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19.11.1998 - 

IT in Banken/Internet-basiertes Handelssystem für Optionsscheine

Bank 24 und Sal. Oppenheim steigen als Pilotanwender ein

Der Handel mit Optionsscheinen hat in den letzten Jahren eine stürmische Entwicklung genommen. Eine schnellere und einfachere Abwicklung bringt allen Beteiligten Vorteile. Dies impliziert den Schritt vom telefonischen zum elektronischen Handel. Unterstützt wird er jetzt von Xeos, einem Handelssystem auf der Basis von Internet-Technologie. Rolf Bastian* hat sich bei Pilotanwendern, dem Bankhaus Sal. Oppenheim und der Bank 24, umgetan.

Entwickler und Betreiber des Systems ist im Interesse der Offenheit für alle Marktteilnehmer ein unabhängiger Dritter: die IBM-Tochter CSG (Computer Service GmbH). Die in deren Unternehmensbereich Trading Services in sieben Monaten entwickelte Lösung beruht auf Java in Verbindung mit einer Sybase-Datenbank- und Sybase-Replikationstechnologie.

Je turbulenter das Geschehen an der Börse, desto interessanter wird der Handel mit Optionsscheinen - und zwar unabhängig von der Richtung, in die die Börse sich bewegt. Kein Wunder also, daß dieser Markt ein ebenso stürmisches wie teilweise undurchschaubares Wachstum verzeichnet. Gegenwärtig werden bereits mehr als 7000 Scheine notiert, und ein Ende ist nicht abzusehen - im Vergleich zu rund 1000 Aktien, die gehandelt werden. Es gibt 25 Emissionshäuser, wobei fünf Institute rund 80 Prozent des Kuchens unter sich aufteilen. Die Umsatzentwicklung in diesem Bereich ist atemberaubend: Während das Volumen im März 1996 insgesamt rund 1,5 Milliarden Mark betrug, war es im März 1998 auf 15 Milliarden Mark emporgeschnellt.

Und doch war der Handel bisher kaum durchgängig automatisiert. Zwar bietet die Citibank mit ihrem Citi-Cats-OS seit einigen Jahren eine Systemlösung, aber mit diesem Instrument können ausschließlich von der Citibank selbst emittierte Optionsscheine gehandelt werden. Bereits 1996 hatte daher die Deutsche Börse AG versucht, ein Optionsschein-Handelssystem auf Ibis-Basis zu installieren, mußte jedoch schließlich vor den hohen Anforderungen an die Rechnerleistung kapitulieren, die sich aus der Update-Frequenz und dem raschen Wachstum des Markts ergeben hatten.

"Immer wieder haben wir daher anderen Emissionshäusern und Drittanbietern nahegelegt, ein für alle Marktteilnehmer offenes elektronisches Handelssystem zu entwickeln", erklärt Hanns-Friedrich Sefranek, Generalbevollmächtigter der Bank 24. Schließlich ermöglicht es der elektronische Handel den Intermediären, ihren Kunden hervorragende Serviceleistungen zu bieten.

So fiel im Dezember ''97 der Startschuß für das Projekt Xeos. Entwickler und Betreiber war CSG, Pilotkunden waren Sal. Oppenheim als Emissionshaus und die Bank 24 auf der Kundenhandelsseite.

Der Echtbetrieb startete im Frühjahr dieses Jahres. Konzipiert wurde das System von vornherein als offene, nichtproprietäre Client-Server-Lösung. Die Applikationen auf den Händlerstationen laufen bei den Emittenten unter Windows NT, bei den Intermediären genügt ein Standard-PC mit Java-fähigem Browser. Das System wird mittels Internet-Technologie betrieben, wobei Emittenten und Intermediäre über schnelle und störungsfreie Otelo-Standleitungen direkt miteinander verbunden sind.

