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Mainview von ESC integriert Tools für automatisches Operating


22.12.1989 - 

Autooperator steuert verteilte Rechnersysteme vom PC aus

PARIS (CW) - Die Schnelligkeit und die Komplexität heutiger Rechnersysteme macht sie für ein herkömmliches Operating immer weniger beherrschbar. Seit längerem wird deshalb an Mechanismen gearbeitet, die eine weitgehende Selbststeuerung der Systeme ermöglichen sollen. Mit Mainview, so der Hersteller, rückt der bedienerlose Betrieb nun in greifbare Nähe.

"Bei DV-Systemen verläuft die Entwicklung ganz ähnlich wie bei Flugzeugen", erläutert Edouard Williamson, Präsident der European Software Company (ESC), "sie werden immer schneller und komplizierter, und damit immer schwieriger zu handhaben". Solange die Flugzeuge klein und langsam waren, reichten dem Piloten vier oder fünf Anzeigeinstrumente und zur Orientierung reichten Bahnlinien, Straßen und Flüsse. Heute, bei Geschwindigkeiten nahe der Schallgrenze und entsprechenden Flughöhen, ist das Cockpit zugepflastert mit Instrumenten und zur Bewältigung der anfallenden Informationsmengen wurde der "Autopilot" entwickelt, der den Flieger automatisch auf Kurs hält.

Angesichts ähnlicher Probleme bei modernen Rechnersystemen ("Unsere Systeme sind uns über den Kopf gewachsen", meint Williamson) wird seit Jahren an Systemen zum automatischen Operating gearbeitet, die selbständig die Verwaltung und möglichst optimale Aufteilung der Ressourcen erledigen. Mit "Mainview" stellte die ESC in Paris jetzt ein solches Produkt für MVS-Systeme vor, von dem sie behauptet, daß es erstmals alle dazu nötigen Funktionen in einem System vereint. Gegenwärtig werden neben dem Betriebssystem noch CICS, MS, und DB2 unterstützt, im nächsten Jahr soll Netzwerkunterstützung hinzukommen.

Mainview ist aus drei Schichten aufgebaut. Die erste Schicht bilden die hier "Manager" genannten Monitore, die im System alle erforderlichen Informationen zusammentragen. In der nächsten Schicht befinden sich die "Autooperatoren", Automaten, die mit den Managern und untereinander durch schnelle Interfaces verbunden sind und die versuchen, für auftretende oder sich abzeichnende Probleme und Engpässe Lösungen zu finden. Sie arbeiten dazu, laut ESC, mit Expertensystemtechniken und können für die vollständige Problemdiagnose zusätzliche Informationen von den Monitoren anfordern. Nur wenn ein Problem ihre Möglichkeiten übersteigt, muß der Operator selbst eingreifen. Kommt ein Autooperator selbst in Schwierigkeiten, benachrichtigt das System per Fernfunkruf einen Verantwortlichen; meldet dieser sich nicht, versucht es einen anderen zu erreichen.

Im Unterschied zu anderen derartigen Systemen, betont die ESC, sind bei Mainview die Reaktionen auf bestimmte Ereignisse nicht fest verdrahtet, sondern erfolgen flexibel unter Berücksichtigung des gesamten Systemzustands. Ein Job beispielsweise, der die CPU zu 90 Prozent auslastet, wird nicht automatisch abgebrochen, sondern es wird zuerst geprüft, wie lange er das macht und was das System sonst noch zu tun hat. Diese Fähigkeit komme vor allem bei komplexen Problemen zum Tragen, bei denen mehrere Systeme (MVS, CICS, IMS, DB2) beteiligt sind.

Die oberste Schicht ist der "Focal Point", in dem sämtliche relevanten Informationen zu einem übersichtlichen Bild des aktuellen Systemzustands zusammengeführt werden. Was relevant ist und was er sehen will, bestimmt der Systemverwalter je nach Bedarf selbst. Der Focal Point wird entweder auf ein Systemterminal in ISPF-Bildschirme ausgegeben oder, wesentlich komfortabler, auf die PC-basierte MVS Operator Workstation der im Januar 1989 übernommenen Elan Software Products (läuft gegenwärtig unter MS-Windows und soll demnächst auch für den OS/2-Presentation Manager erhältlich sein). Von dieser obersten Schicht aus erfolgt die zentrale Steuerung des gesamten Systems, das auch über mehrere Standorte verteilt sein kann.

Mainview ist laut ESC als Kommunikations- und Steuerungszentrale konzipiert, die verschiedenste Produkte integriert. Dazu gehören IBMs Netview, mit dem Mainview nicht konkurrieren, sondern dessen Leistung es erweitern und ergänzen will, sowie weitere ESC-Tools. Eines davon ist das für nächstes Frühjahr angekündigte Jobview, das bei der Steuerung des Job-Schedulings und der Lastverteilung helfen soll. Weitere Komponenten des Systems sind die sogenannten "Advisors", Offline-Werkzeuge zur Unterstützung bei Tuningmaßnahmen (gegenwärtig gibt es erst den DASD-Advisor), und das ebenfalls für Frühjahr 1990 versprochene Spaceview zur Optimierung der Speicherplatznutzung.

Der Preis für Mainview beträgt, je nach Konfiguration, zwischen 250 000 und 700 000 Mark.

Die 1978 gegründete und auf Systemsoftware für IBM-Großrechner spezialisierte ESC ist eine Tochter der kalifornischen Boole & Babbage Inc. Im Gegensatz zur Muttergesellschaft ist die ESC ein reines Vertriebsunternehmen, das die Produkte mehrerer Softwarehersteller von Kanada bis Israel international vermerktet. Sie steuert etwa die Hälfte zum B&B-Gesamtumsatz bei, der im letzten Jahr um 32 Prozent auf 74,7 Millionen Dollar stieg.