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Hallesche Verkehrs AG optimiert den Betrieb mit Hilfe der IT


30.03.2001 - 

Bahn frei für das bargeldlose Bezahlen

HALLE (ave) - Mit Hilfe ihrer IT will die Hallesche Verkehrs-AG (Havag) nicht nur ihren Betrieb optimieren, sondern auch den Kunden einen möglichst guten Nahverkehr bieten. Das Unternehmen installiert derzeit zusätzlich zu den stationären Fahrkartenautomaten mobile Vertriebsterminals, an denen die Kunden bargeldlos mittels Geldkarte bezahlen können.

Eine Pferdebahn steht am Anfang der Geschichte der Havag: 1882 wurde damit der Grundstein für den öffentlichen Personennahverkehr in der Stadt an der Saale gelegt. Keine Dekade dauerte es, bis 1891 der Betrieb der ersten elektrischen Straßenbahn durch die AEG Stadtbahn begann. Halle hatte damit Angaben der Havag zufolge als erste Stadt in Europa ein elektrisches Straßenbahnnetz.

Auf Hochleistung ausgelegtHeute befördert die Gesellschaft mit etwa 320 Straßenbahnen und rund 60 Omnibussen jeden Tag rund 168000 Personen. Für die Aufrechterhaltung des reibungslosen Betriebs und um den Kunden einen optimalen Service bieten zu können, kann das Unternehmen inzwischen auf seine DV nicht mehr verzichten.

Grundlage hierfür bildet das auf Hochleistung ausgelegte Netz der Havag: Im Backbone-Bereich kommen Glasfaserleiter mit Gigabit Ethernet zum Einsatz, auch die Steigleitungen zwischen den Stockwerken sind optisch ausgeführt. Die Etagen wurden sternförmig mit Kupferkabeln vernetzt. Außer dem Rechenzentrum sind etwa 250 Arbeitsplätze so miteinander verbunden. Ihnen stehen dank Switching fast überall 100 Mbit/s Übertragungsrate zur Verfügung.

Die Server-Landschaft der Hallenser steht eindeutig unter der Flagge von Novell. Sie steigen derzeit von Netware 4.2 auf Version 5.1 um. Daneben setzt die Havag die Novell Directory Services (NDS) ein: In dem Verzeichnisdienst werden die Profile der Benutzer (mit ihren Zugriffsrechten) und die Daten sämtlicher Netzressourcen vorgehalten. Auf den Clients der Angestellten läuft NT.

Dirk Thielemann, Leiter DV und Organisation bei der Havag, und seine Mannschaft sind mit dem bewährten Netz-Betriebssystem Netware "sehr zufrieden", weil es sicher sei und sich gut administrieren lasse. Lediglich "Patris" - eine Marketing- und Vertriebslösung der Lufthansa-Tochter Lufthansa Systems - läuft auf einem NT-Server. Ein Zugeständnis, das der IT-Leiter nur ungern macht: "Wir haben jahrelang daran gearbeitet, den Wildwuchs in der DV wegzubekommen, wir wollen jetzt nicht wieder heterogen werden." Aus diesem Grund läuft auch die zentrale Oracle-Datenbank (Version 7.3.4) unter Netware.

Eine Alternative muss herAuf dieser Datenbank sind sämtliche Betriebsdaten wie Fahrplaninformationen, Betriebshof- und Personaldisposition, Vertriebsinformationen "und alles, was sonst noch dranhängt" (Thielemann) gespeichert. Wie lange bei der Havag die Oracle-Datenbank noch unter Netware ihren Dienst tut, ist aber unklar. Ende 2000 hat Oracle nämlich die Unterstützung für das Netz-Betriebssystem von Novell aufgekündigt. "Das stellt uns mittelfristig vor ein Riesenproblem", kommentiert der DV-Manager. Zwar sieht er für die nächsten zwei, drei Jahre noch keinen Grund, etwas zu unternehmen, denn "das System läuft stabil". Aber dann müsse eine Alternative her. Wahrscheinlich wird sich das Unternehmen zwischen Windows 2000 oder Unix entscheiden, aber der IT-Leiter weiß noch nicht, worauf es letztendlich hinauslaufen wird. Die Entscheidung ist abhängig von der Entwicklung der Betriebssysteme und des Markts sowie vom Preis.

