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11.09.1998 - 

Hausse auf dem R 3-Arbeitsmarkt hält an

Bald zehn Prozent aller Jobofferten für SAP-Profis

Von etwas mehr als 12000 Zeitungsannoncen hatten fast 800 einen direkten SAP-Bezug, das entspricht 6,5 Prozent. Ganz anders sieht es dagegen im Internet aus. Von den 220 ausgewerteten Offerten entfielen 126 (57,3 Prozent) auf SAP-Spezialisten. Von insgesamt 12229 ausgewerteten IT-Stellenangeboten haben damit 7,4 Prozent SAP-Bezug. In der Auswertung vom September 1997 betrug der Anteil noch rund fünf Prozent.

"Unternehmen melden steigenden Bedarf", auf diese Kurzformel bringt die Dekra-Akademie das Ergebnis. Wenig überraschend, möchte man sagen, doch ein genauerer Blick auf die Auswertung lohnt sich.

Nach wie vor haben die Firmen der Dienstleistungsbranche - vor allem Software- oder Systemhäuser sowie Unternehmensberatungen - den größten Bedarf an SAP-kundigem Personal. Über die Hälfte der Angebote kam aus diesem Sektor. Doch die Nachfrage aus industriellen Anwenderunternehmen steigt kontinuierlich an. Dies hängt auch damit zusammen, daß für verschiedene Branchen spezielle R/3-Module entwickelt wurden.

Gute Chancen hat, wer die propritäre SAP-Programmiersprache ABAP/4 beherrscht. Jedes fünfte Inserat verlangt ausdrücklich entsprechende Kenntnisse. Dieses Ergebnis der Stellenmarktanalyse ist ein Indiz dafür, daß sich die firmenspezifische Anpassung der SAP-Module immer häufiger nicht mehr nur auf die Programmoberfläche beschränkt, sondern grundsätzlicher Natur ist. Die ABAP-Eigenentwicklung läuft in den Anwenderfirmen selbst ab, immer stärker aber auch in Softwarehäusern, die paßgenaue Branchenlösungen anbieten.

Unangefochten führen Organisatoren und Berater die Hitliste der gesuchten SAP-Spezialisten an. Anwender fragen vor allem nach Kenntnissen in den Modulgruppen Logistik und Rechnungswesen nach. Doch auch hier lohnt sich ein Blick auf Details: So steigt die Bedeutung der Bereiche Materialwirtschaft, Instandhaltung, Qualitäts-Management und Controlling stetig an.

Unabhängig davon, ob die Unternehmen Entwickler, Berater, Organisatoren oder SAP-kundige Sachbearbeiter suchen: Über 70 Prozent aller Inserenten wünschen sich von ihren Kandidaten SAP-Berufserfahrung, schreiben die Dekra-Forscher. Weil dies angesichts des Nachfrage-Angebotsverhältnisses in der Regel ein frommer Wunsch ist, steigt die Zahl der Firmen, die unerfahrene SAP-Einsteiger beschäftigen und sie zunächst mit einem Senior-Partner zusammenarbeiten lassen. Angesichts des hohen Bedarfs an qualifiziertem Personal ist es kein Wunder, daß Arbeitgeber im gesamten SAP-Umfeld interessiert sind, ihr Personal zu halten. Freiberufler möchten die Firmen möglichst nicht beauftragen.

Wie finden und binden die Arbeitgeber nun das so dringend gesuchte Fachpersonal? Die kleinen IT-Anbieter überlassen den Großen der Branche die Ausbildung. Nur in Ausnahmefällen stellen Kleinbetriebe Mitarbeiter ohne nachgewiesene mehrjährige Berufserfahrung als R/3-Berater ein. Zwei Argumente sind zu hören: "Wir haben einen guten Ruf zu verlieren. Wenn wir unsere Kunden halten wollen, müssen wir ihnen hochqualifizierte SAP-Berater schicken." Und: "Wir können es uns nicht leisten, viel Mühe und Kosten in die SAP-Weiterbildung eines Mitarbeiters zu stecken, den uns danach die Konkurrenz ganz schnell abwirbt. Das notwendige Lern- und Übungsfeld sollen deshalb die Großkonzerne bereitstellen."

Zu den ausbildenden Firmen gehört die Ixos Software AG in München. Der Anbieter von Archiv-Lösungen im R/3-Umfeld hat ein eigenes Trainingsinstitut für SAP Certified Technical Consultants, berichtet Personalerin Nana Tennhardt. Diese Ausbildung ist alles andere als billig und dementsprechend groß ist das Interesse der Softwareschmiede, die Spezialisten zu halten. Ein paar Trümpfe hat Ixos in der Hand, sagt Tennhardt: "Wir sind noch nicht so groß, als daß nicht jeder einzelne etwas mitbewegen könnte. Unsere SAP-Leute arbeiten in der modulübergreifenden Entwicklung und Beratung. Das ist sehr attraktiv, weil man sich breite Kenntnisse aneignen kann. Wir pflegen unser Arbeitsklima und bieten lohnenswerte Extras wie etwa längere Auslandsaufenthalte."

Der Mischkonzern Degussa AG in Frankfurt geht mehrere Wege, um auf dem umkämpften Markt der SAP-Anwendungsentwickler fündig zu werden, ist von Einsatzleiterin Renate Molitor zu erfahren. Einen Teil des Bedarfs deckt Degussa mit Praktikanten, die eine zweiwöchige Intensivschulung für das in einem konkreten Projekt gefragte SAP-Modul erhalten.

Studienabsolventen der Chemie oder der Physik mit SAP-Grundkenntnissen haben eine Chance auf Einstellung und betriebsinterne Umschulung. Schließlich werden auch immer wieder "wechselfreudige SAP-Spezialisten" gelockt, berichtet Molitor und fügt hinzu: "Glücklicherweise offerieren wir ein breites Fortbildungsangebot und die Chance für jeden einzelnen, seinen Aufgabenbereich mitzugestalten. Auch wegen der guten Entwicklungsmöglichkeiten in der Firma gibt es keine so große Fluktuation."

Die Daimler-Benz-Tochter Debis Systemhaus in Hamburg schult SAP-Einsteiger und stellt ihnen Paten zur Seite, ein Konzept, mit dem das Unternehmen gute Erfahrungen gemacht hat, berichtet Andreas Malek.

Es gehe in der schnellebigen Branche darum, betont Malek, "daß keiner ein Beraterauslaufmodell wird". Einen wichtigen Rat für Firmen, die SAP-kundiges Personal suchen, hat Dekra- Mann Klaus-Peter Schmitz. Bei den Stellenanalysen zeigte sich, "daß die Unternehmen realistische Profile von den erwarteten Fachleuten definieren müssen". Bei der Komplexität der existierenden SAP-Programme könne niemand von einem Mitarbeiter erwarten, daß er sich in allen Bereichen auskennt.

Die Dekra-Akademie, die als SAP-Schulungspartner ein breites einschlägiges Aus- und Fortbildungsprogramm anbietet, will aus dieser Erkenntnis demnächst folgende Konsequenz ziehen, berichtet Schmitz: "Wir verdichten die Kenntnisse, die unsere Kursteilnehmer erhalten, zu ganz spezifischen Profilen und veröffentlichen sie im Internet." Ziel sei, in der Branche anerkannte Standards für SAP-Profile durchzusetzen.