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Streit um neue IT-Lehrberufe


19.05.2000 - 

Azubis laufen Sturm gegen Prüfungen

MÜNCHEN (ag) - Die neuen IT-Ausbildungsberufe stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Hauptvorwurf: Die bundesweit einheitlichen theoretischen Abschlussprüfungen haben nichts mit der betrieblichen Realität zu tun.

Binnen zweier Tage haben sich 800 Beschwerden von Azubis im Online-Diskussionsforum www.fachinformatiker.de angesammelt. Tenor: Die Prüfung habe weder mit der betrieblichen Realität noch mit der einzelnen Vertiefungsrichtung viel zu tun. "Die IHK weiß gar nicht, was an den Schulen gelehrt wird", so Uwe Peissig. So musste der angehende Fachinformatiker in erster Linie kaufmännische Fragen beantworten, obwohl der Schwerpunkt seiner Ausbildung in der Systemintegration lag. In den Augen der Azubis unterschieden sich die Prüfungen zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung kaum von denen zum Fachinformatiker für Systemintegration. In der Tat ist die Prüfung so angelegt, dass nur ein Drittel der Aufgaben aus dem Fachgebiet stammt, sonst aber wirtschaftliches Wissen und Kernqualifikationen getestet werden.

Der Aufruhr unter den Azubis beunruhigt Heinz-Jürgen Guß von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Essen nicht wirklich: "Diese Klagen sind doch relativ normal. Junge Leute denken immer, dass ihre Prüfung die schwerste war." Guß koordiniert den 15-köpfigen Ausschuss aus Unternehmens-, Gewerkschafts- und Lehrervertretern, der die einheitlichen Prüfungsaufgaben für alle Bundesländer mit Ausnahme von Baden-Württemberg erstellt.

Schon bei den ersten Prüfungen wurde der Widerspruch deutlich: Dem Wunsch nach einer einheitlichen Prüfung stehen nur grobe Richtlinien im Rahmenlehrplan gegenüber, die Unternehmen und Berufsschulen weitgehend freie Hand lassen.

Der schnelllebigen IT-Branche kommt ein solches System entgegen, in dem die Inhalte aktuellen Anforderungen schnell angepasst werden können. Für die Prüflinge wird dadurch eine gezielte Vorbereitung schwierig.

Unternehmensvertreter sehen einen Ausweg darin, wie ursprünglich vorgesehen verstärkt konzeptionelle Fragen zu stellen. In den Prüfungen sei es aber trotz eines ganzheitlichen Anspruches immer mehr darum gegangen, Detailwissen und technische Spezifikationen abzufragen. "Wenn es nur um ein Datenbankprodukt geht und nicht um das Konzept einer Datenbank, werden die Azubis benachteiligt, in deren Betrieben das entsprechende Produkt nicht eingesetzt wird", kritisiert Michael Tobler von Lufthansa Systems, der als Bundessachverständiger an der Gestaltung der neuen IT-Lehrberufe mitarbeitet. Tobler hofft, dass die Vorschläge der Bundessachverständigen, die Beispielaufgaben und Prüfungskritierien erarbeitet haben, von den IHKs angenommen werden. Auch IHK-Mann Guß will sich "vernünftiger, sachlicher Kritik" nicht verschließen. Bis zum 25. Mai 2000 können die Azubis ihre Prüfungskritik noch schriftlich bei der örtlichen Kammer einreichen.