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22.05.1981 - 

Landgericht Frankfurt verurteilt zu Schadensersatz und Rücknahme der Maschine:

B 800-Kunde gewinnt Prozeß gegen Burroughs

CW-Bericht, Karin Groth

MÜNCHEN - Das schriftliche Urteil des Landgerichts Frankfurt im Fall Tirexpress, Internationale Spedition GmbH & Co., Betriebs KG, München, gegen Burroughs, liegt jetzt vor. Die Beklagte hat Ihre Nachbesserungspflicht verletzt. Die Burroughs GmbH hat sich nicht ausreichend um ihren Kunden gekümmert. Die Maschine zeigte nicht die zugesicherten Eigenschaften. Statt zu funktionieren, lieferte sie Clearstarts, sprich Systemabbrüche.

Das Gericht belastet die Klägerin entsprechend der Schuld, mit einem Zehntel der Kosten des Rechtsstreites. Burroughs wird verpflichtet, die noch nicht zurückgenommenen Geräte abzuholen. Der Klägerin sei jeder weitere Schaden zu ersetzen, der dem Speditionsunternehmen in Zukunft entsteht, weil Burroughs seiner Nachbesserungspflicht nicht nachgekommen war. In den USA hatte sich ein Unternehmen mit einer B 800 an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht.

Obwohl Burtoughs bekannt war, daß etliche seiner Kunden mit der B 800 auf Kriegsfuß standen, verkaufte der Hersteller der Quality Books Inc. eine B 817-845 zusammen mit der zugehörigen B 800-Software. Der Hersteller und seine Verkaufsmannschaft wußten, daß der Rechner bis zum versprochenen Termin nicht funktionieren konnte. Dennoch empfahl er Quality das System. Die versprochenen Termine konnte Burroughs nicht einhalten. Quality seinerseits erfüllte alle Bedingungen, das System zum Funktionieren zu bringen. Das Unternehmen mietete zusätzliches Personal für Extra-Schichten und ließ die DV-Abteilung am Wochenende arbeiten.

Das Mahnungs- und Bestellwesen des Verlags fiel hoffnungslos zurück. Der Umsatz sank drastisch. Sieben Monate, nachdem das System eigentlich hätte funktionieren sollen, verkaufte Burroughs ihrem Kunden ein Korrekturprodukt, das die Maschine auch nicht zum Laufen brachte. Gleichzeitig behauptete Burroughs, vergleichbare Kunden kämen blendend mit ihren Maschinen zurecht. Mit dem Ruf von Quality Books am Markt ging es während dieser Zeit rapide bergab. Quality kehrte zu seiner früheren DV-Methode zurück. Die Schäden, die Burroughs dem Unternehmen verursacht hatte, gibt das Gericht mit 855 876 Dollar an. Hinzu kommt ein Schadensersatz in Höhe von einer Million Dollar. Die Klägerin hätte sich auf Burroughs verlassen. Wider besseres Wissen, so erkennt das Gericht an, hatte der Computerhersteller Aussagen über Funktionsfähigkeit und Kundenzufriedenheit gemacht. Der Quality-Anwalt vertritt eigenen Angaben zufolge 18 weitere B 800-Geschädigte. Ähnlich erging es der Münchener Tirexpress.

Mit großer Zufriedenheit arbeitete das Speditionsunternehmen seit 1970 mit der B 700, dem Vorgängermodell der B 800. Als die Maschine zu klein wurde, beschloß die am Frankfurter Landgericht klagende Tirexpress, das gewonnene Vertrauen auf die 800 zu übertragen. Nach und nach, von der postversendeten Kassette über Leitung, sollten die Filialen in Mönchengladbach, Kiefersfelden, Kufstein und Villach mit je einem Terminal über DFÜ an die Münchener Zentrale angeschlossen werden.

Nach einer Vertragsskizze vom 28. April 1977, so heißt es in dem Urteil des Landgerichts Frankfurt (AZ 3/7 o 125/79), sollte ein Computer B 800, bestehend aus einem Prozessor, einer Konsole, fünf Bildschirmen, einem Datenfernübertragungsanschluß und einem Matrixdrucker zum Preis von 182 500 Mark verkauft werden. Das Softwarehaus Ambos verpflichtete sich, die bisher auf der 700 gefahrenen Programme für Buchhaltung und Verwaltung auf die 800 umzuschreiben. Hinzu sollte ein Speditionsprogramm kommen.

