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01.04.1983 - 

Von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft:

Balance zwischen Produktivität und Humanität

01.04.1983

DÜSSELDORF (hö) - "Bis vor kurzem war uns unklar, ob nun neue Intormationstechniken Arbeitsplätze vernichten oder ob sie neue schaffen." Hans-Adolf Barthelmeh, Vorsitzender der Rank-Xerox-Geschäftsführung, hat nun die neuesten Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vorliegen, die darüber genau Auskunft geben, Seiner Meinung nach muß mit der "Schwarzmalerei" jetzt Schluß gemacht werden.

Bis vor kurzem hat uns Ungewißheit erfüllt, ob die von der Mikroelektronik getragenen neuen Informationstechniken nun Arbeitsplätze vernichten - wie es in der Sprache der Rationalisierungsgegner heißt - oder ob sie neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Untersuchung des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit angeschlossen ist, gibt hierfür für den Zeitraum von 1976 bis 1980 nunmehr eine klare Antwort. Für die eine Vielzahl von Branchen umfassenden Wirtschaftszweige der Dienstleistung und des produzierenden Gewerbes gab es einen deutlichen Beschäftigungszuwachs. Ingenieure, Techniker, Planer und Laborberufe nahmen um 9,4 Prozent zu. Im Bürobereich gab es 14,7 Prozent mehr Bürofach- und -hilfskräfte und sogar 22,7 Prozent mehr Beschäftigte in der Datenverarbeitung. Weniger beschäftigt waren dagegen Rechnungskaufleute, Sekretärinnen, Schreibkräfte und Datentypistinnen. Hierzu möchte ich anmerken, daß der Mangel an Schreibkräften schon seit ungefähr einem Jahrzehnt in der Bundesrepublik sehr groß ist und daß es auch heute noch offene Stellen gibt. Die deutliche Zunahme von Bürofach- und -hilfskräften müßte für diejenigen, die über Jahre immer wieder die

Geschichte von dem Wegrationalisieren oder Ausradieren von Arbeitsplätzen in den Büros mit stets neuen Aspekten zu verbreiten wußten, doch zu denken geben.

Aus der Vergangenheit kann man nicht unbedingt auf die Zukunft schließen. Zu der tut aus, daß die Fortschritte der Mikroelektronik in technischer Sicht mit der gegenwärtigen Dynamik weitergehen und daß die Umsetzung in Produkte und Leistungen zunehmend schwieriger werden wird. Probleme in der Umwandlung von einer Industriegesellschaft in eine Informationsgesellschaft und in der Akzeptanz von Automatisierungs- und Kommunikationstechniken würden noch stärker als bisher zum Tragen kommen. Dieser Studie waren - hauptsächlich in der zweiten Hälfte der 70er Jahre - eine nicht geringe Zahl anderer deutscher und auch internationaler Untersuchungen über die Beschäftigungsauswirkungen der Informationstechnologie vorausgegangen.

Wer sich eingehender mit diesen Untersuchungen befaßt hat, weiß, daß die Schwarzmalerei nie gestimmt hat. Rationalisierungsgegner haben sich ihre "Rosinen" immer nur da herausgepickt, wo sie es wollten, um damit ihre dunkle Zukunftsvision zu entwickeln.

Mit personellen Umschichtungen fertig werden

Von der Telekommunikation wird nach wie vor vermutet, daß sie weit mehr Arbeitsplätze schafft, als an anderer Stelle bei den herkömmlichen Kommunikationsdienstleistungen wegfallen. Eines der betroffenen Unternehmen wird die Deutsche Bundespost selbst sein. Arbeitsplätze werden dort wegfallen, weil die elektro-mechanische Vermittlung und der Telexdienst - beide auch mit hohem Wartungsaufwand - schrumpfen und eines Tages entfallen, die kommende elektronische Briefübermittlung im Zustelldienst Kräfte sparen wird. Andererseits schaffen die neuen Dienste auch neue Arbeitsplätze.

Ähnlich wie die Bundespost haben Hersteller der Elektronikindustrie sowie Banken und Versicherungen mit größeren personellen Umschichtungen fertig zu werden.

