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11.10.2002 - 

LAN-Parties sind harmloser als ihr Ruf

Ballermann bis Sonntag früh

MÜNCHEN (mb) - Wer bereits die ganze Woche über am Computer arbeitet, kann Samstag und Sonntag gut und gerne auf das Gerät verzichten. Spielwütige sehen das ganz anders: Für sie sind ein Local Area Network (LAN), viele vernetzte Rechner und ein einschlägiges Spielesortiment ideale Zutaten für ein gelungenes Wochenende.

Dachau bei München, Samstagabend 21:30 Uhr: Bereits auf dem Parkplatz wird klar, dass es sich bei dem Event nicht um eine Party im herkömmlichen Sinn handelt. Es ist ungewöhnlich ruhig, keine wummernden Techno-Beats, der Eingang des Gebäudes wirkt verlassen. Die Halle selbst sieht aus wie eine Mischung aus Ruheraum, Call-Center und Prüfungssaal: Die Deckenstrahler sind abgeschaltet, lediglich ein Video-Beamer und die mehr als hundert Monitore auf den Tischen beleuchten die Szenerie. Jetzt wird auch klar, warum keine Musik spielt: Da die meisten der Anwesenden Headsets tragen, erübrigen sich DJ und Sound-Anlage.

Die Veranstalter des Munich Battle LAN #6 haben ein Zimmer im Keller zum Server-Raum umfunktioniert. Zu ihren Aufgaben gehörten der Aufbau des LAN und nun natürlich die Turnierplanung und -leitung. Damit die Organisation überschaubar bleibt, kann jeder Teilnehmer aus dem Spieleangebot maximal zwei Einzelspieler-Turniere und einen Team-Wettbewerb auswählen.

Auch bei diesem Event hat sich die Mehrheit der Teilnehmer in der Multiplayer-Kategorie für "Halflive: Counterstrike" entschieden, ein Strategiespiel, bei dem fünfköpfige bewaffnete Clans gegeneinander antreten. Counterstrike ist eine Art Linux der Gamer-Szene: Entwickler rund um den Globus haben das Ego-Shooter-Spiel "Halflife" teamfähig gemacht, neue Szenarios, Waffen und Figuren entworfen.

In Verruf kam Counterstrike nach dem Massaker in Erfurt Ende April dieses Jahres, als bekannt wurde, dass der 19-jährige Amokläufer begeisterter Anhänger des Spiels war. Viele Eltern befürchteten plötzlich, dass auch in ihrem Kinderzimmer ein "potenzieller Lehrermörder" heranwachse. Gemeinden versuchten dem Problem beizukommen, indem sie die Events verboten oder zumindest die Spieleauswahl beeinflussen wollten. Die Veranstalter reagierten mit Absagen, eine LAN-Party ohne Counterstrike sei undenkbar, erklärt das Munich-Battle-LAN-Team.

Inzwischen hat sich die Aufregung gelegt, das umstrittene Computerspiel steht aber nach wie vor in der Gunst der Gamer ganz oben. Sie reize bei Counterstrike weniger die dargestellte Gewalt als vielmehr die strategische Komponente, berichten die Teilnehmer fast unisono.

Trotz möglichen Risiken und Nebenwirkungen von Counterstrike ist sicher, dass bei einem Durchschnittsalter von 22,7 Jahren nur wenige Besucher der LAN-Party in Dachau noch die Schulbank drücken. Um Probleme mit der Aufsichtspflicht zu vermeiden, sind minderjährige Teilnehmer ausgeschlossen.

Problematischer könnte man eine andere Quote sehen: Nur drei der knapp 150 Spieler sind Frauen. Ein Organisator schreibt diesen Umstand dem Spielesortiment und der Aussicht auf zwei fast schlaflose Nächte zu. Es gibt allerdings auch Ausnahmen. Eine Gruppe berichtet, dass das Mädchen in ihrem Team wegen der LAN-Party sogar die weite Anreise von der holländischen Grenze auf sich genommen habe. Und obwohl der Event offiziell von Freitagabend bis Sonntagmittag geht, reisen die meisten Teilnehmer bereits Samstag in der Nacht ab, um wenigstens einmal am Wochenende ausschlafen zu können.