Die Lieferung von Hardware und Betriebssystemsoftware ließen auf sich warten. In der Zwischenzeit arbeitete das Speditionsunternehmen weiter mit seiner längst zu klein gewordenen B 700. Statt im August 1977 lieferte Burroughs die Hardware und Teile der Betriebssoftware im April und Mai des folgenden Jahres. Der endgültige Lauf wurde auf den 31. März 1979 verschoben - nicht ganz zwei Jahre später, als es den ursprünglichen Erwartungen der Spedition entsprach. Dem Softwarehaus war es unmöglich, seine Programme zu installieren, weil das Betriebssystem nicht zum Laufen kam, erklärt Rudolf Hofmeister für die Tirexpress.

Burroughs vertröstete den Clearstarts-geplagten DV-Chef Hofmeister von Release zu Release. Anfang Januar 1979 stockte der Hersteller die Kapazität des Systems auf 128 KB von bisher 96 KB auf. Im Laufe dieses Tages blieben die Systemabbrüche aus. "Burroughs hat gewußt, daß die Betriebssystemsoftware nicht funktionieren kann", beschuldigt Hofmeister den Rechnerhersteller. "Daß so etwas passiert, versteht jeder, der mit EDV zu tun hat."

Programmierer Schuld zugeschoben

Doch daß die Schuld für das Versagen dem Programmierer zugeschoben wird, kann Hofmeister nicht mehr gutheißen. Tirexpress will mit der B 800 nichts mehr zu tun haben. Nach mehreren Aufforderungen holte der Hersteller schließlich seine Maschine ab. Software-lngenieur Bauer, dem DV-Chef zufolge als einziger Burroughs-Mitarbeiter kompetent in Sachen B 800, hatte im Februar das Tirexpress-Problem der zuständigen Entwicklungsabteilung übergeben. Nach Angaben der Klägerin vor Gericht hörten die Clearstarts auch nach dem Kapazitätsausbau nicht auf. Der eigentliche Umstellungsgrund Fernverarbeitung lag dabei noch im Traumbereich der Tirexpress.

Der Beklagten sei es nicht gelungen, die Betriebssoftware mangelfrei zu installieren. Folglich sei das Softwarehaus nicht in der Lage gewesen, die gut vorbereiteten Programme für die 800 fertigzustellen. Nach Angaben von Hofmeister sind heute so selbstverständlicher Komfort wie das Wiederaufsetzen, Multiple File Handling und Spooling nicht Bestandteil des Betriebssystems.

Der Datenverbund war ohnehin nicht durchfürbar. Das kleinere Terminal AE 500, das Tirexpress auf Empfehlung von Burroughs statt des größeren TC 5110 kaufte, arbeitet asynchron. Um später die kleinere 500 weiter nutzen zu können, hat die Tirexpress versucht, einen Datenverbund zwischen den Burroughs-Terminals und einer HB-Maschine herzustellen. Burroughs verhinderte die Bemühungen eher, als daß sie sie förderte. Der Datenverbund hatte aber zu den wichtigen Entscheidungsgrundlagen für die B 800 gezählt. Tirexpress fühlte sich allein gelassen. Mit immer anderen Gesprächspartnern in München und Eschborn wurde die Spedition von Burroughs konfrontiert. Mit der B 800 eher be- als entlastet und auf ihre Kassetten angewiesen, die neben der Datenspur noch die Synchronspur enthalten und von anderen Maschinen ohne Umwandlung nicht lesbar sind, war sie der Marktmacht von Burroughs ausgeliefert. Burroughs aber versagte die Hilfeleistung. So stand der angebotene Trost 1800 für Hofmeister überhaupt nicht mehr zur Diskussion.

Für die Zentrale in München schaffte er eine 62/25 von Honeywell Bull an, die im Dezember 1979 geliefert wurde. "Zweieinhalb Jahre sind wir mit einem System im Rückstand, aus dem wir herausplatzen", klagt Hofmeister. Aus positiver Forderungsverletzung erhält die Klägerin einen Schadensersatz in Höhe von 122 742,50 Mark zuzüglich Mehrwertsteuer und einer Verzinsung von fünf Prozent seit dem 13. November 1979.

Dem Urteil nach hat Burroughs verabsäumt, die Material- und Herstellungsfehler durch Reparatur und Teilersatz kostenlos zu beheben, obwohl die Speditionsfirma die Mängel unverzüglich mitgeteilt hat. "Auch nach dem Tag der letzten Reparatur seitens der Beklagten traten Clearstarts auf, die die Maschine unbrauchbar machten und die aus dem von der Beklagten zu verantwortenden Bereich der Systemsoftware rührten."