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16.11.1979 - 

Mit HP 3000 zum integrierten Gesamtsystem

Autoflug startet EDV nach Probelauf

RELLINGEN - Eine 18prozentige Reduzierung des durchschnittlichen Bestandes im Materialbereich, seitdem die einschlägigen Daten im eigenen Hause auf einer HP 3000 von Hewlett-Packard verarbeitet werden, ist sicher ein aus dem Rahmen fallender Rationalisierungserfolg. Ungewöhnlich an der EDV-Organisation des Unternehmens Autoflug in Beilingen bei Hamburg ist auch der Prozeß der Entscheidungsfindung; man installierte zunächst ein, später zwei interaktive Terminals, die mit dem Computer eines anderen Hauses, das Rechnerzeit übrig hatte, online verbunden wurden. Autoflug testete so, ob es möglich sei, auf dem in Aussicht genommenen System eigene Programme zu entwickeln. Außerdem ließ man die Fachabteilungen erste Erfahrungen mit der Dialogverarbeitung sammeln. Erst nach rund acht Monaten "Probelauf" ordete man einen eigenen Computer.

Die Autoflug GmbH wurde 1919 von dem Flugpionier und Wright-Schüler Gerhard Sedlmayr in Berlin-Johannistal gegründet. Von Anfang an spezialisierte sie sich auf Sicherheitszubehör. Das seit 1952 in Rellingen ansässige Unternehmen beschätigt rund 1000 Mitarbeiter, davon etwa 100 im Kieler Zweigbetrieb, der für den Sektor Schiffahrtausrüstung zuständig ist. Das Produktionsprogramm ist in die Bereiche Kraftfahrtausrüstung (Sicherheitsgurte, Kindersitze), Luftfahrtausrüstung (Fallschirme, Schleudersitze, Lastengurte), Schifffahrtausrüstung (aufblasbare Rettungsinseln, Schwimmwesten, Schlauchboote) und Industrieausrüstung gegliedert. Von den voraussichtlich 100 Millionen Mark Umsatz des Jahres 1979 entfallen etwa 50 Prozent auf den Kraftfahrzeugbereich, 40 Prozent auf die Luftfahrt und der Rest auf Schiffahrt und Industrieausrüstung. Den "großen Sprung vorwärts" machte Autoflug in den letzten zwei Jahren. 1977 hatte man noch 600 Mitarbeiter. Hauptursache für diese Entwicklung ist die seither gesetzlich vorgeschriebene Gurteinbaupflicht in Pkws. Der explosionsartige Umsatzzuwachs stellte Produktion und innerbetriebliche Organisation vor schwierige Probleme.

Der führende Hersteller von Sicherheitszubehör hat eine wechselvolle DV-Geschichte. Bis 1971 kam man ganz ohne EDV aus. Dann ließ das Unternehmen die Lohn- und Gehaltsdaten extern erfassen und bei der Holsten-Brauerei, deren Siemens 4004 nicht ausgelastet war, verarbeiten. Die Buchhaltung mit der Datenerfassung übertrug Autoflug einem mit einem IBM-Rechner bestückten externen Rechenzentrum, wenig später auch die Ersatzteildokumentation für Lieferungen an die Bundesrepublik Deutschland. 1972 stellten die Rellinger mit Klaus Wallat, dem heutigen EDV-Leiter, einen Profi ein. Seine erste Aufgabe war die Einführung von Programmen für die Materialwirtschaft des bundeseigenen Lagers, die man auf der externen 4004 laufen ließ. Es folgte die eigene Materialwirtschaft, die ebenfalls .auf der Siemens der Holsten-Brauerei verarbeitet wurde. 1974 löste das Hamburger Unternehmen seine 4004 durch eine IBM 370-135 mit DOS-Betriebssystem ab. Ergo mußten die einschlägigen Programme von Autoflug auf das neue System umgestellt werden. Als 1976 die Brauerei ihre gesamte Rechnerkapazität selbst brauchte, wurden Lohn- und Gehalt sowie Materialwirtschaft dem Rechenzentrum übertragen, das bisher schon für die Autoflug die Buchhaltungsdaten verarbeitete und damit alle DV-Aktivitäten an einer Stelle konzentriert. Für die Materialwirtschaft brachte man die Software mit, während bei Lohn- und Gehalt auf das RZ-Programm zurückgegriffen wurde.

Die externe Datenverarbeitung von Autoflug hatte l976 bereits beträchtliche Dimensionen angenommen, deshalb wurden erste Überlegungen angestellt, ob man nicht mit einer eigenen Anlage billiger fahren würde. Man sah sich die infragekommenden Systeme von Hewlett Packard, IBM, Sperry Univac und Siemens näher an und wertete die Angebote vor allem unter dem Gesichtspunkt von fertiger Applikationssoftware aus. Hewlett Packard hatte hier nichts zu bieten und wurde deshalb zunächst hintenangestellt. Doch auch die Standardprogramme der übrigen Hersteller boten - vor allem in der Dialogverarbeitung - nicht das, was man sich im Hause Autoflug vorgestellt hatte. Die Entscheidung über eine eigene Anlage wurde deshalb zunächst zurückgestellt.