Beschwerden werden zentral erfasstProblematisch könnte für das Nahverkehrsunternehmen ein Umstieg werden, weil viele Anwendungen eng mit Netware verknüpft sind. Dazu gehört unter anderem das Beschwerdesystem. Wie Thielemann erzählt, machte die Vorgängerlösung immer wieder Probleme. Deshalb führte das Unternehmen ein Workflow-System ein, um die Bearbeitung der Kundenanfragen in den Griff zu bekommen. Die Wahl fiel auf "E-Work" des Anbieters Metastorm. Das Produkt klinkt sich laut Thielemann in Novells Bürokommunikationssystem "Groupwise" ein, die Bedienung erfolgt entweder über den Groupwise-Client oder via Web-Browser.

Sämtliche Beschwerden werden damit zentral erfasst und ebenfalls in einer Oracle-Datenbank zusammengeführt. Die weitere Bearbeitung ist durch die Software klar geregelt. Ein Beschwerde-Manager gibt Kunden auch eine Zwischenantwort, informiert sie beispielsweise, was mit ihrer Anfrage geschieht. Thielemann, der in diesem Zusammenhang lieber von "Lob- und Beschwerde-Management" spricht, erinnert sich daran, dass die Einführung dieser Lösung "nicht ganz problemlos" war: Schwierig gestaltete sich unter anderem die Anbindung an die Oracle-Datenbank.

Hohe Kosten und VerspätungenDie Havag möchte mit E-Work noch weitere Projekte umsetzen. So schwebt dem IT-Leiter vor, den User-Helpdesk dadurch zu verbessern, dass die Vorgänge damit abgebildet und die Abläufe überwacht werden. Auch der Aufbau einer Wissensdatenbank ist denkbar, die mit dem System verknüpft wird.

Doch momentan beschäftigt den IT-Leiter, der 1991 bei der Havag anfing und seit 1995 in seiner momentanen Positionen arbeitet, ein anderes Thema: "Die Fahrkartenverkäufe in den Fahrzeugen kosten uns viel Geld und verursachen Verspätungen." Außerdem musste sich die Havag etwas einfallen lassen, um die bevorstehende Umstellung auf den Euro vorzubereiten. Mit der Einführung von Verkaufsautomaten für Fahrscheine wollen die Verkehrsbetriebe nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der Wechsel auf die europäische Einheitswährung wird einfacher, da nicht mit verschiedenen Münzen und Banknoten gearbeitet werden muss. Ebenfalls von Vorteil ist, dass sich die Fahrer nicht mehr um den Verkauf der Tickets zu kümmern brauchen.

Aktuelle Vertriebsdaten vom AutomatenEin weiterer Grund für die Einführung der Billettmaschinen war die Absicht, möglichst tagesaktuelle Informationen über sämtliche Vertriebsdaten zu bekommen - "ein hehres Ziel", räumt Thielemann ein, das jedoch die Voraussetzung für eine Optimierung der Abläufe im Unternehmen darstellt. Um dies alles zu erreichen, ist es nicht mit dem Aufstellen der dazu notwendigen Automaten getan. Vor allem das möglichst schnelle Übertragen der Abrechnungsdaten von den Maschinen zur Weiterverarbeitung in die zentralen Rechner stellte ein Problem dar.

Wie Thielemann erzählt, wird man diese Aufgabe bei den stationären Verkaufsautomaten mit einer GSM-Mobilfunk-Anbindung lösen. Die geringe zur Verfügung stehende Datenrate von 9,6 Kbit/s stellt dabei kein Hindernis dar, da sich das zu übertragende Volumen in Grenzen hält. Anders sähe das bei den in den Geräten ebenfalls vorhandenen umfangreicheren Tarifdaten aus, doch die müssen glücklicherweise nicht sehr oft angepasst werden. Für die Kopplung via GSM sprach zudem, dass auf diese Weise keine eigene Infrastruktur installiert werden muss.