Es ist weder früher noch heute in Abrede gestellt worden, daß die Telekommunikation und die anderen neuen Techniken und neuen Medien einen größeren Wandel der Berufe und der Tätigkeiten jedes einzelnen mit sich bringen werden. Die Notwendigkeit dieser Veränderungen sollte jedem bewußt sein. Mit der Information und Schulung über veränderte Tätigkeiten ist ohne Pause fortzusetzen und auch die zum Lernen zu bewegen, die glauben, es nicht nötig zu haben. "Lebenslanges Lernen" ist eines der wichtigsten Gebote.

Niemand muß in Nano- oder Picosekunden denken, keiner braucht eine konkrete Vorstellung von der hohen Speicherdichte eines Computers oder von der in unserer Vorstellungswelt nicht faßbaren Geschwindigkeit eines Glasfaserkabels. Auch noch so gut trainierte Spezialisten können das nicht. Sie brauchen es auch gar nicht zu können. Trotzdem werden sie ihre Aufgabe voll erfüllen können. Ich meine, es sollte Schluß damit gemacht werden, die Leistungsfähigkeit der Technik als nicht verstehbar und deshalb nicht beherrschbar hinzustellen. Wir müssen in Zukunft verständlicher über Technik reden. Dann bauen wir das Unbehagen, die Skepsis und, wenn das Wort von der Technikfeindlichkeit wirklich zutreffen sollte, auch diese ab. Das scheint mir für einen hoffentlich positiven Verlauf zukünftiger Diskussionen die wichtigste Voraussetzung zu sein.

Vertrauen schaffen wir dadurch, daß wir gute und vernünftige Technik machen und benutzergerechte Produkte von hoher Qualität schaffen. Ich persönlich bin fest davon überzeugt, daß wir auf diesem Wege sind und daß wir mit der größtmöglichen Nutzung der Mikroelektronik als dem wichtigsten Intelligenzverstärker die Handhabung und Bedienung der Produkte vereinfachen und sie für den Gebrauch auch noch zuverlässiger machen. So wird der technische Fortschritt ein Wegbereiter und Weggenosse humanitärer, sozialer und moralischer Entwicklung sein. Das setzt voraus, daß wir zur neuen Technik auch ein positives Verhältnis haben oder finden und daß wir daran glauben, die sozialen Folgen des technischen Fortschritts bewältigen zu können. In der Vergangenheit konnten wir es (besser als in anderen Ländern). Warum sollte es uns nicht auch in der Zukunft gelingen?

Da die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern hinsichtlich der Entwicklung, aber besonders hinsichtlich der Anwendung neuer Techniken bereits in einen zeitlichen Rückstand geraten ist, sollten wir mit vermehrten Anstrengungen und ohne weiteren Aufschub versuchen, zu dem pragmatischen, unmittelbaren Vorgehen der Amerikaner und dem Consens-Streben der Japaner eine noch bessere Alternative zu entwickeln und sie einsetzen. Die Bundesrepublik und Westeuropa würden dann also keine "technischen Entwicklungsländer" werden, sondern wieder vorn liegen.

Führungskräfte müssen verzichten lernen

Mit den folgenden Ausführungen möchte ich recht konkret auf die sozialen und humanitären Aspekte der Telekommunikation, der Datenverarbeitung und der Bürotechnik eingehen.

Allen gemeinsam dürfte das folgende sein:

a) In der Einführungsphase wird die Informationsmenge für den einzelnen noch größer. Hiermit muß er fertig werden. Das ist für viele Mitarbeiter mehr als eine Herausforderung. Für diesen Zweck muß geschult werden. Erst später wird die Qualität der Informationen wachsen. Auch hierfür muß geschult werden, nämlich wie man besser selektiert und an die richtigen Informationsquellen ohne Umweg gelangt.

b) Je mehr wir einen Telekommunikationsverbund realisieren werden, um so mehr sind hierarchisch gegliederte Berichtswege hinderlich. Dies ist hauptsächlich eine Frage, die das Management angeht. Die Führungskräfte müssen bereit sein, auf den Berichtsweg zu verzichten. Sie werden mehr Verantwortung delegieren müssen, was sich positiv auf die Qualifikationserfordernisse der Mitarbeiter auswirken wird. Würde man die alten, starren Berichtswege beibehalten, so würden alle modernen Kommunikationssysteme viel von ihrer möglichen Effizienz einbüßen. Nicht der Technik zuliebe, sondern den Menschen zuliebe sollte die erwähnte Dezentralisierung stattfinden.

