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IT im Gesundheitswesen/Günstig einkaufen, effizient wirtschaften, besser kontrollieren


17.11.2000 - 

B-to-B-Plattformen wollen den Einkauf von Medizinprodukten revolutionieren

Krankenhaus und Internet - ungetrübte Zuneigung verbindet diese beiden Sphären noch nicht. Zwar verfügen fast alle Krankenhäuser über einen Netzzugang, doch für sein Bestellwesen nutzt das Krankenhaus-Management die Möglichkeiten des Netzes noch kaum. Uli Hufen* hat sich Szene und Chancen der Nutzung von B-to-B-Marktplätzen im Kliniksektor angesehen.

Eine Vielzahl von praktischen und ökonomischen Nutzungsmöglichkeiten des Internets liegt für die Krankenhäuser auf der Hand. Von dieser Bedarfslage ausgehend, haben es sich beispielsweise Startups wie Clinic Service Online, Eumedix, Pedion oder Smartmission unter dem Stichwort E-Procurement zum Ziel gesetzt, den Medizinprodukteeinkauf im Gesundheitssektor mittels B-to-B-Plattformen ins 21. Jahrhundert zu holen.

Wie es derzeit um den Einsatz des Internets in Deutschlands Krankenhäusern bestellt ist, hat eine Reihe von Studien in diesem Jahr enthüllt. Fast alle Krankenhäuser sind inzwischen ans Netz angeschlossen, doch wirklich effektiv nutzen es nach wie vor die wenigsten. Dies belegt eine Analyse des Centrums für Krankenhaus-Management (CKM) in Münster, das von der Universität Münster und der Bertelsmann-Stiftung getragen wird. In Interviews mit Ärzten und Mitarbeitern des Pflege- und Verwaltungspersonals stellte das Team um den Experten für Krankenhaus-Management, Professor Wilfried von Eiff, fest, dass die Krankenhäuser das Internet fast ausschließlich zur Recherche und für Marketing-Auftritte nutzen. 80 Prozent der Befragten verfügen über eine eigene Internet-Seite, jedoch nur sechs Prozent nutzen das Netz zum Einkauf von Medizinprodukten. Dass man auch seinen Zahlungsverkehr über das Netz abwickeln kann, scheint demzufolge noch zu keinem der Krankenhäuser durchgedrungen zu sein. Die Bereiche Einkauf und Logistik könnten sich große Potenziale zur Kostensenkung und Prozessoptimierung erschließen.

An eben dieser Stelle setzt die Geschäftsidee einer Reihe von in diesem Jahr gegründeten Unternehmen an. Die Chancen dieser Startups stehen gut: Zum einen scheint die Zeit reif für einen Technologiesprung. Zum anderen - und das ist vielleicht noch wichtiger für die Akzeptanz von E-Procurement - operiert das gesamte Gesundheitswesen heute unter einem derart hohen Kostendruck, dass jede Möglichkeit zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung genutzt werden muss. Wie sehr die Medizin auch von den jeweils neuesten Technologien profitieren mag, auf Management und Verwaltung scheint diese Begeisterung wenig Einfluss zu nehmen.

In den kommenden Jahren steht den Krankenhäusern jedoch ein Wandel bevor, der die Struktur vieler organisatorischer, technischer und kaufmännischer Abläufe revolutionieren wird. Die Ursachen und Folgen dieser Situation beschreibt Kristin Keitlinghaus, Geschäftsführerin der Clinic Service Online GmbH: "In den 80er und 90erJahren wurden Einsparungen vorwiegend auf dem Rücken des Personals ausgetragen. Diese Schraube darf man nicht noch weiter anziehen. In Zukunft sind Einsparungen nur noch durch Senkung von Sach- und Prozesskosten möglich. Wenn Sie sich vor Augen halten, dass in einer durchschnittlichen Universitätsklinik pro Jahr rund 30000 Bestellvorgänge anfallen, die jeweils zwischen 65 und 130 Mark kosten, dann ist das Sparpotenzial elektronischer Lösungen offensichtlich."

Ob dieser oder jener Anbieter - die Grundzüge der neuen Internet-Plattformen unterscheiden sich kaum. Als Kunden registrierte Einrichtungen erhalten die Möglichkeit, Online-Bestellungen aus einem umfangreichen Produktkatalog vorzunehmen. Die B-to-B-Plattform übernimmt deren Bündelung, leitet sie an die jeweiligen Hersteller weiter und wickelt auch den Zahlungsverkehr zwischen Besteller und Hersteller ab. Die Plattformen begreifen sich dabei als neutral: Es wird vermittelt, nicht verkauft.

Wie gescheiterte Versuche von reinen Internet-Marktplätzen gezeigt haben, liegt in der strikten Neutralität die Chance der neuen Plattformen. Die Krankenhäuser werden nicht mit einem weiteren Anbieter konfrontiert, der nun zur Abwechslung über das Internet operiert, sondern sie gewinnen einen Partner, dessen Leistungspalette über den schlichten Verkauf von Produkten hinaus geht.

