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23.04.1976

Automation des Zahlungsverkehrs durch den Austausch von Datenträgern und Dateien

Wir diskutieren heute Banken-Probleme stärker unter dem Blickwinkel des Banken-Marketing. In diesem Zusammenhang müssen wir eine neue Definition von "Zahlungsverkehr" geben, die ganz andere Merkmale als die bislang gängigen verwendet. Zahlungsverkehr wie wir ihn heute für die Zukunft verstehen, umfaßt so unterschiedliche Vorgänge wie Barabhebungen am Schalter und an POS-Terminals, er umfaßt Individual - Überweisungen und belegloses Scheckinkasso, Banküberträge im Devisenhandel und den Dauerauftrag.

Das hat zunächst nichts mit der Frage zu tun, welche Rolle der Beleg im Zahlungsverkehr spielt oder welche anderen organisatorischen Instrumente oder Medien an seine Stelle treten können. Zahlungsverkehr ist insgesamt und in allen seinen Aspekten eine der wichtigsten Bankleistungen schlechthin. Eine Zielsetzung der Banken ist dementsprechend die Steigerung der Leitstungsfähigkeit im Zahlungsverkehr - und hierfür sind die zweckmäßigsten Instrumente, Verhaltensweisen und Organisationsformen zu finden.

Leistungsfähigkeit in diesem Sinne hat zwei Dimensionen: die Bankbezogenheit und die Kundenbezogenheit.

Für den Bezug auf die Bank stehen im Vordergrund: Sicherheit, Kostenersparnis; Integration in bestehende Rechnungs- und Kontrollsysteme; für den Bezug auf den Kunden: Service; für beide gemeinsam gilt: Schnelligkeit.

Marketing vernachlässigt

Zahlungsverkehr als Leistung für den Kunden wurde - zumindest im Inlandszahlungsverkehr - erst in zweiter Linie gesehen. So strebten die organisatorischen Lösungen vor allem die genaue Abbildung konventioneller Verfahren auf neue, computerunterstützte Mensch-Maschine-Systeme an. Die direkte Belegverarbeitung wurde erfunden. Zunächst war man sogar der Meinung, die automatische, das heißt computerunterstützte, direkte Belegverarbeitung sei die Bankautomation schlechthin. Sehr bald stellte sich dann heraus, daß sie noch nicht einmal die Automation des Zahlungsverkehrs bedeutet.

Denn eines darf bei den Verfahren der direkten Belegverarbeitung nicht übersehen werden: Es handelt sich hierbei um noch immer relativ personalaufwendige, störanfällige und durch Spezialaggregate teure Automationsverfahren.

Den eigentlichen Automationszielen wird nur eine Technik gerecht, die den auch durch die

optischen Belegleser nicht überwundenen Engpaß in der Abwicklung des Zahlungsverkehrs beseitigt: Den Beleg als Träger des Zahlungsverkehrsauftrags. Die dafür geeignete Technik muß nicht erst entwickelt werden. Der Austausch von Informationen - und das sind Zahlungsverkehrsaufträge - ohne beschriftetes Papier etwa in Form von Magnetbändern ist in anderen Arbeitsbereichen eine alltägliche Routine.

Ein Hindernis, das der Einführung dieses Verfahrens, das von den englischen Banken schon seit den 60er Jahren praktiziert wird, entgegenstand, scheint nun beseitigt: Die fehlende Einigkeit der deutschen Banken über das einheitliche Format für den Nachrichtenaustausch. Seit 1. Januar 1976 erfolgt der Austausch von Daten des Zahlungsverkehrs zwischen Banken mit Hilfe eines einheitlichen Datensatzes variabler Satzlänge, zu dessen Annahme und Verarbeitung sich alle Banken verpflichtet haben.

150 Stellen Gemeinsamkeit

Basis dieser Vereinbarung ist ein verbindlich vorgeschriebenes Format für den Datenträgeraustausch, ein Satz variabler Länge mit einem Standardteil von 150 Stellen. Die dazugehörigen Vorschriften für den Aufbau der Dateien mit ihren Vor- und Nachsätzen berücksichtigen den derzeitigen technischen Stand der Banken und ihrer Kunden; der Kunden insofern, als sie in der Lage sind, Zahlungsverkehrsnachrichten als Großempfänger oder -auftraggeber auf einem eigenen EDV-System zu verarbeiten.