c) Durch diesen Prozeß wächst auch bei den Mitarbeitern das Gefühl, an Entscheidungen aller Art partizipiert zu haben. Sie können flexibler handeln und ihre Arbeiten schneller abwickeln. Die Durchläufe werden nicht nur ein bißchen, sondern ganz beträchtlich beschleunigt.

d) Ein Netzwerk-verbundartiges System, wie es die moderne Telekommunikation mit den anderen Informationstechniken ermöglichen

wird, wäre nicht gut organisiert und auch technisch nicht richtig konzipiert, wenn jedermann zu jeder Zeit erreichbar und kontrollierbar wäre. In Speichern werden Nachrichten auflaufen, die nach Rückkehr abgerufen werden können, oder die bei kreativer Entwicklungsarbeit, konzentriertem Arbeiten keine Störung erlauben und deshalb zwar ankommen, aber auf die Verarbeitung warten müssen.

Kein Zwang zu neuen Medien

Im Verlauf von mehr als hundert Jahren haben wir langsam aber stetig zunehmend Umgang gefunden mit Telegraph, Telefon, Telex und zuletzt auch Telefax. Am populärsten wurde das Telefonieren. Die

Vollversorgung ist damit annähernd erreicht. Trotz der Sättigung ist es uns nicht zuwider.

Das Telefon als Endgerät wird unterstützt durch neuerdings elektronische, bald digitale anstelle von bisher mechanischen Vermittlungssystemen, die Komfort, einfache Bedienung und schnelle Übermittlung erst möglich machen. Ernstzunehmende soziale und humanitäre Probleme bezüglich des Telefonierens kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Telefax oder Fernkopierer waren zu Beginn des neuen Dienstes im Jahre 1979 noch in einem technischen Umbruch. Die neuen Geräte sind frei von Geruchsbelästigung, geräuschärmer und können ohne Bedienung empfangen.

Das inzwischen ergraute Telex-Verfahren wird immer mehr von dem sehr viel leistungsfähigeren Teletex ersetzt werden. Ergeben sich dadurch vielleicht für die betroffenen Mitarbeiter irgendwelche Belastungen besonderer Art? Diese Frage ist zu verneinen. Eine Anzahl von Schreib- und Textsystemen werden in Zukunft zusätzlich mit dieser Kommunikationseinrichtung ausgestattet sein, so daß neben dem Schreiben auch gesendet oder empfangen werden kann.

Im letzten Jahrzehnt ist bekanntlich die am Fernsehschirm verbrachte Zeit zurückgegangen - gleichzeitig jedoch wurden Sendezeit und Programmangebot erhöht. Das Mehr an Informationen braucht wirklich nicht mit Informationsüberflutung gleichgesetzt zu werden. Man sollte im Bildschirmtext, der Ende 1983 zur Einführung ansteht, keine ernsthafte Gefahr für seine Privatsphäre sehen. Und man wird das Geld für diese zusätzlichen Medien nur ausgeben, wenn die Informationen es wirklich wert sind. Dieses Regulativ wird auch hier seine Funktion behalten.

Antwort auf Gewerkschaftskritik

Ich möchte ganz bewußt auf die wesentlichen Vorwürfe der Gewerkschaften eingehen und mich damit auseinandersetzen. Nur so erscheint mir eine Annäherung, die ich für dringend notwendig halte, erreichbar. Bisher wurde weitgehend nebeneinander her geredet.

Seitens des DGB werden in der informationstechnischen Entwicklung die folgenden sozialen Gefahren gesehen:

1. Verringerung von Arbeitsplätzen, wozu ich bereits eingangs Stellung genommen habe.

2. Entwertung vieler Tätigkeiten mit Dequalifikationen, verursacht durch übertriebene Spezialisierungen, Stichwort Neo-Taylorismus.

