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11.09.1998 - 

IT in der Automobilindustrie/Internet-Variante vereinfacht

Automotive-Kommunikation: ANX soll die große Freiheit bringen

Im Minutentakt laufen bei den Zulieferern die Aufträge der Kunden ein. Ohne eine sichere Methode zur Übertragung der Daten gerät das sensibel austarierte Verfahren der Just-in-time-Produktion (JIT) in Null Komma nichts aus dem Ruder. Die Abstimmung der Verfahren lag bisher eher im quasiproprietären Bereich zwischen dem Abnehmer der Komponenten und dem Produzenten der Teile. Trotz verschiedener Standardisierungen wie Edifact, Odette, Galia oder der Vorgaben der VdA 4905 des Verbands deutscher Automobilhersteller e.V. mit ihren Empfehlungen zur Datenfernübertragung waren immer noch umfangreiche Arbeiten zur Einbindung des Datenflusses in die jeweiligen Systeme notwendig.

Vielfach sind auch verschiedene Protokolle und Verfahren für die Übertragung unterschiedlicher Informationen im Einsatz, so etwa der CAD-Daten zwischen den Entwicklungsabteilungen, der auftragsbezogenen Daten für die Fertigung und der allgemeinen verwaltungstechnischen Daten zwischen Zulieferbetrieb und Kfz-Hersteller. Dies ist Standardwissen im Club der deutschen Softwarehäuser und der Kfz-Zulieferer und Produzenten.

Doch auch in diesem Bereich ist der Ruf nach übergreifenden, einfachen und vor allem kostengünstigen Verfahren laut geworden. Denn auch die Konzentration in der Autobranche und möglichst weltweit angeglichene Produkte mit global einsetzbaren Produk- tionsverfahren machen es notwendig, von "DFÜ-Stückwerk" Abstand zu nehmen und allgemein gültige Systeme aufzusetzen.

Das Internet mit dem TCP/IP-Protokoll bietet sich an. Es birgt jedoch den großen Nachteil, daß zeitkritisches Business-to-Business nicht seine Stärke ist. Performance und Verfügbarkeit variieren durch den Aufbau des Netzes über die Zeit und gewährleisten so nicht die unbedingt erforderliche physische Sicherheit der reinen Übertragung.

Vorzüge aber besitzt TCP/IP dadurch, daß es übergreifend die Verarbeitung der übermittelten Daten in verschiedenen Anwendungen und auf unterschiedlichsten Plattformen erlaubt.

Chrysler, Ford und General Motors, die großen drei der amerikanischen Automobilbranche, schwenkten 1995 inhaltlich auf das TCP/IP um mit dem Resultat, daß der amerikanische Verband der Automobilindustrie AIAG das Release 1 des Automotive Network Exchange ANX auf der Autotech '97 erstmals vorstellte und zum 21. Mai 1998 freigab.

Bei diesem Verfahren sind die besonderen Möglichkeiten durch das Internet berücksichtigt worden. Den großen Unterschied zum Internet in seiner bekannten Form beschreibt der amerikanische Verband AIAG dadurch, daß das Internet auf einem Provider-zentrierten Modell ohne zentrales Management basiert, während ANX als Virtual Private Network (VPN) zentrale Steuerung und Überwachung der Servicequalität sowie eine Interoperabilität zwischen den Diensteanbietern gewährleistet. So soll vor allem auch die Aufrechterhaltung des Betriebs bei Störungen gewährleistet sein.

Befaßt mit den Arbeiten an diesem neuen Standard ist seitens der AIAG das Telecommunications Project Team (IPT), zu dem Mitarbeiter verschiedener Unternehmen beider Gruppen gehören. So zum Beispiel Experten von Ford oder Chrysler, von Bosch oder UT Automotive. Auf der ersten Demonstration in Detroit traten als Provider Ameritech, Bell Canada, EDS und MCI an. Laut Mitteilung der AIAG sollen erste ANX-Dienste im dritten Quartal 1998 bereitstehen.

