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21.10.1994

Baerendienst fuer die IBM

Dieter Eckbauer

Diese Kolumne hat ein bisschen den Charakter einer Mitteilung in eigener Sache, beschaeftigt sich also nicht mit aktuellen Ereignissen in der Computerbranche. Die CW verstand sich immer als eine Zeitschrift, die nicht nur die Entwicklung der Informationstechnologie widerspiegelt, sondern fuer notwendige Veraenderungen publizistisch einsteht, indem sie Auffassungen unterstuetzt, die den Wandel vorantreiben. Es geht uns hier nicht darum, Argumente zu wiederholen und unsere Position zu verteidigen. Tatsache ist, dass sich die DV-Welt veraendert hat, wie immer man das bewerten mag. Nicht ungern beziehen wir uns jedoch auf eine Meldung, aus der sich ableiten laesst, wie die neue Marktordnung eingeschaetzt wird.

Die britischen Xephon-Marktforscher, Herausgeber von "Insight IBM", haben dem Report fuer IS-Manager einen neuen Namen gegeben: "Insight IS". Die Begruendung ist aufschlussreich: "Seit dem Start von 'Insight IBM' vor rund sieben Jahren hat sich die Art und Weise, wie Datenverarbeitung in Unternehmen betrieben wird, grundlegend geaendert. Damals ging eine

Signalwirkung fuer die DV-Strategien der Anwender nahezu ausschliesslich von Produkten und Architekturen der IBM aus. Heute ist die IBM eine von vielen Anbieterfirmen im Computermarkt; die Anwenderunternehmen bestimmen die strategische Richtung des DV- Einsatzes selbst. Angesichts des geschwundenen Einflusses der IBM auf die Anwenderstrategien aendern wir den Namen von 'Insight IBM' in 'Insight IS', konzentrieren uns jedoch nach wie vor auf die wichtigsten Unternehmen der Branche, zu denen natuerlich die IBM gehoert (Ende des Zitates)."

Die Umbenennung duerfte den Xephon-Marktforschern nicht leichtgefallen sein. Geschaeftszweck war bisher, IBM-Kunden vertrauliche Insider-Informationen ("Insight") ueber Big Blue zu liefern, aus der Ueberlegung heraus, dass die IS-Manager davon gar nicht genug bekommen koennten. Der kritische Beobachter ahnt, was mit dem Xephon-Etikettentausch gemeint ist: Man muesse der Tatsache Rechnung tragen, so wird augenzwinkernd signalisiert, dass sich das oeffentliche Meinungsklima in Sachen IBM geaendert habe.

Vielleicht waren die Marktforscher ja zu voreilig. Fuer ein veraendertes Meinungsbild spricht jedenfalls nicht, was die "Wirtschaftswoche" (Nr. 42 vom 14. Oktober 1994) ueber einen vermeintlich neuen Trend auf dem Computermarkt verbreitet: "Die alten Mainframes sind preiswerter", macht sich das Magazin ueber die Verfechter von vernetzten Client-Server-Systemen lustig. IBM- Chef Louis Gerstner, so das Journal weiter, stelle mit Genugtuung eine Renaissance der Rechendinos fest.

Das kann nicht stimmen. Gerstner weiss, dass die traditionellen Mainframe-Monolithen von Mikroprozessor-basierten Servern verdraengt werden - Systemen, die eine ganz andere Ware darstellen. Die "Wirtschaftswoche" kolportiert wider besseres Wissen die Maer von einer heilen Mainframe-Welt. Einer IBM, die um Versachlichung bemueht sein muss, schadet sie damit nur, worueber wir uns nicht freuen. Es ist noch viel Aufklaerungsarbeit erforderlich.