Schwieriger gestaltet sich daher die Anbindung der Verkaufsautomaten in den Fahrzeugen. Die Maschinen sind mit dem in den Fahrzeugen installierten Integrierten Bordinformationssystem (Ibis), einem Bordrechner der Firma Init, verbunden. Dieser sammelt Fahrzeug- und Streckendaten, außerdem laufen hier die über das rechnergestützte Betriebsleitsystem (RBL) ermittelten Werte auf. Zur Ortung der Fahrzeuge werden Transponder eingesetzt, die in die Straße eingelassen sind, sowie Gegenstellen in den Fahrzeugen. Jedes Überfahren eines Kontakts wird im Fahrzeug ausgewertet und nach Inbetriebnahme des Datenfunks an die Leitstelle übermittelt.

Kabelloses lokales NetzAuf diese Weise will die Havag künftig einen"Ist-Fahrplan" an der Haltestelle anzeigen, dem die Kunden unabhängig vom gedruckten Plan entnehmen können, wann die nächste Bahn tatsächlich kommt. Damit besteht auch die Möglichkeit, für die öffentlichen Verkehrsmittel eine Grünphase an Ampeln zu schalten.

Fahrzeugdaten, Fahrplanlage und Fehlerstatistik der mobilen Automaten werden über Datenfunk in die Zentrale gesendet. Für den Abgleich der Vertriebsdaten und der Tarifmatrix aus den Verkaufsautomaten kommt eine Funk-LAN-Lösung zum Einsatz. Dazu stattet das Unternehmen seine Betriebshöfe mit Access Points aus, die innerhalb der Abstellzonen der Busse und Trambahnen ein kabelloses lokales Netz bilden. Die tagsüber gesammelten Daten werden in das Backend-System gefunkt, sobald die Fahrzeuge abgestellt worden sind.

Für die Auswertung der gesammelten Informationen benutzt die Havag die bereits erwähnte Software Patris. Laut Thielemann erstellt das System die Bankdatei für die bargeldlosen Einnahmen, außerdem lässt es genaue Analysen dahingehend zu, welche Fahrkarten wann wo wie oft verkauft wurden. Patris erledigt aber auch die Verwaltung der Fahrkartenabos sowie die EBE-Informationen. Hinter dieser Abkürzung (sie steht für erhöhtes Beförderungsentgelt) steht die Erfassung der Schwarzfahrer: Unter anderem kontrolliert die Havag über Patris, auf welchen Strecken besonders häufig ohne Ticket mitgefahren wird, ob die Strafen gezahlt werden (inklusive Mahnwesen) oder ob bestimmte Personen schon öfter erwischt wurden.

Die erste Stufe des Verkaufsautomaten-Projekts hat die Havag abgeschlossen. Alle Fahrzeuge sind mit Rechnern ausgestattet, die ein autonomes System darstellen. Die Ausstattung mit den Fahrkartenterminals ist angelaufen. Im Endausbau soll das System 55 stationäreund 320 mobile Billettautomaten umfassen.Thielemann hat bereits Pläne für die Zukunft: "Wir wollen die Mobilität der Fahrgäste weiter unterstützen." Ihm schwebt vor, den Havag-Kunden etwa die Fernabfrage des Fahrplans von mobilen Geräten wie Handys oder Personal Digital Assistant (PDA) zu ermöglichen - "da wird sich etwas tun".

Das UnternehmenDie Hallesche Verkehrs-AG (Havag) wurde 1990 als Nachfolgeunternehmen der 1951 zusammengelegten Merseburger Überlandbahn AG (Mübag) und der Werke der Stadt Halle (Wehag) gegründet. Die Havag beschäftigt rund 1170 Angestellte. Mit ihren zirka 380 Fahrzeugen (etwa 320 Straßenbahnwagen sowie 80 Omnibusse) befördert das Unternehmen auf 18 Straßenbahn- und 28 Omnibuslinien rund 168 000 Personen pro Tag. Die Wartung und Pflege der Fahrzeuge erfolgt in zwei Betriebshöfen in Halle sowie einem Betriebshof in Merseburg.