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14.11.1997 - 

Integrierte Geschäftsprozesse

Banken schließen mit Edifact den elektronischen Kreislauf

Mit rund 440 Milliarden Mark weist die West LB die drittgrößte Bilanzsumme aller deutschen Kreditinstitute auf. Fast 10000 Mitarbeiter beschäftigt der Bankkonzern mit Doppelsitz in Düsseldorf und Münster. "Schon aufgrund unserer Größe fühlten wir uns verpflichtet, eine Vorreiterrolle im Bereich des Electronic Banking zu spielen", erläutert Walter Büttgens, Prokurist und im Bereich des Zahlungsverkehrs zuständig für das DV-gestützte Bankgeschäft. Die Anstrengungen auf diesem Gebiet seien zudem vor dem Hintergrund zu sehen, daß sich die West LB darauf vorbereiten muß, mit Einführung des Euro in einer verschärften Konkurrenz mit den großen europäischen Banken zu stehen.

Schon heute bietet deshalb die West LB vom elektronischen Abruf der Kontoauszüge via PC bis zu einem Informations- und Transaktionssystem, das der Finanzdisposition internationaler Konten dient, einiges an elektronischen Dienstleistungen und Produkten. Ende 1996 kann der Bankkonzern bereits in mehr als 35 Ländern Stützpunkte vorweisen. Die deutschen Firmenkunden sollen auf diese Weise weltweit vor Ort von ihrer Hausbank betreut werden können.

Doch der rauhe Wind der internationalen Konkurrenz weht nicht nur der Bank, sondern auch ihren Firmenkunden entgegen. Mit verbesserten Geschäftsprozessen versuchen die Unternehmen, ihre Position im Wettbewerb zu stärken. Ein Beispiel ist der elektronische Austausch von Geschäftsdaten, denn er beschleunigt Abläufe und hilft, Kosten zu sparen. Viele der gängigen Datenstandards wie Sedas, Odette oder DTA sind jedoch nur branchenbezogen und national anwendbar. Genau hier setzt der Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport (Edifact) an. Der UN-Standard ermöglicht den Austausch von Geschäftsdaten über alle Branchen und Länder hinweg in einem einzigen Datenformat. Bisher hat sich Edifact vor allem in der Warenwirtschaft durchgesetzt, der Zahlungsverkehr blieb außen vor. Mit dem Einstieg großer Banken wie der West LB in dieses Standardformat schließt sich nun der elektronische Kreislauf zwischen Kunden, Lieferanten und Banken.

Zu Edifact gibt es keine echte Alternative. Für eine Bank mit großen, oft international tätigen Firmenkunden stellt sich daher weniger die Frage, ob sie den Standard unterstützt, sondern wann der richtige Zeitpunkt hierfür ist. Jochen Klemm, der bei der Landesbank unter anderem für Grundsatzfragen im Bereich Zahlungsverkehr zuständig ist, erinnert sich, daß die West LB Ende 1994 die Entscheidung für ein erstes Edifact-Projekt fällte: "Zu diesem Zeitpunkt hatte der Standard eine gewisse Festigkeit erreicht, und es zeichnete sich ab, daß in naher Zukunft ein echter Markt für Bankendienstleistungen rund um Edifact existieren wird."

Bei der West LB war der erste Schritt in die Edifact-Welt die Installation eines Konverters, der es der Bank ermöglicht, von ihren Kunden Zahlungsaufträge im Edifact-Format entgegenzunehmen und diese dann in dem bei deutschen Banken heute noch gebräuchlichen Format DTA an andere Kreditinstitute weiterzureichen. Die Auswahl des hierfür geeigneten Softwareproduktes erfolgte in einem Arbeitskreis des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, dem auch die West LB angehört.

Der Arbeitskreis entschied sich für die Lösung des Meckenheimer Softwarehauses Assem Audi + Co. GmbH, denn sie erfüllte die funktionalen und technischen Anforderungen, die in einem Pflichtenheft gesammelt wurden, quasi vollständig. Die Lösung besteht aus den Komponenten "Mosaic Edifin", einem EDI-Gateway für Banken und Clearing Center, und der Archivierungskomponente "Office Master", mit der die eintreffenden und die konvertierten Datensätze archiviert werden. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt empfahl der Sparkassen- und Giroverband seinen Mitgliedern, die Software von Assem Audi bei sich einzusetzen.

Als die Lösung bei der West LB implementiert wurde, baute die Bank gleichzeitig eine Unix-Rechnerwelt auf. Vor allem bezüglich der Sicherheit mußten dabei zahlreiche Fragen gelöst werden. "Vor Einführung des Edifact-Konverters nahmen wir an, daß auch seine Bedienung eine komplexe Aufgabe ist. Die Praxis lehrte das Gegenteil: Die Prozesse laufen automatisch ab und müssen lediglich überwacht werden", zeigt sich Walter Büttgens zufrieden mit der Anwendung, in die man rund 600000 Mark investiert hat.

Seit Anfang 1996 arbeitet die Lösung mit ausgewählten, großen Kunden im Echtbetrieb. Sie übermitteln durchschnittlich 30000 Zahlungsaufträge pro Woche im Edifact-Format an die West LB. In der vorausgegangenen, ausgiebigen Testphase sind nicht mehr als vier Fehler aufgetreten, davon beruhte einer auf einem unvollständigen Datensatz eines Kunden, die drei anderen waren Schnittstellen-Probleme bei der Kommunikation mit der Großrechnerwelt der Bank. "Der Zahlungsverkehr ist ein sensibler Bereich. Wir hatten uns vorgenommen, bis Anfang 1996 eine in der Praxis gründlich erprobte Edifact-Dienstleistung anbieten zu können. Dieses Ziel haben wir erreicht", faßt Büttgens die gewonnen Erfahrungen zusammen.

