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16.06.1995

Bald keine weiblichen Studierenden mehr Interesse am Fach Informatik an Hochschulen laesst stark nach

MUENCHEN (hk) - Zum ersten Mal gibt es deutlich mehr Studienplaetze als Bewerber im Fach Informatik an Universitaeten. Auf 6546 Plaetze haben sich im Studienjahr 1994/95 nur 4637 Abiturienten beworben. Die Wirtschaftsinformatiker dagegen haben noch keinen Grund zu klagen: Die Zahl der Bewerber ist noch immer hoeher als die der angebotenen Plaetze.

Das Studium der Informatik hat an Attraktivitaet verloren. Dies laesst sich deutlich am Rueckgang der Studenten, die sich fuer dieses Fach eingeschrieben haben, erkennen. An einigen Hochschulen herrschen dadurch paradiesische Studienbedingungen, wie man das frueher eher von Orchideenfaechern wie Byzantinistik gewohnt war. In Cottbus zum Beispiel sind nach Angaben des Informatik- Fakultaetentages 65 Studenten eingeschrieben bei neun Professorenstellen. Ein Lehrender kann sich also sieben Studenten widmen.

Anderes sieht es in Aachen aus, wo sich statistisch gesehen 11,5 Professoren um 1368 Studenten kuemmern - auf einen Wissenschaftler kommen also 119 Studenten. Gut ausgelastet ist auch Deutschlands groesste Informatikfakultaet an der Universitaet Dortmund. Dort betreuen 23 Professoren 2615 Studenten.

Auch in diesem Studienjahr konnten sich die Dortmunder nicht ueber mangelndes Interesse beklagen. Auf 296 Studienplaetze bewarben sich 420 Interessenten. Das ist aber die Ausnahme. Im Normalfall lag die Zahl der Bewerber zum Teil deutlich unter dem Platzangebot. So meldeten sich fuer Kaiserslautern 88 Abiturienten bei 300 Plaetzen.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind die Hochschulen in Ostdeutschland. Dresden, das in den 80er Jahren mit 350 Studenten pro Lehrjahr als Hochburg der Informatik galt, wie Gerd Eichler versichert, musste sich heuer laut ZVS mit 123 Studenten begnuegen. Der Dresdner Informatiker fuehrt die Entwicklung unter anderem auf die zahlreichen Neugruendungen in Ostdeutschland zurueck: Immerhin gebe es jetzt 16 Hochschulen, die Informatik anboeten, und vor der Wende waren es gerade eine Handvoll.

Professor Herbert Schreiter, Dekan an der TU Chemnitz, begruendet die zurueckhaltende Studierneigung der Jugendlichen mit der wenig rosigen wirtschaftlichen Lage im Osten der Republik und den damit fehlenden Arbeitsplaetzen. Man wolle aber kuenftig verstaerkt um die Schueler werben. Die Chemnitzer Informatiker organisierten dazu Tage der offenen Tuer und ein sogenannten Schnupperstudium fuer Schueler der Klassen zehn bis 13. An drei Tagen duerfen sie an Vorlesungen, Uebungen und Seminaren teilnehmen, um einen ersten Eindruck vom Studium zu erhalten. In diesem April waren es 30 bis 40 Schueler pro Tag "und damit bin ich ganz zufrieden", sagt Schreiter.

Hermann Rampacher, Geschaeftsfuehrer der Gesellschaft fuer Informatik (GI) in Bonn, will ebenfalls die Aktivitaeten an Schulen intensivieren. Er glaubt, dass dort zu wenig getan werde. Weil es keine Informatiklehrer gebe, werde das Fach erst gar nicht unterrichtet.

Gelassener koennen Wirtschaftsinformatiker und selbst Informatiker an Fachhochschulen die Entwicklung verfolgen. Dort sind solche Einbrueche wie bei den Informatikern an Hochschulen nicht zu verzeichnen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise registrierte die ZVS im Fach Wirtschafsinformatik an Hochschulen 530 Bewerber, die einen der 318 Studienplaetze ergattern wollten.

Noch besser sieht es bei den Wirtschaftsinformatikern an Fachhochschulen aus. Nach Angaben von Professor Rainer Bischoff, Sprecher des Fachbereichs Informatik an Fachhochschulen, bemuehten sich im Studienjahr 1993/94 12 222 junge Menschen, einen der 4655 Plaetze im Fach Wirtschaftsinformatik an Fachhochschulen zu erhalten. Selbst in den neuen Bundeslaendern zaehlte der Fachbereichstag mehr Bewerber (695) als Plaetze (434).

Was indes allen Professoren Raetsel aufgibt, ist der dramatische Rueckgang von weiblichen Interessenten in der Datenverarbeitung. In den 80er Jahren betrug noch deren Anteil bis zu 20 Prozent an der Gesamtzahl der Informatik-Studiosi, jetzt liegt er laut GI-Chef Rampacher bei fuenf Prozent. In den neuen Bundeslaendern sollen es sogar ueber 50 Prozent gewesen sein, wie Dekan Schreiter erzaehlt.