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10.09.1999 - 

IT in der Autoindustrie/Branchennetz ENX in Betrieb gegangen

Autoindustrie organisiert ihr Supply-Chain-Management per Extranet

Den WertschöpfungsprozeSS in der Autoindustrie soll das erst kürzlich in Betrieb gegangene Branchennetzwerk ENX unterstützen. Nach dem Vorbild des amerikanischen ANX (Automotive Network Exchange) soll dieses Extranet für mehr Transparent zwischen Herstellern und Zulieferern sorgen. Rainer Scheckenbach* berichtet über den Hintergrund der Initiative und geht auf die Technologie ein.

Unzählige Publikationen setzten sich in der Vergangenheit unter dem Schlagwort "Electronic Commerce" mit Online-Vertriebsstrategien, Shopping-Systemen und Customer Relationships wie zum Beispiel dem One-to-One-Marketing, auseinander. Um den eigentlichen Wertschöpfungsprozeß sowie dessen logistische Steuerung war es demgegenüber relativ ruhig. Dies ist verwunderlich, wenn man bedenkt, daß beispielsweise in der Automobilindustrie allein bei den Logistikkosten Einsparungen von bis zu 40 Prozent realisierbar wären.

Doch war das Problem offenbar erkannt, denn im Frühjahr 1999 wurde in Deutschland die Pilotphase zum Aufbau eines Branchen-Extranets für die Automobilindustrie abgeschlossen.

Die Vorteile der Internet-Technologie sind unstrittig und hinreichend bekannt. Sie werden allerdings durch Mängel hinsichtlich Security und QoS (Quality of Service) relativiert - Hemmschwellen, die gerade im Business-to-Business-Bereich (B2B) elektronisch unterstützte Strategien für Beschaffung, Vertrieb, Transaktionsabwicklung, Logistik und Service erheblich beeinträchtigen. Die Automobilindustrie zeigt mit dem Branchennetzwerk ENX (European Network Exchange), wie sich auf Basis von Extranet Communities Sicherheits- und Qualitätsmängel des Internet lösen lassen.

Die Idee von Branchennetzen ist einfach:

Step I: Einsatz der verbreiteten Internet-Technologie in einem VPN (Virtual Privat Network). Die abgeschlossene und professionell betreute Netzinfrastruktur des VPNs erlaubt es, alle Nachteile des öffentlichen Internet, wie unzureichende Bandbreiten und mangelnde Sicherheit, auszugleichen.

Step II: Bereitstellung standardisierter Verfahren für den Informationsaustausch, wie WebEDI, EDI over IP oder Web-Frontends für den Zugriff auf Partnerdaten. Sie bilden die Grundlage für neue Geschäftsmodelle und Prozeßstrukturen.

Step III: Einrichtung zentraler (Branchen-) Dienstleistungen wie Produktkataloge, Verzeichnisse, Spotmärkte, Kooperationsbörsen, Trust Center/elektronische Notariate oder Verfahrens-/Datenformat-Clearing, die neue Formen der Prozeßgestaltung erlauben. Alles wird auf die Anforderungen eines speziellen Nutzerkreises abgestimmt.

Step IV: Reorganisation der zwischenbetrieblichen Kooperationsformen und Prozeßmodelle derart, daß Strategien wie Continuous Replenishment, Value Chains oder virtuelle Unternehmen unter Wahrung der Unternehmensindividualität in der Community Akzeptanz und Verbreitung finden.

Mitte der 90er Jahre wurde in den USA von der Automotive Industrie Action Group (AIAG) das Branchennetzwerk ANX (Automotive Network Exchange) pilotiert. Technik, Standards und organisatorische Regelungen sind an die US-Automobilindustrie angepaßt, so daß nur wenig Raum für eine europäische Beteiligung bleibt (zum Beispiel exportbeschränkte Sicherheitstechnologie, Austauschformate).

Im November 1997 wurde im Auftrag des Verbands der deutschen Automobilindustre (VDA) der Startschuß für das Automo- tive Network (Anet) gegeben, das seit Beendigung der Pilotphase im Frühsommer dieses Jahres unter der Bezeichnung European Network Exchange (ENX) im Einsatz ist. Beteiligt sind die Firmen Audi, Behr Automotive, BMW, Bosch, Daimler-Chrysler, Dräxlmaier, Ford, Freudenberg, Hella, Opel, Siemens Automobiltechnik, Volvo und VW.

Ziel ist die Informationstransparenz in der Supply Chain auf Basis eines Branchen-Extranets für Automobilhersteller und Zulieferer. Aktuelle Daten über Wareneingang, Materialbedarf, Lagerbestände, Liefer- und Produktionsstatus müssen Kooperationspartnern einfach und sicher zur Verfügung gestellt werden sowie von diesen abfragbar sein. Während leistungsfähige Unternehmen hierzu automatisierte und integrierte Schnittstellen benötigen, müssen für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) preiswertere Alternativen bereitgestellt werden. Es bietet sich das Internet an, wodurch die Vielzahl an physischen Kommunikationsverbindungen und unterschiedlichen Protokollen (zum Beispiel ISDN, Datex-P, VAN, OFTP, X.400) entfällt.

