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13.12.1985

B.G. taktil

Manager der deutschen Industrie erkennen immer mehr, wie wichtig für sie die Grafik-Software ist, um eigene Ziele verwirklichen zu können.

So ist beispielsweise das Ausdrucken von Grafiken über die wirtschaftliche und personelle Lage des Unternehmens für Sitzungen des Wirtschaftsausschusses unerläßlich. Ein Vorstand, der heute noch keine Grafik-Arbeitsplätze hat installieren lassen und mit dem Computer nicht umgehen kann, wird schnell erleben, wie untergeordnete DV-Spezialisten an Macht gewinnen und das Firmengeschehen bestimmen.

Dabei gibt es doch alles: Softwarepakete für Business Graphic (B.G.) und Interakt für zweidimensionale Ausgaben von Grafiken, den Grafik-Monitor, das Grafik-Tablett sowie Plotter für 1:1-Kopien vom Monitor.

Und wenn das noch nicht überzeugt: Der alte Kopierer hilft, indem er 1:1-Zeichnungen hochvergrößert. Aber auch ein guter Tageslichtprojektor wirft hochvergrößert die Business Graphic auf Folie kopiert so scharf an die Wand, daß die versammelte Mannschaft (es sind auch in der Regel, Gott sei Dank, nur Männer) des Wirtschaftsausschusses gemeinsam laut "Ah, herrlich!" haucht.

Zunächst huscht die nackte Wirklichkeit über beabsichtigte Rationalisierungsmaßnahmen und Werkstillegungen in grellen rot-grünen BaIkendiagrammen über die Leinwand. Dann folgt gemächlich ein Kreisdiagramm über den erwarteten Aufschwung im nächsten Jahr in rosa und blauen Pastelltönen. Dazu wird Musik von Schubert eingespielt - Klavierquintett, Opus 114.

Wichtig ist die Bildqualität mit mindestens 250 Grund- und 30 000 Mischfarben, schnelle 3D-Grafikberechnung mit eigener Hardware und Farbabtönungsfunktionen. Histogramm-Darstellungen sollte man nicht wählen, sie sind zu profan - Zeitungsniveau! Sonst würde sich das Besondere, das Einmalige der Sitzungen im Wirtschaftsausschuß verlieren. Dann würden auch die Betriebsräte nicht mehr im blauen Nadelstreifenanzug erscheinen.

Reden sollte man mit Programm "fremd 20" schreiben lassen, mit mindestens 20 Prozent Fremdwörtern, was vornehmer klingt und angemessener ist. Die Zuhörer glauben dann mehr.

Zuhörer glauben überhaupt viel mehr, wenn das gesprochene Wort in Grafik umgesetzt wird. Der naive Durchschnittsmensch, so hat eine Studie in den USA ergeben, kann zwischen Darstellung und Wirklichkeit kaum unterscheiden. Drei Viertel der Fernsehzuschauer glauben, daß TV-Sendungen und Spielfilme wahr sind.

Diese Erkenntnis hat gewichtige Manager auf die Idee gebracht, im Wirtschaftsausschuß nur noch Präsentationsgrafiken zur Darstellung zu bringen, wenn zum Beispiel die mittelfristige Wirtschafts- und Personalplanung besprochen wird.

Die Zuhörer halten die in sauberer Grafik-Software in Basic erstellten Prognosen über die angeblich schlechte Ertragslage in den Jahren 1986 bis 1990 für wahr sowie das für 1987 prognostizierte Auftragsloch, weswegen Massenentlassungen nötig werden müssen.

Farblichgute Präsentationsgrafiken überzeugen eher, so daß wenig Widerstand zu erwarten ist. Übrigens, bei der neuen Form visualisierter Darstellung von Körper- und Raumzusammenhängen, besonders bei der hochabstrakten Computerdarstellung, zeigen, laut einer Studie des Denver Institute of Womens Faults, Frauen und Mädchen größere Schwierigkeiten als Männer. Darum sollte die Wirtschaft auch darauf achten, daß nur Männer in den Wirtschaftsausschuß kommen.

Man ist dann auch unter sich, es kann öfter mal ein Witz losgelassen werden und es gibt keine Probleme mit der Anrede und überhaupt.

Frauen sollen dafür Vorteile in der "taktilen Wahrnehmung" haben, sagt ein Professor aus Saarbrücken.

Um diese sozialwissenschaftliche Nullhypothese zu erforschen, hat er Gelder beim Ministerium für Forschung und Technologie beantragt.

Bewahrheitet sich die Hypothese und gelangen immer mehr Frauen unaufhaltsam in höhere Positionen, müßte sich die grafische Datenverarbeitung auf die dreidimensionale taktile Grafik konzentrieren, um den ökonomischen Nachfragefaktor zu befriedigen und neue Marktchancen zu erschließen.