3. Verschärfte Leistungs- und Verhaltenskontrollen.

4. Rücksichtsloses Streben nach Kostensenkung und Produktivitätsverbesserung, ohne Humanaspekte in Betracht zu ziehen.

Aus meiner betriebswirtschaftlichen Sicht gebe ich hierzu folgende Antwort:

Zu 2: In der Datenverarbeitungsorganisation selbst hat es interessante, vielseitige und anspruchsvolle Positionen zu besetzen gegeben, je auch häufig mit persönlichem Aufstieg verbunden waren. Eine Ausnahme könnte die reine Datenerfassung bilden.

In denjenigen Bereichen, deren Aufgaben neuerdings mit Datenverarbeitungstechniken abgewickelt werden, sind nebensächliche und nachrangige Tätigkeiten mit geringeren Anforderungen nicht übrig geblieben. Im Gegenteil. Mit zunehmendem Einsatz und Ausbau des Online-Verkehrs haben viele Sachbearbeiter zusätzlich Computererfahrungen gesammelt. Beratungs- und Bedienungstätigkeiten wurden miteinander vermischt. In Banken geht man beispielsweise den völlig richtigen Weg von der Auflösung der Spartensachbearbeitung hin zur kundengruppenorientierten Beratung und Betreuung, wobei ein und derselbe Berater sowohl für Kontokorrent als auch für Sparverkehr und Darlehensgeschäft zuständig ist.

Es stellt sich nun die Frage, ob in der Textverarbeitung und in anderen Bürotätigkeiten abwechselungs- und inhaltsreichere Tätigkeiten weniger werden. Die jetzt angestrengte und auf größere Rationalisierung ausgerichtete neue Büroorganisation, die sogenannte integrierte Bürokommunikation mit lokalen Netzwerken und ähnlich fortschrittlichen Techniken (teilweise fälschlicherweise auch als Büroautomation bezeichnet) , könnte angeblich neben höhere Belastung für den einzelnen und neben Arbeitsplatzverlusten auch zu weitreichender Arbeitsteilung, zum Überflüssigwerden von Berufsqualifikationen führen. Das können nur Leute mutmaßen, die sich mit dieser Technik noch nicht befaßt haben. Mit diesen intelligenten Terminals - auch "Arbeitsstationen" genannt - die per Netzwerk untereinander verbunden sind, können - wenn man es richtig organisiert - von einer einzigen Person alle Arbeitsschritte eines Ablaufes abgearbeitet werden, wobei sie - vom System geführt - überlegen, mitdenken und entscheiden muß. Ihre Zuständigkeit kann sich beträchtlich erweitern, wenn das Management bereit ist, mehr zu delegieren. Diese fortschrittliche Technik erlaubt ein sehr hohes Maß an Flexibilität.

Den allmählich zur Ruhe kommenden Dauerstreit der letzten Jahre um Bildschirmgeräte halte ich für maßlos übertrieben. Viele neue Geräte entsprechen inzwischen den ergonomischen Anforderungen und sind technisch verbessert worden.

Zu 3: Es ist die Rede davon, daß angeblich die Leistungskontrollen verschärft werden, daß in Schreibdiensten - und eigentlich nur in diesen Abteilungen - akkordähnliche Arbeitsbedingungen anzutreffen sind oder Leistungsprämien bei hohen Anschlagzahlen gezahlt werden und daß nur jüngere Mitarbeiterinnen in der Lage sind, derart hohe Arbeitspensen zu schaffen.

Es mag einige Organisationen geben, die an derlei Praktiken festhalten. Neben der öffentlichen Verwaltung zählen sogar Gewerkschaftsunternehmen dazu, und in solchen Fällen plädiere ich nachdrücklich für eine Modernisierung. Anschlagzahlen sind kein Maßstab mehr (weil - je nach Typ der Korrespondenz - unterschiedlich viele Angaben automatisch von einem Speicher abgerufen und nicht mehr getastet zu werden brauchen).

