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22.02.2005 - 

Kolumne

Babylonische Sprachverwirrung

Geheimsprachen und Verschlüsselungen gibt es schon seit etlichen Jahrhunderten. Sie schützen vertrauliche Informationen vor unautorisiertem Zugriff und sollen auch zufällige Zuhörer vor den für sie eventuell gefährlichen Geheimnissen bewahren. Eine Abart der Geheimsprache ist die Fachsprache. Mit speziellen Vokabeln beschreibt sie genau definierte Zustände und Phänomene innerhalb eines Fachbereichs, beispielsweise der Medizin oder, ebenfalls sehr ausgeprägt, der Jagd. Zweck von Fachjargon ist es immer, die Dinge unmissverständlich auszudrücken.

Manche Zeitgenossen haben diese Aufgabe der Fachsprache vergessen. Das beste Beispiel dafür ist die IT. Selbst in Handbüchern für blutige Laien finden sich mehr Fachbegriffe und Anglizismen als normalsprachige Ausdrücke. Zur Entschuldigung kann man jetzt natürlich anführen, dass Handbücher noch nie stilbildend waren und sich technische Übersetzer selten Gedanken über das Verständnis von IT-Laien machen. Doch selbst wenn man das gelten lässt, bleibt immer noch das weite Feld der Werbung und des Marketings. Das verträgt doch nun wirklich keine verständnisbehindernden Ausdrücke. Schließlich soll klar werden, worin das Angebot besteht und wo seine Vorzüge gegenüber den Offerten der Konkurrenz liegen.

IT-Service-Provider definieren Verständlichkeit offensichtlich grundsätzlich anders (siehe Seite 40). Für das komplette oder teilweise Auslagern von IT-Aufgaben haben sie neben unternehmensspezifischen Bezeichnungen wie "Business Innovation Transfor- mation Partnership" 15 verschiedene Begriffe mit dem Wortteil "sourcing" gebildet, die ihre Angebote beschreiben und von denen der Konkurrenz un- terscheiden sollen. Ergebnis ist allerdings nicht Klarheit, sondern Verwirrung. Oder können Sie vielleicht den Unterschied zwischen "Homesourcing" und "Homeshoring" erklären oder die Differenz zwischen "Bestshoring" und "Rightshoring"? Macht nichts. Die Anbieter können es in aller Regel auch nicht.

Angesichts der vielen verschiedenen Worthülsen muss die Frage nach dem Warum erlaubt sein. Und da kommen wir wieder auf die Geheimsprache: Die Unverständlichkeit ist Absicht. Der Anwender soll gar nicht verstehen, was diese oder jene spezielle Art des Auslagerns beinhaltet. Es geht nur darum, ihm zu suggerieren, dass er es billiger bekommt, als wenn er die Arbeit selbst erledigt. Das Kauderwelsch macht das Angebot allerdings nicht gerade glaubwürdig, sondern nur undurchsichtig. Und wer kauft schon die Katze im Sack?