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28.04.2000 - 

Zahlreiche Niederlassungen vor der Schließung

Baan zieht Konsequenz aus Finanzdesaster

MÜNCHEN (CW) - Baan kehrt kurz vor der wirtschaftlichen Katastrophe zu seinen Wurzeln zurück. Nach einem starken Geschäftseinbruch im ersten Quartal 2000 besinnt sich die Softwareschmiede wieder auf ihre Kunden aus dem Produktions- und Fertigungssektor. Zuvor sollen aber noch drastische Sparmaßnahmen vollzogen werden.

Für den zweitgrößten europäischen Anbieter von Enterprise-Resource-Management-(ERP-)Software endete jetzt bereits das siebte Quartal in Folge mit einem Defizit. Baan meldete einen Nettoverlust von 26 Millionen Dollar gegenüber einem Minus von 19 Millionen Dollar in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Der Umsatz ging von 176 Millionen Dollar im ersten Quartal 1999 auf nur noch 106 Millionen Dollar im abgelaufenen Jahresviertel zurück. Besonders schmerzlich: Die Lizenzeinnahmen sanken von 65 Millionen auf 27 Millionen Dollar.

Unternehmenssprecher Pierre Everaert räumte ein, dass der Breakeven voraussichtlich auch in den nächsten drei bis vier Quartalen nicht erreicht werde. Deshalb sei das Unternehmen für eine Fusion oder eine Übernahme offen, sofern sich dadurch seine Marktposition verbessere. Analysten vermuten jedoch, dass sich ein potenzieller Käufer allenfalls für die zirka 6700 Kunden des Unternehmens interessiere, eine Revitalisierung des Geschäfts aber kaum anstreben würde.

Wie das "Wall Street Journal" meldet, plant Everaert, der das Amt des Chief Executive Officer (CEO) nur übergangsweise bekleidet, den Geschäftsfokus des Unternehmens wieder ganz auf das ursprüngliche Kerngeschäft, den Bereich Fertigung und Produktion, zurück zu verlagern.

Damit konzentriert Baan seine Marketing- und Vertriebsaktivitäten auf die Automobilindustrie, den Elektroniksektor, industrielle Großprojekte sowie Chemie- und Prozessindustrie. Für diverse Projektteams des Unternehmens ist ebenso wie für eine Reihe von Kunden unklar, wie es künftig weitergeht.

Zur Verunsicherung der Kunden dürfte auch der Plan des Interims-CEO beitragen, innerhalb des nächsten halben Jahres eine Reihe von Niederlassungen zu schließen. Von mehr als 100 Vertretungen weltweit sollen nur noch zirka 30 übrig bleiben.

Auch beim Management will Everaert sparen. Die bisherige Struktur, die Produkt-, Regional- und Country-Manager vorsieht, soll aufgebrochen werden. Der CEO plant die Konsolidierung des Managements in zwei Teams: Sie sind künftig entweder für Produkte oder grenzüberschreitend für Vertriebsregionen zuständig.

Die Tochterfirma Aurum, ein Spezialist für Customer-Relationship-Management (CRM), will Baan wie bereits angekündigt in ein eigenständiges Unternehmen umwandeln und in sechs bis neun Monaten an die Börse bringen. Die Tochter soll ihren Hauptsitz in den USA haben.

An der Wallstreet wurden die Nachrichten mit großer Skepsis zur Kenntnis genommen. Finanzanalysten zeigten sich vor allem vom jüngsten Ergebnis enttäuscht. Sie hatten im Durchschnitt einen Umsatz von zirka 130 Millionen Dollar und einen Nettoverlust von 25 Millionen Dollar erwartet - und zwar ohne Berücksichtigung der außergewöhnlichen Einkünfte. In dem von Baan ausgewiesenen Minus von 26 Millionen Euro waren bereits Sondereinnahmen von 51 Millionen Dollar verrechnet worden.