Verhältnismäßig schnell ließe sich ein zusätzliches neues System entwickeln, das eine Kombination von automatischer Belegverarbeitung und Datenträgeraustausch darstellt: Das beleglose Scheckinkasso.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Wir würden unsere belegverarbeitenden Systeme spürbar entlasten und den Inkassoweg für einen Großteil der Schecks unabhängig von den Postlaufzeiten machen.

Ein Modell für ein derartiges Inkasso gibt es bereits in Deutschland, den Einzug der Euroschecks in Währung.

Die technisch-organisatorischen Probleme dieses Verfahrens sind also lösbar, die juristischen letztlich wohl auch, wie das Beispiel des Euroscheck-Inkassos beweist.

Swift mit Signalwirkung

Das System des Datenträgeraustausches ist nicht zuletzt deswegen besonders interessant, weil es ein Verbundsystem über Gruppen von Kreditinstituten hinweg darstellt. Ein noch besseres Beispiel für den reinen Informationsaustausch als Möglichkeit der Zahlungsverkehrsautomation ist Swift.

Swift nimmt Nachrichten (zum Beispiel Zahlungsaufträge) von der absendenden Bank entgegen, prüft sie auf formelle Richtigkeit und leitet sie in die Empfängerbank weiter. Durch die Datenfernübertragung fallen die Postlaufzeiten weg. Die schnellere Ausführung der Zahlungsaufträge ist hauptsächlich ein Vorteil für die Bankkunden. Der wesentliche Vorteil für die Banken selber besteht darin, daß eingehende Nachrichten (zum Beispiel Exportzahlungen) nicht mehr manuell zu erfassen sind, sondern daß sie, da standardisiert, sofort und ohne erneute Datenerfassung computerunterstützt abgerechnet und verbucht werden können.

Der Übergang vom Datenträgeraustausch zwischen den Banken im inländischen Zahlungsverkehr auf einen Dateiaustausch kann keine prinzipiellen Schwierigkeiten technischer Art bereiten - zumindest dann nicht mehr, wenn einmal das Swift-Netz für den Auslandszahlungsverkehr erfolgreich angelaufen sein wird. Die organisatorischen Probleme sind sicher vielfältiger als die für die Einführung des Datenträgeraustausches. Sie liegen mehr in den Bereichen der technischen Kommunikation, wie der Regelung der Austauschzeiten, des Masters-Slave-Verhaltens der einzelnen EDV-Systeme zueinander oder der Leitungskostenverrechnung.

Eine größere Schwierigkeit dürfte im Bereich der Wirtschaftlichkeit zu suchen sein.

Kooperation und Kosten

Aber selbst wenn die Frage nach der Rentabilität eines umfassenden, automatisierten Zahlungsverkehrssystems positiv beantwortet werden würde, bleibt ein weiterer Hinderungsgrund für eine zügige, umfassende Einführung eben dieser Zahlungsverkehrsautomation: Die immer noch ungenügende Kooperationsbereitschaft der Banken untereinander.

Dieser Problemzusammenhang von Kosten und Kooperation kann zu dem Modell einer

allgemeinen Lösung für ein Datenfernverarbeitungs-Netzwerk der Banken in der BRD führen, in dem das Weiterleiten von Zahlungsverkehrsnachrichten nur eine von vielen möglichen Anwendungen ist.

Dabei wird es darauf ankommen, die Investitionen für den ersten Schritt möglichst gering zu halten oder - was noch besser wäre - fast ausschließlich mit variablen Kosten zu arbeiten.

Bei der Verteilung der Kosten des Netzwerkes auf eine Vielzahl von Kostenträgern

ergibt sich eine weitere Stärkung des Automationsgrades des Zahlungsverkehrs nahezu zwangsläufig, da vor allem Datenmengenfernübertragung diesem Bereich für eine Datenfernübertragung in Frage kommen,

nämlich

- Belegloser Datenträgeraustausch, der damit zum Dateiaustausch wird

- Scheckinkasso ohne körperliche Vorlage der Schecks beim bezogenen Institut

- Zentrale Reisescheckabwicklung

(Verkaufsavise, Einlösungen, Sperrungen)

- Buchungs- und Dispositionsdateien aus dem Belegclearing.

Hier erscheint der Gesamtzusammenhang des Zahlungsverkehrs technisch sichtbar.

Quelle: DV Aktuell 1976, erschienen in SRA-Verlag, Stuttgart

* Jürgen Dube ist Geschäftsführer des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Deutschen Kreditgenossenschaften GmbH, Frankfurt.