Im Zentrum des neuen Services steht das vollautomatische echtzeitorientierte Routing der Trades über den Applikations-Server, der im Schweinfurter IBM-Rechenzentrum steht. Der Geschäftsprozeß läuft wie folgt ab: Der Mitarbeiter im Broking der Interme- diärsbank nimmt das Kundengeschäft telefonisch entgegen. Sofort sieht er im Fenster "Preisübersicht" den sekundenaktuellen Preis eines gewünschten Optionsscheins. Durch einen Doppelklick auf ein ausgewähltes Produkt öffnet sich ein Handelsfenster mit den vorbelegten Daten. Von Hand muß nur die Stückzahl eingegeben werden. Ist der Kunde am Telefon mit dem Preis einverstanden, erfolgt durch einfaches Drücken des Kaufen- oder Verkaufen-Buttons der Abschluß des Geschäfts. Die Bestätigung wird online angezeigt.

Damit wird der Geschäftsprozeß weitgehend automatisiert. "Erstmals wird das Geschäft für den Kunden völlig transparent - er weiß nach einem einzigen Anruf, welche Emissionsscheine zu welchen Bedingungen angeboten werden und woher er sie beziehen kann", so der verantwortliche CSG-Manager Wieland Götze. Die vorher notwendigen Anrufe bei den verschiedenen Emissionsbanken entfallen; der Kunde kann alles sofort über eine Bank, die Xeos einsetzt, abwickeln - in diesem Fall die Bank 24.

Ausschlaggebend für die Wahl der Sybase-Datenbanktechnologie waren nach Götzes Aussage die Performance, die vor allem für die geforderten sehr kurzen Antwortzeiten Voraussetzung war, die Minimierung der Schnittstellen-Problematik und - besonders wichtig - Sicherheit und Verfügbarkeit.

"Das System ist extrem schnell", erklärt Sefranek, "und anders könnten die Anleger die Vorteile des außerbörslichen Optionsscheinhandels auch gar nicht effektiv nutzen." Dies liegt in der Natur des Geschäfts: Mit einem Optionsschein wird das Recht gehandelt, Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. Der Preis für dieses Recht ist, gemessen am Volumen der Werte, relativ gering, und Verlustrisiken sind auf ebendiesen Preis beschränkt, denn schlimmstenfalls nimmt der Kunde sein Recht einfach nicht wahr.

Da sich mit geringem Kraftaufwand eine große Masse bewegen läßt, kann man Optionsscheine als langen Hebel auffassen. Eben darum reagieren sie umgekehrt auf kleinste Börsenschwankungen mit enormen Preisausschlägen, ändern sich im Wert schneller als normale Aktien. Je schneller die Börse schwankt, desto mehr Gewinnpotential versprechen Optionsscheine und entsprechend teurer werden sie gehandelt.

Mit knapp 20 Prozent der Kunden-Trades beziffert Sefranek den derzeitigen Umsatzanteil von Optionsscheinen in seinem Haus: "Diese börsenerfahrenen Kunden beobachten den Markt sehr genau und wollen zu einem präzisen Zeitpunkt über uns am liebsten direkt mit den Emissionshäusern handeln." Denn bei der Vermittlung durch Börsenmakler wisse der Kunde erst nach Eingang der Kauf- oder Verkaufsbestätigung, zu welchem Kurs die Transaktion letztendlich stattgefunden hat. Der Dax kann sich aber in Sekunden ändern. Und hier liegt der Unterschied: Sobald ein Request eingegeben wird, hält das Emissionshaus den genau in diesem Augenblick ermittelten Preis kurz fest, und es öffnet sich ein Sieben-Sekunden-Fenster. So lange kann der Kunde überlegen, ob er das Geschäft machen will oder nicht.

"Ein wesentlich längeres Risiko", so Sefranek weiter, "wäre keinem Emissionshaus zuzumuten. Deshalb mußten wir auf extrem kurzen Response-Zeiten bestehen. Und tatsächlich: Wenn unser Call-Center-Agent die Enter-Taste drückt, hat er in Sekundenbruchteilen den aktuellen Preis."