Ich möchte nicht mißverstanden werden. Natürlich sind vernünftige Leistungs- und Verhaltenskontrollen, die an Schwachpunkten der Organisation von Zeit zu Zeit in angemessener Weise vorgenommen werden nach wie vor richtig. Die Technik ist jedoch stets nur ein Hilfsmittel für den normalerweise leistungswilligen Menschen. Wenn es hin und wieder zu Fehlentwicklungen gekommen ist, so ist dies nicht der Technik anzulasten.

Ich sehe durchaus die Chance, wie bei Einsatz fortgeschrittener Informationstechnik Arbeitsbedingungen menschengerecht gestaltet werden können, ohne mit Rationalisierungsanforderungen in Konflikt zu geraten. Wenn es bei richtig durchdachten Organisationsformen zu einer größeren und auch wirkungsvolleren technischen Unterstützung kommt, dann werden auch an Arbeitsplätzen mit hoher Belastung die nicht zumutbaren Anteile verschwinden.

Unrichtig ist auch die Annahme, daß durch eine künftige Vernetzung der Arbeitsplätze kontrollierbar wird, wer wann nicht an seinem Arbeitsplatz anzutreffen ist. Da es nach wir vor Gleitzeit, Dienstreisen und größere Sitzungen geben wird, gibt es auch Gründe dafür, abwesend zu sein. Auch bei persönlicher Anwesenheit im Büro kann man die eingehenden Nachrichten in einem "elektronischen Postkorb" auflaufen lassen, um ungestört arbeiten zu können. Dies dürfte deutlich machen daß verschärfte Verhaltenskontrollen nicht vorgesehen sind.

Zu 4: Kostensenkung wird zur Zeit und auch in Zukunft groß geschrieben. Dazu sollen Überstunden möglichst vermieden und ein unnötiger Overhead durch den sogenannten natürlichen Abgang nicht wieder ersetzt werden. Das dürfte die allgemeine Marschroute sein. Unsinnig ist, zu behaupten, daß hierdurch gleichzeitig Mehrarbeit auf den einzelnen Mitarbeiter zukäme.

Die in Büro und Verwaltung angestrebte Produktivitätsverbesserung ist nach meiner Ansicht nicht nur vertretbar, sondern sollte mit allen zur Verfügung stehenden vernünftigen Mitteln nun auch konsequent angestrebt werden. Produktivitätsabfall oder Stagnation können wir uns nicht leisten. Wir wollen schließlich wettbewerbsfähig bleiben. Betrachtet man die im April 1982 veröffentlichte Studie des DGB Arbeitsausschusses für Arbeitsstudien, so findet man darin eine ausgewogene passable Abschätzung. Mit dem Einsatz aller Art von Textsystemen ist nur bei schreibintensiven und systematisch umfassenden Anwendern mit relativ hohen Produktivitätseffekten zu rechnen, allerdings mit sehr hohen Effekten bei

dieser Gruppe. Da, wo integrierte Daten- und Textverarbeitung bereits praktiziert werden, fallen die Produktivitätseffekte wesentlich geringer aus.

Das Bewußtsein der Arbeitgeber in Fragen humanitärer Gestaltung von Arbeitsplätzen im Büro- und Verwaltungsbereich ist größer geworden. Heute wird mehr Verständnis aufgewendet, die Arbeit zu vereinfachen, sie mit modernen technischen Mitteln effektiver zu unterstützen und interessante, vielseitige Tätigkeiten im Büro zu erhalten.

Die von dem Amerikaner Daniel Yankelovich im Jahre 1974 gefundene Definition vom der humanitären Arbeitsweise braucht nur geringfügig ergänzt zu werden: Human ist Arbeitsweise, wenn die "psychologische" Gesundheit nicht geschädigt wird, das Wohlbefinden nicht beeinträchtigt wird , die Tätigkeit den Bedürfnissen entspricht, eine Einflußnahme auf Arbeitssysteme und Arbeitsbedingungen möglich ist und sie zur Persönlichkeitsentfaltung beitragen. Ich füge hinzu: Mit mehr Technikeinsatz den Aufwand vermindern und dabei eine gleichbleibende oder höhere Leistung erzielen.

Produktivität und Humanität schließen sich nicht gegenseitig aus. Beides kann und muß zur gleichen Zeit angestrebt werden. Auf die Balance ist zu achten.