Wallat war sich im klaren darüber, daß er bei einem hauseigenen System um die Produktion von Anwendersoftware nicht herumkommen würde. Die Unternehmensleitung wollte jedoch nicht gleich ins kalte Wasser springen und schaffte deshalb zunächst ein Terminal an, auf dem interaktiv und über eine Wählleitung (später Standleitung) mit einem externen Rechner verbunden, testweise Programme entwickelt werden konnten. Man entschied sich für ein Bildschirmterminal 2644 von Hewlett Packard und mietete externe Rechnerzeit auf einer HP 3000. Damit war schon .eine Vorentscheidung für ein Hewlett Packard-System gefallen. Unter reinen Hardwaregesichtspunkten gab Autoflug diesem Hersteller den Vorzug. Die Gründe hierfür waren das Betriebssystem (MPE II), das eine relativ einfache und weitgehend operatorfreie Bedienung der Anlage ermöglicht, der Time-Sharing-Betrieb der HP 3000, durch den man ohne große Probleme mit Terminals arbeiten kann, die Datenbank IMAGE/3000 einschließlich Abfragesystem QUERY/3000, die die Programmentwicklung vereinfacht und last not least das Preis-/Leistungsverhältnis.

Mitte Mai 77 wurde das Terminal installiert, im September des gleichen Jahres standen bereits die ersten von Klaus Wallat interaktiv entwickelten Anwenderprogramme (Bestandsführung Materialwirtschaft und einschlägige Auswertung). Dieser Erfolg veranlaßte Autoflug, eine Standleitung anzumieten und ein weiteres Terminal, ebenfalls mit Online-Verbindung zum Rechner, im Materiallager für den Kfz-Bereich aufzustellen. Es diente dort zur Stammdatenerfassung und zur Online-Lagerbestandsführung. Zugleich gewann man erste Erfahrungen, wie eine Fachabteilung mit der vor Ort transferierten Computerleistung umgehen kann.

Anfang 1978 war der Arbeitsumfang auf der externen HP 3000 (ausgebaute Materialwirtschaft mit Bestellwesen) schon so umfangreich, daß von den Kosten her eine eigene Anlage hätte finanziert werden können. Deshalb entschied sich Autoflug auch schnell für den Kauf einer HP 3000, Serie II, dem damals größten Universalcomputer von Hewlett-Packard (inzwischen ist die Serie II von der Serie III abgelöst). Im Oktober 1979 war folgende Ausbaustufe erreicht:

- CPU HP 3000, Serie Il mit 384 KB Hauptspeicher;

- 16 Bildschirmterminals und zwei Druckerterminals;

- 3 Plattenlaufwerke mit je 50 MB;

- 1 Magnetbandeinheit 1600 bpi (für Datensicherung und Datenträgeraustausch);

- 1 Zeilendrucker (600 Zeilen pro Minute), 1 Typenraddrucker ohne Tastatur (300 Zeichen pro Sekunde).

Die Anlage läuft im 24-Stunden-Betrieb, mit selbständigem Wiederanlauf bei Stromausfall bis zu 1 1/2 Stunden. Die hohe Systemverfügbarkeit dokumentieren die nur rund 60 Stunden Ausfall der Zentraleinheit in rund 1 1/2 Jahren Dauerbetrieb. Als Mitglied des HP-User-Clubs hat sich Autoflug mit "Sleeper" aus der Contributed Library eine Art automatischen Operator herausgefischt. "Sleeper" ruft zu bestimmten Terminen Programme und Jobs selbsttätig auf. So können nachts im Spoolbetrieb Listungen etc. abgearbeitet werden, die man morgens dann ausdrucken läßt.

Datenbank-Nutzen

Inzwischen ist eine beträchtliche Palette von dialogorientierten Anwenderprogrammen für die HP 3000 entwickelt worden, alles interaktiv. Für die Dateiorganisation und den Zugriff auf Dateien nutzte Autoflug voll die Vorteile, die das Datenbanksystem IMAGE/3000 bietet. Die HP-Datenbank führt Hinweisadressen, die die Sätze mit gemeinsamen Attributen in Verkettungstabellen verbinden. Über diese Verknüpfungen ist ein sehr schneller Zugriff auf Dateien bis hinunter zur kleinsten Einheit möglich. Autoflug hat insgesamt vier verschiedene Datenbanken aufgebaut, auf denen bis zu 60 Prozent der Dateien gespeichert sind. Es handelt sich im einzelnen um die Datenbank für die Materialwirtschaft, um die Datenbank für die Ersatzteildokumentation des Bundes, eine Adreßdatenbank und eine Datenbank für EDV-spezifische Dokumentationen.

Der Entwurf der Datenbank wurde durch Query/3000 unterstützt, einem Online-Abfrageprogramm für Image/ 3000. Primär erleichtert Query/3000 unvorbereitete und nicht vorhersehbare Abfragen von Datenbankinformationen für autorisierte Benutzer.

Schwerpunkt der bisherigen Applikationen ist die Materialwirtschaft, wobei die Daten der drei Produktionsbereiche Kraftfahrt, Luftfahrt und Schiffahrt ge-