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09.05.1975 - 

ARD- und ZDF-Forschungsstelle mit Mini-Trio

Automation für TV

09.05.1975

MÜNCHEN - Ein Minicomputersystem im Münchener Institut für Rundfunktechnik (IRT) soll dazu beitragen, Entwicklung und Forschung im Bereich der Rundfunk- und Fernsehtechnik zu unterstützen und damit die Leistungsfähigkeit des Rundfunks zu erhöhen. Das Computersystem - eine Hewlett Packard 3000, eine Hewlett Packard 2100 und eine Hewlett Packard 2116 - ist unter anderem dafür vorgesehen, Modelle für das Schneiden von Video-Magnetbändern zu erproben und eine rechnergestützte Disposition für Fachpersonal, Studios und technische Ausrüstung zu entwickeln. Weiterhin wird das rundfunkeigene AFRA-BUS-System zur Fernsteuerung von Studioanlagen auf dem Rechner erprobt.

Das Institut für Rundfunktechnik ist die Forschungs- und Entwicklungsstelle der ARD und des ZDF. Es befaßt sich mit der Weiterentwicklung der Rundfunktechnik von der Hörfunk-, Fernseh- und Sendertechnik sowie der Rundfunkversorgung bis zur Entwicklung von Computer-Real-TimeProgrammen zur Fernsteuerung von Kameras, Beleuchtung und Video-Magnetbandaufzeichnungsgeräten. Nach Abschluß der Entwicklungen werden die Ergebnisse den deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

Mit dem Einsatz des HP-Systems soll das Schneiden von Original-Video-Bändern erleichtert werden. Während die Schneidetechnik früher manuell und damit zeitaufwendig und durch die Belegung der zwei Aufzeichnungsmaschinen teuer war, kann heute über den Minicomputer die Qualität des zu sendenen Bandes verbessert und der Zeitbedarf für das Schneiden bis um 80 Prozent verringert werden. Die Schnittdaten werden dabei über Terminal eingegeben, vom Computer ausgewertet, der dementsprechend die Geräte mit den Originalbändern an die Schnittstellen steuert. Wenn die Schneidezeit für eine Varieté-Show früher beispielsweise zwei Wochen betrug, sollen in Zukunft nur noch 3 bis 4 Tage für die Bearbeitung eines zu sendenden Bandes benötigt werden. Mit dem Rechner-System können gleichzeitig bis zu 6 verschiedene Produktionen bearbeitet werden.

Ein weiterer Anwendungsbereich für die Mini-Computer ergibt sich, wenn die Programme zur Berechnung der Ausbreitung elektrischer Wellen eingesetzt werden. Bei Planung eines neuen Senders an einem vorgegebenen Standort können mit Hilfe der Rechner die möglichen Frequenzen in einem zugewiesenen Frequenzbereich, die Sendeleistung sowie die geeignete Antennenform errechnet werden, um eine maximale Empfangsqualität in dem zu versorgenden Gebiet zu erreichen.

Das HP-Mini-System soll weiterhin dazu beitragen, den Rundfunkbetrieb zu rationalisieren. Dietrich Sauter - Arbeitsbereichsleiter für Datenverarbeitung im lRT München - berichtet darüber: "Das IRT ist an der Entwicklung eines Dispositionsprogrammes beteiligt, das einige der wichtigsten rundfunkspezifischen Funktionen unterstützen soll. Es soll zum Beispiel in der Lage sein, Personaleinsatz, Studios, Einsatz von Video- und Ton-Recordern, Beleuchtung und Kameras zeitlich aufeinander abzustimmen, um eine Anhäufung von Aufnahmeterminen zu verhindern und um sicherzustellen, daß das richtige Gerät dem richtigen Aufnahmeteam zur Verfügung gestellt wird. Nach Abschluß des Pilotprogrammes wird der Südwestfunk in Baden-Baden über DFÜ-Abschluß das Dispositionsprogramm für den Bereich der magnetischen Aufzeichnungsanlagen 4 Wochen lang erproben."

Das IRT ist weiterhin maßgeblich an der Entwicklung des rundfunkspezifischen Fernsteuerungssystems (AFRA-BUS) beteiligt. Bis zu 240 Betriebsgeräte (zum Beispiel Filmgeber, magnetische Aufzeichnungsanlagen usw.) können dann in verschiedenen Studios und Abspielzentren nach Bedarf fernbedient werden. Auf Anordnung der Regisseure kann über individuelle Steuerkonsolen das Rechenzentrum zum Beispiel Videobandgeräte, Kameras und Tonbandgeräte fernbedienen. Das Computersystem wird so programmiert sein, daß es die Verbindungen zu den richtigen Geräten für die einzelnen Produktionen auf Anweisung der Regisseure herstellt und nach Beendigung der Aufnahme nach bestimmten Kriterien abschaltet, um andere Instruktionen auszuführen.

Mit der technischen Abwicklung der laufenden Projekte ist Dietrich Sauter sehr zufrieden:

"Mit dem Mini HP 3000 können wir ohne weiteres Time-Sharing und Batch fahren und die DFÜ läuft problemlos. Wir behandeln sie über virtuelle programmierbare Controller genauso wie einen Standardanschluß. Die mathematische Unterstützung, der wissenschaftlichen Arbeiten im Hause ist durch das neu installierte Computersystem erheblich verbessert worden."