Geldwerte Vorteile für den Anwender

Für den Anwender ergibt sich durch den Schwenk auf ANX der große geldwerte Vorteil, daß prinzipiell jedes System, das TCP/IP verarbeitet, für den Einsatz von ANX geeignet ist. Lediglich die Firewall muß den Sicherheitsanforderungen genügen. Und auch die "alten" EDI-Anwendungen können aktiv bleiben, wenn der Lieferant derApplikationen seine Systeme ANX-fähig macht. Zudem ist es ein leichtes, neue ANX-fähige Applikationen zu entwickeln und den Wünschen der "Endabnehmer" der Daten so größere Freiheit einzuräumen.

Aktuell läuft in den Staaten eine Pilotanwendung von ANX. Sie dient vor allem dazu, die Kriterien für die Zertifizierung der Provider zu verfeinern und festzulegen. Zudem werden Messungen der Übertragung, die Sicherheit des Datenverkehrs und die Zusammenarbeit der Diensteanbieter überprüft. Dieser Pilot ist auf vier Provider beschränkt; rund 35 Partner aus der Automobilbranche nehmen an dem Versuch unter Leitung der ANX Implementa- tion Task Force (ITF) teil. Bis zu Redaktionsschluß verlautete über den Test, daß die ITF im Plan liege und das Pilotprojekt zu Ende des dritten Quartals abgeschlossen sei.

Sicherheitsaspekte gewinnen an Bedeutung

Für die Sicherheit der Datenübertragung bedienen sich die Entwickler der IP Security Standards (IPSec), die Authentizität, Verschlüsselung und Datenintegrität zwischen den Netzwerkgrenzen der beiden Kommuni- kationspartner beinhalten. Die Sicherheit der Daten innerhalb der Applikation liegt per se nicht im Schutzbereich von ANX. Die Sicherheitsbestimmungen basieren auf der IPSec-Version "Oakley/ISAKMP", teilt der AIAG mit. Zu diesem Thema hält die AIAG auch weiterhin Workshops ab, deren Ergebnisse veröffentlicht werden.

Von Bedeutung für den Anwender ist die Frage, ob er seinen bisherigen Internet-Zugang auch für ANX nutzen kann. Hier empfiehlt der Verband der amerikanischen Automobilindustrie, mit dem Provider direkt zu verhandeln - er kann sich die Unterlagen zur Zertifizierung zukommen lassen und die Berechtigung erwerben, ANX anzubieten. Dann können die gewohnten Internet-Anwendungen und der Datenverkehr zu den Partnern parallel über ein und dieselbe Stelle laufen. Eine Liste bereits zertifizierter Diensteanbieter wird von der AIAG veröffentlicht http://www.aiag. org .

Ein Wermutstropfen: Europa erst Ende 1998

Bleibt noch die Frage nach den Kosten: Sie liegen laut AIAG-Berechnungen je nach Bandbreite bei einer Anbindung mit 1544 Mbps bei 50 bis 100 Prozent über den Kosten für den Zugang zum öffentlichen Internet. Der Dial-up- ANX-Dienst mit 28,8 Kbps wird um das Vier- bis Fünffache teurer sein.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings für europäische Anwender (vorerst) noch: Aktuell wird ANX Release 1 nur für Nordamerika, Kanada und Mexiko verfügbar sein. Europa folgt wohl erst gegen Ende dieses Jahres. Für den glatten Datenaustausch über den Teich haben die Amerikaner allerdings einen Tip: Über US-amerikanische Niederlassungen mit ANX-Anschluß kann leicht zu jedermann geroutet werden.

ANGEKLICKT

In den USA wollte man sich bei der Just-in-time-Produktion von allerlei DFÜ-Stückwerk befreien. Das Internet-Protokoll TCP/IP bot sich als Basis an. Chrysler, Ford und General Motors schwenkten schon 1995 auf TCP/IP um mit dem Resultat, daß der amerikanische Verband der Automobilindustrie AIAG das Release 1 des Automotive Network Exchange ANX auf der Autotech '97 erstmals vorstellte und im Frühjahr dieses Jahres freigab. Aktuell läuft in den Staaten eine Pilotanwedung von ANX; rund 35 Partner aus der Automobilbranche nehmen an dem Versuch teil.

Horst-Joachim Hoffmann ist freier DV-Journalist in Hamburg.