Das ENX-Extranet unterscheidet sich vom öffentlichen Internet durch garantierte höhere Performance und Verfügbarkeit sowie Betrieb und Management durch eine zentrale Stelle. Durch den Betrieb als zugangsbeschränktes VPN und den Einsatz der TCP/ IP-Protokollerweiterung IPsec mit starken Verschlüsselungsmechanismen - mindestens 128 Bit - sowie von Trust Centern verge- benenen Teilnehmerzertifikaten wird ausreichende Sicherheit für die Abwicklung sensibler Transaktionen wie Zahlungsverkehr oder Konstruktionsdatenaustausch gewährleistet.

Voraussetzung ist eine besonders hohe Qualität bei Leistungsfähigkeit, Verfügbarkeit, Sicherheit sowie Management und Betrieb.

Die Kommunikationsinfrastruktur stammt von der DeTeSystem, und die Bereitstellung weiterer Branchen- beziehungsweise Kommunikations-Services ist geplant. Telesec übernimmt die Aufgabe einer Certification Authority und stellt, als bislang einziges gemäß dem deutschen Signaturgesetz zertifiziertes Trust Center, die Zertifikate für die einzelnen Teilnehmer bereit.

Anwendungen und Prozesse im ENX

Bislang sind ausnahmslos die Großen der Branche ENX-Nutzer und mit den klassischen Kommunikationsanwendungen wie Application Sharing, CAD-Datenaustausch, EDI und Terminal-Zugriff auf Host-Systeme vertreten.

Neue Wege werden mit Einzellösungen beschritten, beispielsweise Web-EDI für die Einbindung kleiner und mittelständischer Zulieferer in SCM-Strategien, Online-Zugriff auf Schriftgutarchive, technische Regeln und Konstuktionsverwaltung. Um die Kooperationsbeziehungen weiterzuentwickeln, müssen jedoch technische und organisatorische Standards geschaffen werden. Gerade in Communities läßt sich dies in Form von zentralen Branchen-Services oder als Spezifika- tion für Informations- und Prozeßschnittstellen "relativ einfach" realisieren.

Die Hersteller und ihre Geschäftspartner sind damit in der Lage, Prozeßketten im Sinne virtueller Unternehmen firmenübergreifend auf Basis von Internet-Technologien zu gestalten und die damit verbundenen Rationalisierungspotentiale zu erschließen.

Teilweise werden erstaunliche Resultate ausgewiesen. Beispielsweise reduzierte die Volkswagen AG in Einzelfällen die Entwicklungszeiten um 33 Prozent sowie die Kosten um 17 Prozent.

Und wie geht es weiter?

Die Planung sieht vor, die volle Netzfunktionalität im dritten Quartal zu erreichen und die Einbindung neuer Service-Provider ab dem vierten Quartal zu ermöglichen. Ebenso sollen Frankreich und Nordamerika bis Ende 1999 angebunden werden. Aus technischen und politischen Gründen sind Verzögerungen allerdings programmiert. Die Gratwanderung zwischen QoS und technologischem Overkill ist bislang ebensowenig abgeschlossen wie die zwischen standardisierten Prozeß-/Verfahrensstandards und Individuallösungen.

Kompromisse sind erforderlich, wenn KMUs und Großunternehmen gleichermaßen ENX nutzen sollen, was wiederum die Voraussetzung zukünftiger Supply-Chain-Management-Strategien bildet. Man tut sich in der Community noch schwer, die Initiative zu ergreifen und offene Punkte pragmatisch anzugehen. Auch lassen sich noch keine Standards setzen.

Bislang wurde "nur" eine neue Infrastruktur geschaffen (siehe Step I), durch die bereits bestehende Kooperationsformen besser unterstützt werden. Step II bis IV sind in Ansätzen erkennbar. Eine bemerkenswerte Leistung, aber noch nicht das Ziel.

ANGEKLICKT

Wie fast immer ist die amerikanische Automobilindustrie der europäischen zuvorgekommen, diesmal die Automotive Industry Action Group (Aiag) mit ihrem Branchennetzwerk ANX (Automotive Network Exchange). Dies hat die Europäer nicht ruhen lassen. Seit dem Frühsommer existiert auch hierzulande ein entsprechendes Brachennetz: das ENX (European Network Exchange). Ziel dieser Initiative war, mehr Informationstransparenz in der Lieferkette für Automobilhersteller und Zulieferer herzustellen. Aktuelle Daten über Wareneingang, Materialbedarf, Lagerbestände, Liefer- und Produktionsstatus sollen per Extranet den Kooperationspartnern einfach und sicher bereitgestellt werden und von diesen einfach abfragbar sein.

*Dr. Rainer Scheckenbach ist Geschäftsführer der Integratio GmbH in Würzburg.

Abb: Der Anet-Pilot und Vorläufer des ENX. Quelle: Scheckenbach