Alle Plattformen verstehen sich als komplexe Informations- und Dienstleistungsanbieter. Neben den Produktkatalogen versprechen sie für die Zukunft ein gezieltes Angebot von Informationen zu den Produkten und rund ums Krankenhaus. Dazu kommen Consulting-Dienstleistungen oder Angebote zum Erfahrungsaustausch zwischen einzelnen Krankenhäusern. Tragen sollen sich die Plattformen allein über eine Nutzungsgebühr von Seiten der Krankenhäuser und über eine Kommissionsabgabe der Hersteller. Deren Höhe wird in Abhängigkeit von verschiedenen Kriterien zwischen zwei und zehn Prozent schwanken.

Mit der Kombination aus Bestellabwicklung, Informationen und einer Palette von weiteren Dienstleistungen schaffen die neuen Marktplätze integrierte Angebote, die auf die Bedürfnisse der Krankenhäuser zugeschnitten sind.

Neben der Bündelung, Vereinfachung und Verbilligung der Bestellvorgänge liegt der entscheidende Nutzen des Übergangs zum elektronischen Einkauf auch in der Verfügbarkeit umfangreichen digitalen Datenmaterials. Nach einer von der Unternehmensberatung Uniconsult (Universität Dortmund) durchgeführten Studie wickeln derzeit noch 80 Prozent der Krankenhäuser ihre Bestellungen per Fax und 18 Prozent per Telefon ab. 77 Prozent der Krankenhäuser bestellen dabei bis zu 400 Mal im Monat zwischen 2500 und 5000 Produkte bei durchschnittlich 173 verschiedenen Herstellern. Die Fülle der hier anfallenden analogen Daten macht ein effektives Controlling schwierig. Auch aus diesem Grund dürfte die Nutzung von B-to-B-Marktplätzen über kurz oder lang attraktiv werden.

Der Markt für Medizinprodukte zeichnet sich - aufgrund der großen Produktvielfalt und Herstelleranzahl - durch zwei Besonderheiten aus: der relativen Unübersichtlichkeit sowie in dem Umstand, dass es den Krankenhäusern in erster Linie immer um das Wohl der Patienten gehen muss. Auch wenn Krankenhäuser gezwungen sind, ökonomisch sinnvoll zu wirtschaften und Produktpreise zu vergleichen, so entscheidet bei der Auswahl eines Artikels im Zweifelsfall doch immer das Vertrauen in die bewährte Qualität bereits erprobter Produkte und ihrer Hersteller. Von herausragender Bedeutung ist darum eine bislang ungekannte Markttransparenz.

Doch ist es mit einem Katalog aller am Markt erhältlichen Produkte nicht getan. Zusätzlich werden professionelle und neutrale Beurteilungen und Vergleichswerte ähnlicher Produkte benötigt.

Alle neuen B-to-B-Plattformen machen mit ihren Produktkatalogen entscheidende Schritte in Richtung Markttransparenz, die eine etwas mehr, zum Beispiel Clinic Service Online, andere weniger. Die jeweiligen Datenbanken sollen es künftig auch ermöglichen, Produkte mittels eines intelligenten Fragenkatalogs nach Anwendungsgebieten zu recherchieren. Unabhängige, wissenschaftliche Produktevaluationen und -beschreibungen sollen die Angebote komplettieren. Im Idealfall wird es also möglich sein, eine Liste aller für einen bestimmten Zweck geeigneten Produkte zu recherchieren, deren Preise zu vergleichen und anhand der bereitstehenden Expertenurteile das optimale Produkt auszuwählen.

Vorerst nur eingeschränkte LeistungenWie überzeugend und umfangreich die Palette an Vorteilen auch sein mag, mit denen die neuen Plattformen die Krankenhäuser beglücken wollen - Erfolge sind damit nicht garantiert. Sowohl Clinic Service Online als auch Glomedix und Pedion befinden sich derzeit in der Aufbauphase und bieten vorerst nur eingeschränkte Leistungen an. Doch kann man angesichts eines jeweils solide wirkenden finanziellen Hintergrundes davon ausgehen, dass die Plattformen im ersten Quartal des kommenden Jahres ausgebaut werden.

Wichtiger wird Folgendes sein: Obwohl in der Umfrage von Uniconsult 44 Prozent der Krankenhäuser Internet-Plattformen durchaus Erfolgsaussichten einräumen, dominiert eine gewisse Skepsis. Zwar ist man von der Aussicht auf Kostensenkungen, Prozessvereinfachungen und insbesondere auch von der zu erwartenden Markttransparenz allgemein angetan. Andererseits fürchtet man jedoch Umstellungsprobleme, den Verlust des persönlichen Kontaktes mit den Herstellern und generell Kontrolleinbußen. Entscheidend wird sein, die Sorgen der Krankenhäusern angesichts des neuen Mediums ernst zu nehmen, um sie dann Schritt für Schritt durch Zuverlässigkeit und Kompetenz auszuräumen. Eines muss dabei allen Beteiligten klar sein: Auch wenn Krankenhäuser gezwungen sein werden, wie Unternehmen zu wirtschaften, so bleiben sie doch Unternehmen eines völlig eigenen Typus. Im Mittelpunkt ihres Interesses wird auch in Zukunft - so darf man hoffen - immer die Gesundheit der Menschen stehen. Das schließt E-Procurement auch im Gesundheitssektor nicht aus.

*Uli Hufen ist freier Journalist und lebt in Köln.