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Automatik funktioniert nicht mehr

05.04.1996

Drei Jahre ist Louis Gerstner nun Chef, und kein schlechter. Die IBM steht finanziell nicht nur besser da als zu seinem Amtsantritt 1993, das Unternehmen schloss das Geschaeftsjahr 1995 mit einem Umsatz von 71,98 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar ab. Darueber hinaus ist Gerstner gelungen, was kaum jemand einem Outsider zugetraut haette. Er hat die Unternehmenskultur veraendert. Die fruehere Arroganz scheint dank des rigiden Personalabbaus verschwunden.

Doch trotz der Anstrengungen, die der IBM-Boss und sein Management- Team zweifelsohne unternommen haben, profitiert Big Blue vor allem vom wiedererstarkten Mainframe-Geschaeft. Mit 35,6 Milliarden Dollar entfiel auf das Hardware-Business knapp die Haelfte des letztjaehrigen Umsatzes. Zwar legt IBM die Zahlen der einzelnen Geschaeftsbereiche nicht offen, dass die Einnahmen aus dem Mainframe-Geschaeft eine zentrale Rolle gespielt haben muessen, liegt indes auf der Hand. Im PC-Sektor generieren die Armonker Verluste. Profitabel, aber ebenfalls nicht voluminoes genug ist das RISC-Geschaeft. Bleibt ausser den Grossrechnern, die im vergangenen Dezember um 60 Prozent ueber dem Vorjahreswert lagen, hardwareseitig nur der AS/400-Bereich, der fuer den hohen Umsatzanteil mitverantwortlich sein kann.

Der heutige Erfolg basiert also in erster Linie auf Geschaeften - trotz der neuen CMOS-basierten Mainframes - mit alter Technologie und kann deshalb kein Fundament fuer die Zukunft sein. Zumal die meisten Analysten die Mainframe-Hausse der letzten zwei Jahre mit Ersatzbeschaffung erklaeren.

Auch das Software- und Servicegeschaeft der IBM haengt stark vom angestammten Business ab. Der weltgroesste Softwareproduzent ist Big Blue vor allem aufgrund seiner Betriebssysteme und systemnahen Software fuer die Big Irons. Der Versuch, mit OS/2 gegen Microsoft ein eigenes PC- und PC-Server-Betriebssystem zu etablieren, ist trotz der milliardenhohen Entwicklungs- und Marketingkosten gescheitert. Inwieweit Lotus und vor allem seine Groupware Notes hilft, neue umsatzstarke Geschaeftsfelder zu eroeffnen, bleibt abzuwarten.

Auch aktuellen Trends - wie dem Run auf Internet- und Intranet- Technologien - begegnet die IBM nicht mit innovativen Ansaetzen, vielmehr versucht sie sie fuer ihre bisherigen Geschaefte zu instrumentalisieren. Verlagere sich die Intelligenz ins Netz, so frohlockt Gerstner, koenne das dem Mainframe-Absatz nur nuetzen, schliesslich benoetige die Welt dann wieder IBM-Maschinen, um der Datenflut Herr zu werden. Selbst wenn fuer das Internet-Computing mehr Grossrechner-Power gebraucht wird - was viele Analysten bestreiten -, muss sie allerdings nicht unbedingt aus Armonk stammen. Gerstner vergisst offenbar, dass die Automatik der frueheren Jahre nicht mehr funktioniert. Die Zeiten sind vorbei, in denen IBM nur ein Produkt anzukuendigen brauchte, um die Anwender bei der Stange zu halten. Heute muessen die Armonker besser sein als die Suns, HPs und DECs, wenn sie etwas an den Mann bringen wollen. Und das sind sie momentan nicht.