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03.03.2006

Bank Julius Bär friert Projekt ein

Die Einführung der Bankensoftware von Avaloq ist abgebrochen.

Die in Zürich beheimatete Bank Julius Bär hat die Einführung des Core-Banking-Systems von Avaloq gestoppt. Wie CIO Jürgen Pulm berichtet, steht die Entscheidung im Zusammenhang mit der im Dezember vergangenen Jahres abgeschlossenen Übernahme von drei Schweizer Banken: Ehinger & Armand von Ernst, Ferrier Lullin und Banco di Lugano. Die vier Geldhäuser auf eine gemeinsame neue Backend-Software zu migrieren hätte mehr Zeit gekostet, als der Wunsch nach einer schnellen Integration der Geschäftsprozesse zuließ.

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www.computerwoche.de/go/

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Projektsteckbrief

Projektart: Post-Merger-Integration auf der Frontend-Seite.

Branche: Finanzdienstleister.

Zeitrahmen: seit Ende 2005.

Stand heute: im Gange.

Herausforderung: Strategieänderung - die Einführung der Backend-Software wurde abgebrochen.

Die Business-Integration hat definitiv Vorrang

"Wir haben lange diskutiert, welche die effizienteste und risikoärmste Integrationsstrategie ist", so Pulm: "Letztlich mussten wir uns zwischen zwei Szenarien entscheiden, von denen das eine die Business-Integration auf der Zeitachse weit nach hinten geschoben hätte." Folglich sei das Management übereingekommen, zunächst die Implementierung einer gemeinsamen Frontend-Suite voranzutreiben, ohne das System dahinter anzurühren. Derzeit hat die Bank zwei Systeme im Haus, im Private-Banking-Bereich das System "Triple ‘A" von Odyssey, im Portfolio-Management die Software des dänischen Anbieters Simcorp A/S. Auf welches davon sie sich künftig konzentrieren wird - oder ob vielleicht ein drittes das Rennen macht -, darauf will sie sich erst Ende Mai festlegen.

Eine Entscheidung zieht die andere nach sich

Die Entscheidung, mit der Erneuerung der Plattform am Frontend zu beginnen, stellte die im April 2004 begonnene Einführung der Avaloq-Software zur Disposition. In der Schweiz ist Avaloq vor allem in mittelgroßen Privatbanken wie der Bank Sarasin, der Bank Cial oder Hottinger & Cie. verbreitet, den Schritt nach Deutschland hat das Softwareunternehmen noch nicht getan.

Im Rahmen des Einführungsprojekts gab die Bank Julius Bär bis Ende 2005 knapp 50 Millionen Schweizer Franken für Lizenzen und Manpower aus. In der jüngst veröffentlichten Jahresbilanz taucht dieser Betrag als Abschreibungen auf. Ob, wann und wie das Projekt wieder aufgenommen wird, vermag Pulm heute noch nicht zu sagen: "Dass man sich mittelfristig mit der Frage nach den Backend-Systemen noch einmal auseinander setzen muss, ist unstrittig, aber aktuell ist das kein Thema." Ab dem kommenden Juli sollen die übernommenen Institute eines nach dem anderen auf die Legacy-Systeme der Bank Julius Bär wechseln. Den Nachrichten- und Datenabgleich zwischen den Umgebungen wird laut Pulm eine bereits vorhandene "Transportschicht" auf der Basis der IBM-Software "MQ Series" und der Datenintegrationslösung "Powercenter" von Informatica erledigen. Die Schnittstellen zu den Anwendungssystemen sind allerdings noch zu entwickeln; diese Aufgabe werden die IT-Experten der Bank Julius Bär selbst erledigen.

Outsourcing-Option wurde früher schon verworfen

Der Vermutung, er wolle die Backend-Systeme an einen Dienstleister auslagern, widerspricht Pulm entschieden. Diese Möglichkeiten habe die Bank Julius Bär vor zwei Jahren schon geprüft - bevor die Entscheidung für Avaloq getroffen wurde. Man habe sich damals sehr intensiv mit dem Provider der Wahl auseinander gesetzt und sei am Ende zu dem Schluss gekommen, dass die tatsächliche Rentabilität von der angestrebten deutlich abweichen würde.

Auch das Gerücht, Julius Bär sei auf die Banking-Lösung von SAP umgeschwenkt, entbehrt laut Pulm jeder Grundlage. Bestätigen könne er lediglich, dass bestimmte Softwarekomponenten des Branchenriesen aus Walldorf zum Einsatz kommen, beispielsweise im Bereich Personal-Management. Zwar hatte die Bank hier zunächst die Software eines lokalen Anbieters einsetzen wollen, sich dann aber neu orientiert, weil die akquirierten Geldhäuser alle die HR-Software von SAP im Einsatz hatten. Dies sei jedoch "eine eher kleine Sache", die mit der Auswahl des Kernbankensystems nichts zu tun habe.