Damit der elektronische Datenaustausch so reibungslos funktioniert, wird mit den Bankkunden, die ihre Zahlungsaufträge zukünftig im Edifact-Format einreichen wollen, jetzt ein mehrstufiger Projektablauf eingehalten. Zunächst ermittelt die Bank in einem ausführlichen Vorgespräch, welche Nachrichtentypen in welchen Versionen der Kunde nutzt. Auf Basis dieses Gesprächs schließen Bank und Kunde einen EDI-Vertrag ab, der beinhaltet, wie und zu welchem Zeitpunkt die Daten angeliefert werden und um wel-che Daten es sich handelt. Ist der Vertrag abgeschlossen, nimmt die West LB den neuen Edifact-Partner DV-technisch in ihr System auf - eine Aufgabe, die nicht länger als eine Viertelstunde dauert. Anschließend beginnt der Datenaustausch zunächst im Testbetrieb. Dieser Probelauf von ungefähr einer Woche ist wichtig, weil Mißinterpretationen des Edifact-Standards durch seine Anwender eine mögliche Fehlerquelle bilden. Wenn auch nur ein Feld in einem Nachrichtentyp falsch interpretiert wird, kann es zu Verarbeitungsproblemen kommen. In der Testphase, in der alle Arbeitsschritte außer der Buchung durchgespielt werden, fallen solche möglichen Fehlerquellen auf und können verstopft werden. Damit wird Verarbeitungssicherheit für die nachfolgende Praxis erreicht.

Daß die West LB mit ihrem frühzeitigen Einstieg in Edifact auf das richtige Pferd gesetzt hat, bestätigt eine Umfrage der Bank von Ende 1996 bei ihren Kunden. Immerhin 20 Prozent der Unternehmen haben gesagt, daß sie den Standard bereits nutzen oder über seine Einführung nachdenken. Laut Klemm spielen hier vor allem der Handel und die Transportbranche eine Vorreiterrolle.

Die Büttgens zufolge guten Erfahrungen, die man im Konverter-Projekt mit dem Softwarehersteller Assem Audi gemacht hat, führten zu einem gemeinsamen Folgeprojekt, bei dem die Belange des Mittelstandes im Zentrum stehen. Im ersten Quartal 1997 wird die Bank unter der Bezeichnung "West LB Ediline" ein zusammen mit dem Softwarepartner entwickeltes preiswertes PC-Produkt anbieten, mit dem Edifact-Nachrichten für Bestellung, Rechnung und den Zahlungsverkehr erzeugt werden können. Interessant ist dieses Produkt vor allem für die Zulieferer von Großunternehmen. Häufig setzen "die Großen" bereits Edifact ein und fordern dies nun auch von ihren Geschäftspartnern.

Daneben wird kontinuierlich die Anzahl der Edifact-Nachrichtentypen ausgebaut, welche die West LB verarbeiten kann. Gutschrifts- und Lastschriftsanzeigen, Kontoauszüge und Festvalutazahlungen - alle diese Vorgänge können bereits im Edifact-Format abgewickelt werden. 1997 wird die Landesbank darüber hinaus das Edifact-Clearing anbieten, also den Datenaustausch mit den anderen Banken in diesem Standard. "Die deutschen Bankenverbände streben die sogenannte passive Edifact-Fähigkeit, also die Annahme von Daten in diesem Format, Mitte 1998 für alle Banken an", erläutert Büttgens.

Einen weiteren Schub für den UN-Standard erwartet er von der Einführung des Euro: "Wer möchte in Europa seine Zahlungsaufträge noch in verschiedenen Formaten absetzen, wenn es nur mehr eine Währung gibt?" Die österreichischen Banken haben deshalb heute schon eine Entscheidung getroffen: Sie nehmen die Einführung des Euro zum Anlaß, ihre nationalen Datenaustauschformate komplett durch Edifact zu ersetzen.

Angeklickt

Schon heute verfügt die West LB über elektronische Dienstleistungen wie den Abruf der Kontoauszüge via PC. Dazu nutzt das Kreditinstitut den Standard Edifact, der bisher hauptsächlich in der Warenwirtschaft anzutreffen war. Mit der Etablierung von Edifact auch im Zahlungsverkehr schließt sich der Kreislauf zwischen Banken, Lieferanten und Kunden. Die West LB startete ihr erstes Edifact-Projekt im Jahr 1994. Damals installierte sie einen Konverter, der von Kunden Zahlungsaufträge im Edifact-Format entgegennimmt und diese auch in das bei vielen Banken gebräuchliche Format DTA übersetzen kann. Seit Anfang 1996 arbeitet die Lösung mit ausgewählten, großen Kunden im Echtzeitbetrieb. Um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten, führt die West LB mit jedem interessierten Kunden ein Vorgespräch und startet danach einen einwöchigen Testbetrieb. Aufgrund der positiven Erfahrungen plant das Kreditinstitut ein Folgeprojekt für den Mittelstand und eine Ausweitung der Edifact-Typen, die verarbeitet werden können.

* Franziska Berge ist Beraterin bei der Index GmbH in Berlin.