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Zwei Projekte in Frankreich

Automatische Übersetzung für Europas Industriekundschaft

08.05.1992

PARIS - Zwei Projekte zur automatischen Übersetzung von technischen und kommerziellen Dokumenten bei Firmen und Behörden Europas kommen derzeit in Frankreich auf Touren.

Das ältere und ambitioniertere der beiden Vorhaben, Eurolang, will bis zum November 1992 den Prototyp eines computergestützten Übersetzungssystems (Cats) der zweiten Generation vorstellen. Zur ersten Generation gehört beispielsweise das von der EG-Kommission bisher benutzte, aber technisch mittlerweile veraltete Systran-Verfahren.

Bei Eurolang analysiert das System für fünf große europäische Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch) automatisch die Struktur des Quelltextes, überträgt dann Vokabular, Grammatik und Syntax in die Zielsprache und generiert in dieser schließlich den Endtext.

Eurolang kommt ursprünglich von Site, einer Tochtergesellschaft der Kaufhaus-Gruppe Cora-Revillon. Mittlerweile verwandelte es sich in ein europäisches Konsortium, dem unter anderem noch Matra Espace, Krupp Industrietechnik, Rank Xerox, die Universität von Barcelona und das staatliche französische Forschungszentrum für Fernmeldetechnik (CNET) angehören. Das Konsortium bewilligte für die nächsten drei Jahre einen Etat von umgerechnet etwa 145 Millionen Mark, und bereits im November 1991 wurde Eurolang offiziell als Eureka-Projekt anerkannt.

Strategisch richtet es sich insbesondere gegen den Vormarsch japanischer Anbieter auf dem Gebiet automatischer Übersetzungssysteme. Während die fernöstlichen Firmen gern behaupten, schon über mehr als 1000 Kundenreferenzen bei Cats zu verfügen, bringen es Europa und die USA zusammen kaum auf.

Dabei ist der potentielle Bedarf an solchen Dienstleistungen enorm. Weltweit dürften heute pro Jahr 250 Millionen Seiten für fast 20 Milliarden Mark übersetzt werden. Allein Site bewältigte schon vor dem Start von Eurolang jährlich an die 80 000 Seiten Text für Großkunden aus der europäischen Industrie.

Das neuentwickelte System soll bis Ende 1994 zunächst für den Einsatz auf Workstations reifen, später aber auch auf PCs laufen. Dabei würde es die Produktivität eines Übersetzers um mindestens 50 Prozent verbessern.

Da der Investitionsaufwand für Hardware bei Eurolang nur etwa sieben Prozent der gesamten Übersetzungskosten pro Seite ausmacht, halten die Initiatoren des Projekts eine Amortisation schon in drei Jahren für möglich - immer vorausgesetzt, der jetzige Entwicklungs-Zeitplan würde streng eingehalten.

Centre Voltaire ist bereits in Betrieb

Bescheidener ausgestattet, dafür aber schon in Betrieb gegangen ist das Centre Européen de Télétraduction (Europäisches Zentrum für Fernübersetzung, Kurzbezeichnung "Centre Voltaire").

Dieses Zentrum im ostfranzösischen Lunéville gehört zur Gruppe Logomotiv, die unter anderem Wartung und Ausbau der EG-Datenbank Eurodicatom betreibt. Die Pariser Regional-Förderungsbehörde Datar, Citcom (eine Tochter von France Télécom), Lothringen und diverse Gemeinden subventionierten seinen Aufbau mit umgerechnet gut einer Million Mark.

Geleitet wird das Centre Voltaire von Renate Radziwill-Rall, technische Übersetzerin und Konferenzdolmetscherin aus Deutschland mit langjähriger Industrieerfahrung beiderseits des Rheins.

Das Zentrum ist mit zwei Servern (einer davon mit Modem-Link), sieben Workstations, zwei Laser- und zwei Tintenstrahldruckern, Festplattenarchiv und einem Bandspeicher zur Datensicherung ausgestattet. Außer über seine eigenen Mitarbeiter verfügt es über 100 externe Übersetzer der Logomotiv-Gruppe in verschiedenen Ländern.

Neben Übersetzungen werden auch DTP sowie der Aufbau firmeneigener Datenbanken für Fachterminologie oder die Einrichtung spezieller Lexika angeboten; derzeit sind mehr als 60 Kombinationen von europäischen Sprachpaaren möglich. Radziwill-Rall sieht die wichtigsten Regionalmärkte für das Centre Voltaire zunächst in Frankreich, Deutschland, den Benelux-Ländern und in Osteuropa.