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21.04.1995

Bangemann entwirft IT-Zukunft Anwenderkonferenz bot buntes Allerlei aus dem Oracle-Fundus

FLORENZ (ua) - Mehr als 3000 Teilnehmer, ein sechsbaendiges Vortragswerk, Martin Bangemanns Thesen zur Informationsgesellschaft sowie Einblicke in Oracles Produkt- und Geschaeftsstrategie bis zum Jahr 2000 kennzeichneten die diesjaehrige Konferenz der European Oracle User Group (EOUG).

"Die Teilnahme an der Konferenz hat sich auf jeden Fall gelohnt", beurteilt Rainer Hunkler von der Deutschen Oracle-Anwendergruppe e.V. (DOAG) den Erfolg der Konferenz. Er hob insbesondere die Qualitaet der Fachvortraege hervor.

Neben wachsenden Mitgliederzahlen in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika, das organisatorisch zu diesem Verband gehoert, berichtete EOUG-President Erich Wessner ueber ein eigenes Partnerprogramm der EOUG fuer Mitglieder der sogenannten "Business Alliance" von Oracle.

Ansonsten war die Veranstaltung von einer Reihe kleinerer Oracle- Ankuendigungen gepraegt. Positiv ist in den Augen Hunklers die Restrukturierung der Tools "Cooperative Development Environment" (CDE) in "Designer 2000" und "Developer 2000" aufgenommen worden. Insbesondere werden die CASE-Komponenten von dem Formular-Editor

"Forms" getrennt. Es habe sowieso immer eine Luecke zwischen diesen Entwicklungswerkzeugen gegeben.

Die "naechste grosse Veraenderung" bei den Oracle-Applikationen betrifft die Objektorientierung. "Am liebsten waere mir, die Applikationen waeren bereits morgen objektorientiert", aeusserte sich Oracles Executive Vice-President Ray Lane. "Doch zunaechst muss das Toolset 'Sedona' fertig werden. Danach rechne ich mit zwei Jahren Entwicklungszeit, so dass die Applikationen fruehestens zum Ende 1997 erstellt sein duerften."

Am liebsten schon morgen objektorientiert

Zunaechst einmal kommt im Mai eine Version auf den Markt, die mit grafischen Oberflaechen ausgestattet ist, ab Sommer dieses Jahres wird es auch, so Lane, europaeisierte Ausfuehrungen geben. Geruechten, Oracle wolle die VMS-Plattformen nicht mehr unterstuetzen, entgegnete Lane:

"Wir machen rund 90 Prozent unseres Geschaefts mit Unix- Plattformen, doch waechst der VMS-Markt zur Zeit wieder. So werden wir VMS und Open VMS unterstuetzen."

"Oracle in motion" wurde, um von dem Agenten-Boom zu profitieren, umgetauft in "Mobile Agents". Der Feldversuch, von BT (British Telecom) mit Hilfe von Oracles Multimedia-Autoren-Tool und dem "Media Server" realisiert, wird von 60 Haushalten im vergangenen Jahr auf 2500 bis zu 2800 in diesem Sommer ausgeweitet. BT will interaktives Fernsehen ausstrahlen. Oracle kuendigte an, der Media- Server werde auf die Parallel-Server-Plattform "Reliant RM 1000" von Siemens-Nixdorf und Pyramid portiert.

Der "Textserver", ein Werkzeug fuer das Finden und Indizieren von Textteilen, ist in einer erweiterten Version auf dem Markt. Das integrierte Woerterbuch speichert nun 600 000 Woerter. Gekoppelt mit einer Oracle-7-Datenbank steht die aktuelle Version fuer SunOS mit Windows- oder Motif-Clients zur Verfuegung.

Die von Oracle beim Kauf der Digital-Datenbank "rdb" uebernommenen Tools, explizit "Expert", sollen im Laufe dieses Halbjahres auch fuer Oracle-7-Anwendungen zur Verfuegung stehen. Der "Workgroup- Server" wurde auf die Plattformen SCO, Solaris und Unixware portiert. Bisher lief das Low-end-Produkt auf Netware, Windows NT und OS/2. Version 2.1 von "Oracle Office" erlaubt nun die Anbindung mobiler Windows- oder Macintosh-Clients und die Kommunikation in sechs verschiedenen europaeischen Sprachen: Englisch, Daenisch, Niederlaendisch, Deutsch, Ungarisch und Spanisch.

Heute ist jedes Unternehmen ein IT-Produzent

Auf positive Resonanz stiess bei den Oracle-Usern der Vortrag von Martin Bangemann, der in seiner Eigenschaft als EU-Kommissar bekanntermassen die zukuenftige Informationsgesellschaft mit auf den Weg bringen will. Verstaendnis zeigte er fuer die Sorgen, die der Fortschritt verursache: Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und kultureller Identitaet sowie vor der Vereinsamung am Bildschirm.

Doch jeder, der mit dem Internet arbeite, kommuniziere. Elektronische Medien boeten vor allem kleinen Kulturgruppen verbesserte Chancen und verhinderten die Nivellierung. Frei zugaengliche Informationen koennten ueberdies die Entstehung diktatorischer Zustaende verhindern helfen. Neue Technik bringe neue Formen der Arbeit hervor. Allerdings konnte auch Bangemann nicht beschreiben, welcher Art die neuen Arbeitsplaetze sein werden. Doch bekaemen die Arbeitnehmer die Chance, ihre Zeit sinnvoller zu verbringen, als zum Arbeitsplatz zu pendeln; die Informationsgesellschaft verheisse statt Vereinsamung einen neuen Babyboom, so der EU-Kommissar augenzwinkernd.

Wie tief DV mittlerweile in die Belange eines jeden Unternehmens hineinreicht, unterstrich Bangemann mit dem Hinweis, ein Unterschied zwischen der DV-Branche und produzierenden Unternehmen sei nicht mehr auszumachen. Ueber 70 Prozent der Softwareproduktion finde heute in Anwendungsunternehmen quer durch alle Industriebereiche statt. Ein Unternehmen wie Daimler-Benz stelle sogar seine eigenen Chips her.

Bangemann zitierte Percy Barnevik, Vorstandsmitglied von ABB: "Wir fertigen zwar Maschinenteile, Energie- und Transportsysteme, doch 50 Prozent des Umsatzes basieren auf unserer Informationstechnologie. Wir sind ein IT-Hersteller." Dasselbe gilt, wie der EU-Kommissar erlaeuterte, auch fuer jedes andere Unternehmen, denn die gesamte Industrie werde mehr und mehr zu einem wissensbasierten System.