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20.11.1981 - 

Amerikanische Datenverarbeitungsexperten behaupten:

Awacs nicht auf neuestem Stand der Technik

Ein großer Teil der "hochentwickelten Technologie" in den umstrittenen Awacs (Airborne Warning and Control Systems), die von der Reagan-Administration an die Saudis verkauft werden, stammt aus den 60er Jahren und der Rest ist von so hoher Komplexität, daß er für jeden potentiellen Gegner unverständlich bleiben wird, haben Experten der COMPUTERWORLD versichert. Andererseits werden die Sowjets vielleicht bis zum Einsatz von Awacs durch die Saudis im Jahr 1985 schon ein eigenes, gleichwertiges Gegenstück haben. Die elektronischen Grundelemente der für die Saudis bestimmten Awacs bestehen aus der Zentraleinheit. Radar, Nachrichtenausrüstung und der Software zur Systemsteuerung.

Nachdem die Entscheidung über die Lieferung der Awacs-Flugzeuge gefallen ist, tritt eine Änderung bei der Zentraleinheit ein. Anstelle des CC1-Modells, das in den ersten Awacs installiert war, erhalten die Saudis das anspruchsvollere CC2. Gibt es nun zu CC1 ein vergleichbares kommerzielles Gegenstück? "Die Struktur des Systems entspricht derjenigen der IBM-Systeme /360", meinte U.S. Air Force Col. Henry B. Fisher, der stellvertretende Awacs-Programmdirektor. "Wenn man es vom Datendurchsatz her einschätzen will, dann entspricht es etwa einem System /360-70." Das System /360-70 war von 1964 ab lieferbar. Aus IBM-Quellen ist zu erfahren, daß lediglich ein IBM-System /360 - ein Modell 50 - an die Sowjetunion geliefert wurde. Nach einer IBM-Sprecherin erhielt dieses System vor geraumer Zeit das Ministerium für Chemische Technik der UdSSR.

Wie sieht es nun mit CC2 aus? Man kann dieses etwa mit dem IBM-System /370, Modell 168, vergleichen", sagte Fisher. Dieses Modell war von 1972 ab kommerziell lieferbar, aber vom System /370 sind überhaupt keine Lieferungen in den Ostblock erfolgt, stellte die IBM dazu fest.

Das Radarsystem von Awacs, das in die für Saudi-Arabien bestimmten Flugzeuge eingebaut wird, ist eine Entwicklung der Aerospace and Electronics Systems Division von Westinghouse in Baltimore. Das System mit der Bezeichnung E3A entspricht nicht ganz dem heutigen Stand der Technik, bemerkte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums Lt. Col. Mark Foutch. Auf die Frage, ob E3A eine Technik der 60er Jahre verkörpere, meinte er: "Stimmt. Wenn so etwas für die Verteidigung in Produktion geht, muß man wohl oder übel die Grundtechnologie in ihrem technischen Stand einfrieren, und die Entscheidung Awacs zu bauen, wurde ja erst in den frühen 70er Jahren getroffen." Foutch spielte auch die Möglichkeit herunter, daß die Sowjets, sollten sie jemals eine Awacs-Maschine in ihre Gewalt bekommen, den Radar nachbauen könnten. Eine solche Aufgabe wäre enorm schwierig, weil es ja die Herstellungsverfahren und -anlagen sind, die derartig hochentwickelt sind und nicht so sehr das wirkliche Endprodukt, betonte er. Von größerer Bedeutung sei aber, so der Sprecher des Ministeriums, "die Möglichkeit, daß die Sowjets zu dem Zeitpunkt, in dem die Saudis die Awacs der U. S. Air Force erhalten, bereits ein Awacs der zweiten Generation fliegen, das mit unserer im großen und ganzen vergleichbar ist. Es ist eben eine verhältnismäßig alte Technologie, und bis 1985 ist sie ja noch alter geworden."

Was die nachrichtentechnischen Bordausrüstungen betrifft, führen die Awacs-Kritiker den Mangel an technischer Vollendung ins Feld. Die "Black Boxes" dienen vor allem zur Ver- und Entschlüsselung aller gesendeten und empfangenen Nachrichten und zur Abwehr gegnerischer Störungen. Die für die Saudis bestimmten Geräte sind keineswegs die modernsten, über die man in den Vereinigten Staaten verfügt. Demzufolge haben die Senatoren unter Führung von John Glenn, die sich dem Verkauf widersetzt haben, dahingehend argumentiert, der Verkauf "herabgestufter" Ausrüstungen, die nach Meinung von Glenn nicht einmal störsicher sind, sei nicht zu vertreten. Der frühere Astronaut erklärte, er würde das Geschäft mit den Saudis nur unterstützen, wenn diese bereit sind, sich mit den Amerikanern in die Kontrolle und das Kommando über die Awacs-Maschinen zu teilen. Wie ein Mitarbeiter von Glenn feststellte, bestehen die Vereinigten Staaten auf einer gemeinsamen Kontrolle und einem gemeinsamen Kommando für die Awacs-Flugzeuge, die für die Nato patrouillieren.

"Unglaublich schwierig"

Hinsichtlich des dritten Grundelements von Awacs sind sich die zivilen und militärischen Experten darin einig, daß die Software das modernste und vollendetste Element der Awacs-Technologie darstellt. Ursprünglich bei Boeing in der prozeduralen Sprache "Jovial" geschrieben, ist sie nun Gegenstand ständiger Überarbeitungen, die von Programmierern des 552nd Airborne Warning and Control Wing der Air Force auf der Tinker Air Force Base bei Oklahoma City durchgeführt werden.

Ein ziviler Experte in Fragen militärischer Software, der anonym bleiben möchte, nannte die Awacs-Software, "bestenfalls nur mit unglaublichen Schwierigkeiten zu reproduzieren". Die Bordradarprogrammierung sei - mit seinen Worten - ein technisch extrem anspruchsvolles Gitterfolgesystem von höchster Komplexität. "Ich glaube nicht, daß unsere Sicherheit in Frage gestellt wäre, wenn es ihnen (den Sowjets) gelänge, sich der Hardware zu bemächtigen", sagte der Experte. "Ich wäre aber keinesfalls so beruhigt, wenn sie in den Besitz der Software und der Softwaretechnologie kämen." Falls die Sowjets irgendwie eine Awacs-Maschine in die Hand bekämen, wäre es aber "durchaus möglich", daß man die Software derartig abändern könnte, daß alle Gegenmaßnahmen gegen Awacs zum Scheitern verurteilt wären, fügte er hinzu.

COMPUTERWORLD Staff.

Aus COMPUTERWORLD vom 26. Oktober 1981, übersetzt von Hans J. Hoelzgen, Böblingen.