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17.05.1985 - 

Für Bürgeramts-Projekt strickten GMD und Kienzle die Software:

Autonome DV bewährt sich in Unna

UNNA - Den Schritt in die kommunale DV-Autonomität hat das Bürgeramt Unna bisher nicht bereut: Dank eines gemeinsam von der GMD und der nordrhein-westfälischen Gemeinde entwickelten Organisationsmodells für eine kommunale Verwaltung kommen die Bürger von Uni+ heute in ihrem Rathaus schneller zum Zuge und können überdies auf so manchen Gang ins Amt ganz verzichten.

Bei dem 1980 in Angriff genommenen und seit Februar 1984 realisierten Bürgeramts-Projekt haben die Wissenschaftler der Birlinghovener Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung die Software-Generierung Schritt für Schritt durchgesprochen. Teilweise griff man dabei auf Standardlösungen des Unternehmens Kienzle aus Villingen zurück, paßte diese an die speziellen Unna-Gegebenheiten an und überarbeitete die Masken. Dazu Bürgeramtsleiter Klaus Belitz: "Die Standardprogramme haben sehr viel inverse Darstellungen, die ein unruhiges Bild verursachen. Hier war es notwendig, einiges umzustellen."

Ein Teil der benötigten Software mußte jedoch nach Angaben der Stadtverwaltung völlig neu gestrickt werden, so zum Beispiel für die Bereiche Fundsachenbearbeitung, Fischereischeine und Begrüßungsgelder für Besucher aus der DDR.

DV-Auftakt beim Einwohnermeldewesen

Zu den Aufgaben des Bürgeramtes Unna, die in der ersten Ausbaustufe der Projektrealisierung mittels DV erledigt werden, gehören das Einwohnermeldewesen, die Briefwahl, der Bürger-Service mit Auskünften über die Leistungen der Stadt Unna, die "Kummerstrippe" zur Entgegennahme von Beschwerden beziehungsweise Bürgeranträgen und der Informationsdienst über den Kreis Unna.

Als wesentlichen Pluspunkt der Umstrukturierung des Bürgeramtes wertet Belitz die Tatsache, daß sich jetzt die Verwaltungsvorgänge weniger lange in Arbeit befinden. Die offensichtliche Zeitersparnis habe bei vielen Bürgern zu einer Bewußtseinsänderung im Hinblick auf die elektronische Datenverarbeitung geführt. Der Bürgeramtsleiter erwähnt in diesem Zusammenhang die Paßbeantragung: "Wenn es um die Angaben für einen Reisepaß ging, dann kam der Bürger früher ins Amt, nahm ein Formular mit, füllte es aus

und gab den Bogen dann wieder ab." Zum dritten Mal habe er dann vorstellig werden müssen, um sich den Paß abzuholen. Heute hingegen "täten es" zwei Gänge, da der Antragsteller kein Formular mehr auszufüllen brauche. Vielmehr rufe er im Dialog mit einem Sachbearbeiter die jeweiligen Personaldaten auf und lasse dann den Paßantrag vom System ausdrucken. Belitz zu den weiteren Planungen: "Künftig wollen wir die Antragstellung sogar so umgestalten, daß der Bürger seinen Paß schon nach drei bis vier Minuten bekommt." Hier fehle allerdings in Moment noch die Genehmigung vom Innenministerium.

Bürger und Mitarbeiter weniger aggressiv

Gelobt wird von den Stadtverwaltern aus Unna auch die im Zuge der Projektrealisierung geschaffene "angenehme und gemütliche Atmosphäre des Bürgeramtes. "So sei beispielsweise festzustellen, daß sich der Wsitzende Bürger" und der "sitzende Mitarbeiter" heute weniger aggressiv verhielten als bei der vorher üblichen Thekenbedienung. Auch die Übertragung aller im Bürgeramt wahrzunehmenden Aufgaben auf alle Mitarbeiter und der daraus resultierende "wahlfreie Zugang" zu einem Mitarbeiter seitens des Bürgers werde überwiegend positiv beurteilt.

Zur Abwicklung der bisher per autonomer DV unterstützten Verwaltungsvorgänge werden im Bürgeramt Unna mit Außenstellen in Königsborn, Lünern und Massen Kienzle-Systeme vom Typ 9077 und 9188 sowie die Kienzle-Datensichtgeräte 9007 eingesetzt.

In der zweiten Ausbaustufe, die im Juli 1985 beginnt, sollen unter anderem die Aufgabenfelder Krankenversorgung für Lastenausgleichsempfänger, Befreiung von Rundfunkgebühren, Hilfsmaßnahmen für Besucher aus dem Ostblock, Hundesteuer, Umweltschutz, Verkehrsplanung, Bürgeranträge und Grundbesitzabgaben in das Bürgeramt von Unna miteinbezogen werden. Und in der dritten Etappe ist schließlich die lntegration folgender kommunaler Arbeitsgebiete vorgesehen: gewerbliche An- und Abmeldunged, Bearbeitung von Wohngeldanträgen, Ausstellung von Wohngeldberechtigungsschreiben und Hilfen nach dem Bundessozialhilfe-Gesetz.

Anwendungs-SW in eigener Regie entwickelt

Die bisher genannten Bereiche werden softwareseitig alle von der GMD betreut. Daneben hat die Stadtverwaltung in Unna auch noch in eigener Regie Programme entwickelt. Darunter fällt zum Beispiel die Software für die Wahlunterstützung. Außerdem laufen noch mehrere Anwendungspakete auf den Computern des Kommunalen Gebietsrechenzentrums des Kreises Unna (GKD), was das Katasterwesen, die grafische Datenverarbeitung und das Personalwesen. Der Datenaustausch vollzieht sich momentan im Batch-Betrieb; zur Eingabe der entsprechenden Daten dienen Offline-Erfassungsgeräte.

Nach Aussagen der DV-Spezialisten in Unna soll langfristig gesehen jedoch eine Online-Verbindung hergestellt werden. Und was die Nutzung von Btx betrifft, so verhält man sich diesem neuen Postdienst gegenüber zunächst noch abwartend. Dazu Albert Noltemeier von der GMD: "Wir haben Btx immer mit im Auge gehabt, es ist aber bisher bei uns nicht realisiert, weil wir das Bildschirmtext-System nur als sinnvoll ansehen, wenn es in der Bürgerschaft weiter verbreitet ist." Man habe die Datensätze allerdings so aufgebaut, daß ein Einstieg in Btx jederzeit möglich sei.

Die Hardware

(gegenwärtiger Stand, inbegriffen sind sowohl die Geräte im Bürgeramt Unna als auch die Systeme in den angeschlossen Außenstellen)

1 Kienzle-Rechner vom Typ 9077

1 Kienzle-Rechner vom Typ 9188.

Beide Computer sind über RSP miteinander gekoppelt, sie laufen unter dem Betriebssystem MTOS/E und verfügen zusammen über insgesamt 2,5 MB.

27 Kienzle-Datensichtgeräte vom Typ 9007

11 Kienzle-Arbeitsplatzdrucker vom Typ 245 und 253

1 Kienzle-Systemdrucker 266

1 Magnetbandgerät 800 oder 1600 bpi

5 Datenfernübertragungsstrekken mit Konzentratoren der Firma Telemation