Die zweite unabdingbare Voraussetzung für ein solches System sind Sicherheit und Vertraulichkeit. Das System arbeitet mit einer Datenbank mit den Stamm- und Handelsdaten für jedes Emissionshaus und jeden Intermediär. Der Betreiber muß den Marktteilnehmern garantieren können, daß keinerlei Verbindung zwischen ihren Servern herstellbar ist, und gleichzeitig sind die Prozesse zu integrieren.

Das Problem des notwendigen Datentransfers unter Ausschluß jeder direkten Zugriffsmöglichkeit auf die betreffende Datenbank wurde durch den Einsatz des Sybase-Replication-Servers gelöst.

Die Schnittstellen überführen Optionsscheingeschäfte in die hausinternen Positions- und Risiko-Management-Systeme der Emittenten. Zur Bearbeitung des Geschäfts werden die Daten elektronisch an Boega weitergeleitet, das Abwicklungssystem der deutschen Börse. Darüber hinaus gibt es direkte Schnittstellen zur Anbindung an die Preisstellungsplattformen der Emittenten zur Übernahme von Echtzeitpreisen für den Handel. Sie werden über den Applikations-Server via Extranet zur Intermediärsbank übermittelt. Für jeden Intermediär werden Schnittstellen zu Ordersystemen bereitgestellt.

Zur Gewährleistung der Ausfallsicherheit des neuen Systems wird ferner jede einzelne Datenbank online auf einen zweiten Server gespiegelt, der sich als Backup-System im Warm Stand-by mit den Daten des Schlüsselsystems für den Fall der Fälle bereithält. Somit sind alle Hard- und Softwarekomponenten doppelt ausgelegt.

Endkundenzugriff über Internet?

Das Interessante an dieser Lösung ist, daß jede Bank mitmachen kann. Das Geschäft ist bezüglich der Systeme und Bedingungen transparent. Die Bank kann sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Die Infrastruktur, die jeder Teilnehmer als Vertriebskanal nutzen kann, kommt von einem unabhängigen Provider.

Mittlerweile setzt auch die Spütz AG das elektronische Handelssystem ein. Es ist davon auszugehen, daß es von den Emissionshäusern und Finanzintermediären akzeptiert wird und sich mittelfristig als Plattform für den außerbörslichen Optionsscheinhandel in Deutschland etabliert. Bis Anfang nächsten Jahres könnte noch eine ganze Reihe weiterer Banken angeschlossen sein.

Schon wird bei der Bank 24 an einem Projekt gearbeitet, um die Lücke zum Endverbraucher zu schließen und den Anlegern über Internet direkten Zugriff auf den Handel zu geben - damit wäre der Geschäftsprozeß vollständig automatisiert. 40 Prozent der Orders bei der Bank 24 laufen schließlich bereits über elektronische Medien. Und es werden Konzepte erarbeitet, wie die Internet-typische Verzögerung in Anbetracht des Sieben-Sekunden-Fensters gelöst werden kann.

Konfiguration

Application Server im IBM-Rechenzentrum:Sun Solaris mit Sybase Adaptive Server Enterprise und Sybase Replication Server.

Emittenten:Client: Pentium-Prozessor, Betriebssystem Windows NT 4.0 (32 Bit).

Intermediäre:Client: Pentium, 32-Bit-Desktop-Betriebssystem (W 95, NT, Solaris oder OS/2), Java-fähiger Standard-Browser.

Alternativ:Sun-Java-Runtime-Umgebung

Kommunikation:Otelo-Frame-Relay-Anbindung

Angeklickt

Bank 24 und die Privatbankiers Sal. Oppenheim setzen ein neues System für den außerbörslichen elektronischen Handel von Optionsscheinen ein, das auf Internet-Technologie basierende Xeos. Ein solcher Service wurde von der Finanzbranche seit langem gefordert. Entwickler und Betreiber ist die IBM-eigene Computer Service GmbH, CSG. Das System soll den gesamten Geschäftsprozeß automatisieren, allen Emissionshäusern und Intermediärsbanken offenstehen und den Bankkunden Transparenz verschaffen.

*Ralf Bastian ist freier Journalist in Mainz.