Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


26.03.1982

Balanceakt

Manfred K., Ingenieur der Elektrotechnik, wird von seinen Bekannten als selbstsicherer Technokrat eingestuft, wobei eher Anerkennung mitschwingt denn Mißgunst. Der Enddreißiger, seit fünfzehn Jahren in der Datenverarbeitung, ist Leiter EDV und Organisation in einem mittelgroßen Industriebetrieb. Da ihn seine Vorgesetzten für einen Spezialisten mit Führungsqualitäten halten, hat er die besten Chancen, "Manager of Informations" zu werden - und damit verantwortlich für die gesamte Kommunikationstechnik im Unternehmen.

Doch Manfred K. beginnt sich zu fragen, ob ihn dieser "Aufstieg" interessiert oder ob er sich nicht eine neue Stellung bei einer größeren Organisation suchen soll. Offene Posten, die für ihn In Frage kämen, sind freilich rar wie fehlerfreie Betriebssysteme. Der DV-Routinier ist einigermaßen ratlos. - So ließe sich die berufliche Situation eines x-beliebigen DV-Chefs mittleren Alters beschreiben. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind beabsichtigt.

Die kleine Geschichte führt hin zu einem Thema, das bisher nahezu ausschließlich unter Hierarchie-Gesichtspunkten behandelt wurde, allenfalls noch unter finanziellen Aspekten: das Dilemma des DV-Managers, eingeklemmt zwischen Topmanagement und Endbenutzer. Er soll fachkompetent sein auf bestimmten Gebieten - und doch Allrounder. Immer auf dem laufenden, was den "State-of-the-art" der Hardware- und Software-Technologie betrifft. Einfühlsamer Vorgesetzter und unkomplizierter Teamkamerad. Löwenbändiger und Schlangenbeschwörer. Zentralist und Dezentralisierer zugleich.

Solange ein Know-how-Gefälle bestand, nach oben und nach unten, ließ sich der Balanceakt zwischen Anspruch und Anwenderwirklichkeit noch "schwindelfrei" bewältigen. Elitärer Touch und KB-Sprache (KB = Kurzbezeichnung) sicherten den Aufstieg. Der Karriereplan deckte sich mit dem LL-Motiv. Das heißt: Der Gedanke an Lebenslang-Lernen hatte noch nichts Entmutigendes an sich.

Zwar hat sich die Art, in der Datenverarbeitung bei vielen Anwenderfirmen betrieben wird, noch nicht grundlegend geändert, kann von einem Demokratie-Vollzug nicht die Rede sein - etwa im Sinne der Verfügbarkeit alle DV-Ressourcen für alle Benutzer. Neu ist allerdings die Einstellung, mit der Nicht-Datenverarbeiter an die "Computer-Wissenschaft" herangehen: offen, kritisch und pragmatisch.

Was leistet der Computer? Was bringt er? Welchen Nutzen habe ich von ihm? Es sind immer die eigentlich selbstverständlichen Fragen, die neuerdings gestellt werden. Mal kostentechnisch eingefärbt, mal mit Human-Vorzeichen versehen. Der DV-Fachmann hat Rede und Antwort zu stehen. Man erwartet differenzierte Therapievorschläge von ihm. Wer Beschwörungen nach dem "Rationalisieren-um-jeden-Preis"-Muster bevorzugt, kann leicht ins Abseits geraten, bleibt dann mit seinen Akzeptanzsorgen allein. Hilfe von außen kann der DV-Manager gewiß nicht erwarten. Hardware-Hersteller und Software-Unternehmen ergreifen noch keine Initiative, um dieses Problem zu behandeln. Gelangen solche Fragen an die Öffentlichkeit, so geschieht das meist nur aus egoistischen Motiven: Daß das Akzeptanzproblem den Absatz bremst, steht fest.

Für den DV-Verantwortlichen kann dies nicht die Richtlinie des Handelns sein. Im Gegenteil: Jeder Verdacht auf Kungelei mit seinem Lieferanten bringt ihn nur noch mehr in die Schußlinie. Das beste Rezept ist, der Unternehmensführung und den Fachbereichsleitern schlüssig zu beweisen, worin die Vorteile des Computereinsatzes liegen. Und das ist eine interne Angelegenheit.