte.

In "Tough Choices" schreibt Fiorina, die undichten Stellen im Top-Management von HP habe es auch schon zu ihrer Zeit und mindestens seit der Fusion von Compaq mit HP im Jahr 2002 gegeben. Die Ex-Chefin nennt Beispiele. So habe HP etwa Anfang Januar 2005 unbefriedigende Zahlen für das dritte Quartal 2004 bekannt gegeben, ein Aufschwung sei aber bereits deutlich in Sicht gewesen. Trotzdem hätten Keyworth, Dunn und das weitere Direktoriumsmitglied Dick Hackborn ihr zwei Tage vor einem Zusammentreffen des Direktoriums im Januar 2005 Vorhaltungen wegen des Aktienkurses von HP gemacht. Ihre Bedenken garnierten sie laut Fiorina mit präzisen Vorschlägen über eine Umorganisation des Unternehmens. Dieser Vorstoß sei, schreibt das "Wall Street Journal", hitzig diskutiert worden.

Tage später musste Fiorina wütend zur Kenntnis nehmen, dass eben dieses Wirtschaftsblatt einen Artikel zu den Firmenveränderungen veröffentlichen wollte. In einer von der damaligen HP-Chefin sofort für einen Samstag einberufenen Konferenzschaltung hätten alle Verwaltungsratsmitglieder aber bestritten, mit den Enthüllun-gen an die US-Zeitung zu tun zu haben. Fiorina gab daraufhin der in den USA bekannten Anwaltskanzlei Wilson Sonsini Goodrich & Rosati den Auftrag, alle Verwaltungsratsmitglieder zu befragen, um so möglicherweise die undichte Stelle zu finden. Die Interviews blieben ohne Ergebnis.

"Sehr verstörend"

HPs aktueller Chef, Mark Hurd, hatte zu Beginn des Klageverfahrens gegen HP Ende September eine Pressekonferenz abgehalten. Darin gab er zu, von den Bespitzelungen informiert gewesen zu sein. Allerdings habe er die Einzelheiten über die praktizierten Methoden als "sehr verstörend" empfunden. Hurd sprach nach Aussagen von Teilnehmern der Pressekonferenz sichtlich nervös und mit zittriger und erstickter Stimme. Er entschuldigte sich ausdrücklich bei den anwesenden Journalisten und den anderen Betroffenen. Er rechtfertigte zwar, dass sein Unternehmen die undichte Stelle im HP-Management ausfindig machen wollte, gab dabei aber zu, dass die Untersuchung eine Richtung genommen habe, die "wir nicht vorhersehen konnten." (jm)