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19.04.1991 - 

Computerberufe in der Volkszählung 1987 (Teil 4)

Automatisierung verändert auch die RZ-Berufsstruktur

Keine klaren Ausbildungsstrukturen und Schichtarbeit charakterisieren die Arbeit im Rechenzentrum -aber auch Arbeitsteiligkeit und Spezialisierung der Aufgaben. Über 40 000 Beschäftigte sind laut 87er Volkszählung in RZs beschäftigt, wobei der Trend nach Auffassung von Werner Dostal* aufgrund der wachsenden Automatisierung in Richtung höhere Qualifikation und Erfahrung geht.

Aus Gründen der Betriebssicherheit und der Sensibilität von Daten haben die Rechenzentren ein Eigenleben entwickelt. Sie sind heute Produktionsbetriebe, die einerseits Produkte liefern - das sind Computerauswertungen und Produkte wie Kontoauszüge oder Rechnungen - andererseits Dienstleistungen, wie die Bereitstellung von Großcomputerleistung für verzweigte Computernetze.

Tätigkeiten im Rechenzentrum sind wegen ihrer Abgeschlossenheit seltener als die übrigen Computerberufe zu beobachten und deshalb vielen überhaupt nicht bekannt. Dazu kommt, daß die meisten dort Beschäftigten keine spezifische Grundausbildung haben.

Die RZ-Mitarbeiter sind angelernt in ihre Detailaufgaben, und es gibt bis heute keine klaren Ausbildungsstrukturen für diese Berufsgruppe. Auch die Schichtarbeit, die in vielen Rechenzentren üblich ist, hat spezielle Berufe hervorgebracht (beispielsweise Schichtführer). Die Arbeitsteiligkeit ist hier viel weiter fortgeschritten als in allen anderen Computerberufen.

Folgende Berufsgruppen lassen sich im Rechenzentrum unterscheiden:

Die meisten RZ-Mitarbeiter gehen ihrer Tätigkeit im Operating nach, bedienen also. Die übrigen Berufe sind nicht allzu stark besetzt. Es sind Arbeitsvorbereiter, Archivare und Systemspezialisten. Daneben gibt es wegen der detaillierten Management-Strukturen verschiedenste Führungskräfte. Der Vollständigkeit halber seien noch die Lochkartenberufe erwähnt.

Sie wurden eigentlich als ausgestorben angesehen, doch in der Volkszählung 1987 sind sie trotzdem wieder aufgetaucht. Irgendwo gibt es also noch Sortiermaschinen und Tabelliermaschinen, auch Lochkarten werden offenbar noch produziert und verwendet.

Wie bei den Software-Entwicklern der Programmierer, so ist bei den Bedienern der Operator der dominante Beruf. Etwa 72 Prozent der im Rechenzentrum Tätigen bezeichnen

sich als Operatoren ohne jeden Zusatz. Daneben gibt es eine Vielfalt von Berufsbezeichnungen, wie "Bediener", "Steuerpultfahrer" oder "Systempilot". Doch die Bezeichnung Operator ist dominant. Sie wird manchmal noch ergänzt durch Zusätze wie "System", "Konsol" oder "Peripherie".

Der Frauenanteil liegt mit 20,5 Prozent leicht unter dem Durchschnitt aller Computerberufe, der bei 21,7 Prozent rangiert. Durch die Schichtarbeit dürfte die Frauenbeschäftigung auch zukünftig begrenzt sein.

Die große Zahl von Arbeitsvorbereitungs- und Archivierungsberufen zeigt den Grad fortgeschrittener Arbeitsteiligkeit im Rechenzentrum. Wird die Zahl der Arbeitsvorbereiter mit der der Operatoren in Beziehung gesetzt, ergibt sich ein Verhältnis von etwa 1:10, also ein Arbeitsvorbereiter für zehn Operatoren. Dies ist ein Wert, wie er auch aus dem Fertigungsbereich bekannt ist.

Die Systemspezialisten bilden eine kleine Gruppe innerhalb der Rechenzentrums -Fachleute. Dominant sind die nicht weiter spezialisierten Systemspezialisten, also Fachleute, die Hardware und Software kennen, überwachen und korrigieren können. Inwieweit sie beraten ist aufgrund der Berufsbezeichnung nicht zu erkennen. Sie könnten auch bei den Koordinatoren beziehungsweise Administratoren angesiedelt werden. Es ist damit zu rechnen, daß diese Fachleute meist eine recht spezielle Aufgabenabgrenzung vorfinden.

Systembetreuer, Systemverwalter und Netzadministratoren sind weitere Spezialisierungsformen für Fachleute, die innerhalb des Rechenzentrums Koordinierungs- und Beratungsaufgaben ausführen. Sie benötigen weitgehende Systemkenntnis und ständige Weiterbildung. Kooperationsfähigkeit ist nötig, aber nicht unverzichtbar. Nicht immer sind sie dem Rechenzentrum zugeordnet, manchmal sind sie auch in der DV -Abteilung tätig.

Wegen der detaillierten Aufbauorganisation im Rechenzentrum gibt es auch eine größere Zahl von Führungsaufgaben. Neben dem Rechenzentrumsleiter existieren der Leiter der Arbeitsvorbereitung, der Leiter des Maschinensaals, daneben noch "Vorarbeiter". In diesen Führungsaufgaben sind nur wenig Frauen zu finden.

Wie schon kurz erwähnt, sind auch in der Volkszählung 1987 wieder Lochkartenberufe aufgetaucht. Es ist einerseits recht überraschend, daß sich an einigen Stellen die alten Verfahren und Maschinen noch gehalten haben, andererseits kennen wir dieses Phänomen auch aus anderen Berufsbereichen: Man ist immer sehr schnell mit der Behauptung, alte Technik sei nicht mehr aktuell und deshalb nicht mehr vorhanden.

Die Praxis sieht aber ganz anders aus. Da halten sich auch völlig veraltete Techniken und Verfahren, wenn sie sich bewährt haben und wenn der Impuls zur Veränderung fehlt. Auch in der Datenverarbeitung ist die Praxis durchaus noch nicht dort, wo die Vertriebsleute sie haben wollen.

Und so gibt es auch noch einige Fachleute, die mit Lochkarten arbeiten:

Insgesamt gibt es also im Rechenzentrum ein interessantes Berufsfeld, in dem eine große Zahl unterschiedlicher Aufgaben existiert und in dem die Arbeitsteiligkeit weit fortgeschritten ist. Leider gibt es keine Zeitreihen über die zeitliche Entwicklung der Beschäftigung im Rechenzentrum. Es ist denkbar, daß manche heute noch aktuellen Aufgaben irgendwann automatisiert werden und daß die vor- und nachgelagerten Tätigkeiten, wie Arbeitsvorbereitung und Nachbearbeitung immer wichtiger, die Operating -Aufgaben dagegen immer unwichtiger werden.