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10.11.1998 - 

Kolumne

"Baan steht am Abgrund"

10.11.1998

Baan schreibt Verluste, entläßt jeden fünften Mitarbeiter und steckt 110 Millionen Dollar in ein internes Restrukturierungsprogramm. Das allein ist starker Tobak für all jene, die noch vor einem Jahr die 70prozentigen Wachstumsquoten des ehemaligen Lieblings der Wallstreet bestaunt hatten und frohen Mutes in Baan-Software investierten.

Nun kommt eine Anklage hinzu, weil das Management den Aktionären nicht rechtzeitig reinen Wein über die Finanzverhältnisse eingeschenkt haben soll. Das alles geschieht vor dem Hintergrund, daß Jan und Paul Baan sich kürzlich aus dem aktiven Geschäft zurückzogen, weil sie wegen undurchsichtiger Bilanzierungspraktiken schwer in die Kritik geraten waren.

Ob bei den Softwerkern die Talsohle erreicht ist, läßt sich kaum ermessen. Warnungen für das nächste Jahr hat der neue CEO Tom Tinsley vorsichtshalber schon einmal abgegeben. Anwendern kann das im Grunde egal sein, denn sie befinden sich schon seit Monaten auf dem Tiefpunkt. Die gravierenden Schwächen von Baan in Service und Support verärgerten hierzulande viele Kunden so stark, daß die neue deutsche Geschäftsführung um Jürgen Richter alle Hände voll zu tun hat, die Wogen zu glätten.

Baans Management-Fehler sind jedoch nicht nur in der eigenwilligen Rechnungslegung oder dem ungenügenden Kundendienst zu suchen. Analysten wie die von AMR Research in Boston halten das von Baan derzeit verfolgte indirekte Vertriebsmodell für ungeeignet. Ihr Argument: Software-Anschaffungen, von denen das Schicksal eines Unternehmens abhängt, vereinbaren die Käufer am liebsten mit dem Anbieter selbst.

Kritik ernteten die Niederländer schließlich auch für ihren Akquisitionskurs. Internationale Übernahmen von Firmen wie Aurum, Berclain, Matrix, Beologic oder Caps Logistic stellten das Unternehmen vor das Problem, unterschiedliche Lösungen integrieren zu müssen. In Deutschland sind darüber hinaus die als schwierig geltenden Comet-Kunden sowie die Anwender von Strässle-Software zu bedienen.

Baan kommt angesichts der vielfältigen Probleme um radikale Maßnahmen nicht herum. Entlassungen, die Zentralisierung des weltweiten Geschäfts und ein eiserner Sparkurs sind gefordert. Davon hängt es ab, ob es den Softwerkern gelingt, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.