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21.01.2000 - 

Dreht Investor Fletcher den Geldhahn zu?

Baan holt sich neuen Sanierer an Bord

MÜNCHEN (bs) - Der Verschleiß von Managern beim niederländischen Softwarehaus Baan ist hoch: Nach dem überraschenden Rücktritt von Chief Executive Officer (CEO) Mary Coleman Anfang des Monats verlässt nun auch der Finanzchef James Mooney die Company. Nachfolger wird der ehemalige Philips-Manager Robert Arnold Ruijter.

Hohe Verluste von rund 250 Millionen Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999 und ein Einbruch der Aktienkurse von über 50 Prozent in nur zwei Wochen fordern ihren Tribut: Der im April 1999 angetretene Chief Financial Officer (CFO) James Mooney streicht die Segel. Mooney, der vor dem Wechsel zu Baan 19 Jahre bei IBM tätig war, galt neben Coleman als treibende Kraft einer Wiederaufrichtung des gestrauchelten Softwarekonzerns.

Er war, so hieß es bei seinem Antritt, maßgeblich am Reengineering von Big Blue seit Mitte der 90er Jahre beteiligt. Besonderer Schwerpunkt seiner Aufgaben waren der Aufbau des indirekten Vertriebskanals sowie des Servicebereichs. Bei Baan jedenfalls konnte er die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht erfüllen.

Die Company hat nun nach dem Interims-CEO Pierre Everaert mit dem neuen CFO Robert Ruijter einen zweiten Niederländer an die Unternehmensspitze berufen. Er war zuvor bei dem Elektronikkonzern Philips tätig, zuletzt als Finanzchef und Executive Vice President für den Bereich "Lighting", der mit 48000 Mitarbeitern Umsätze von über fünf Milliarden Euro jährlich erwirtschaftet.

Als neuer Stolperstein könnte sich jetzt Baans Investor Fletcher International Ltd. erweisen. Der Geldgeber hat mit Baan einen Kreditrahmen über insgesamt 425 Millionen Dollar ausgehandelt, von denen die Niederländer bisher 215 Millionen in Anspruch genommen haben. Eine weitere Tranche in Höhe von 40 Millionen Dollar aus diesem Kredit wird Baan aber nur dann zuteil, wenn die mit Fletcher festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Danach muss Baan mindestens das Eigen- beziehungsweise Stammkapital erhalten, das im Laufe des Geschäfts von den Aktionären eingebracht wurde. Laut Analysten der Deutschen Bank soll dies aktuell nicht erreicht werden, berichtet das "Wall Street Journal".

Katrina Roche, Chief Marketing Officer von Baan, spielt die Option für einen weiteren Kredit herunter: "Wir brauchen derzeit kein fremdes Geld. Unsere Barreserven aus dem Jahr 1999 liegen bei 170 Millionen Dollar." Finanzfachleute warnen jedoch vor Optimimus. Jan Coen Balt, ein Aktienhändler aus den Niederlanden: "Der Einfluss von Fletcher ist groß. Sie können die Strategie von Baan kontrollieren", teilte er der "Financial Times" mit. Er habe den Eindruck, dass im Hintergrund daran gearbeitet werde, Baan möglichst billig zu verkaufen und es dann auszuschlachten: "Vielleicht tritt sogar Flechter selbst als Käufer auf."

Die Geldgeber befürchteten, dass sie bei der anhaltend schlechten Situation von Baan ihre Einlage nicht wieder herausbekämen, formuliert es Heinz Steffen, Senior Analyst der Commerzbank in Frankfurt am Main. Fletcher könne das Unternehmen bei weiter sinkendem Wert günstig erstehen und die lukrativen Unternehmensteile wie Front-Office oder Supply-Chain-Management gewinnbringend veräußern.

Ansonsten sei der potenzielle Käuferkreis sehr klein, ergänzt Steffen. Aus seiner Sicht kämen amerikanische ERP-Anbieter in Frage, die auf dem europäischen Markt bisher nur schleppend expandierten und deshalb hier auf Baans Marktanteile schielten. Der Käufer müsse zudem über genügend Finanzkraft verfügen, um die Integration mit den Baan-Lösungen bewerkstelligen zu können. Um seinen Einfluss im europäischen ERP-Markt zu erhöhen, wäre Oracle als Käufer denkbar, auch für den Kunden-Management-Spezialisten Siebel Systems sei Baan eine überlegenswerte Option, um sich neben neuen Kunden auch ein ERP-Paket zu sichern.