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04.11.1994

Bankendienstleister will auch Mittelstand versorgen

Seit der Wende ist die Fiducia Geno Datenservice GmbH im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg etabliert. Die 100prozentige Tochter der Fiducia Informationszentrale AG, Karlsruhe, die vorwiegend Kreditinstitute bedient, will kuenftig auch Partner fuer den ostdeutschen Mittelstand sein.

Unter der Devise "Aus alt mach neu" ging die Fiducia Geno Datenservice ans Werk, als sie 1990 die Immobilie des ehemaligen DVZ Berlin von der Treuhand kaufte und den grauen, fuer DDR- Rechenzentren typischen Kastenbau erst einmal modernisierte.

Heute erinnert kaum noch etwas an das alte Domizil des Dienstleisters aus DDR-Zeiten. Das mit einem Glasanbau und farbigen Elementen verzierte Gebaeude passt gut in das neu entstandene Ambiente des Firmenparks in der Storkower Strasse.

Vom DVZ mit seinen ehemals 660 Beschaeftigten sind nur noch das Firmengeruest und der Liquidator uebriggeblieben.

134 Mitarbeiter der frueheren RZ-Mannschaft blieben nach der Uebernahme durch den Karlsruher DV-Dienstleister bei dem neuen Hausherrn, der seinen Bankenservice von Berlin aus auch den neuen Laendern anbieten wollte.

Das bedeutete nicht, "dass wir die Leistungen unseres Baden- Wuerttemberger Mutterhauses von West nach Ost exportieren wollten", erklaert Hauptgeschaeftsfuehrer Gerhard Melchiori. Darauf habe man verzichtet und ein Firmenkonzept erstellt, das den ostdeutschen Beduerfnissen entspreche. Schliesslich sei man nicht in den Osten gegangen, um "einen technischen Hero zu spielen".

Zu den Kunden des Berliner Unternehmens gehoeren heute neben den 83 Kreditinstituten in Berlin und Brandenburg auch Verlage, mittelstaendische Firmen und kommunale Versorgungsunternehmen in Sachsen und Thueringen. Wenn das Bankengeschaeft auch die Hauptschiene der Berliner ist, auf Kunden aus anderen Branchen wolle man nicht verzichten, meint Geschaeftsfuehrer Wolfgang Claus und weist auf die "kompletten Loesungsangebote" des Hauses wie integrierte Verwaltungs- und Planungssysteme sowie Personal- und Abrechnungspakete hin.

Um den "Rundumservice" des Unternehmens zu beweisen, hatte die Fiducia-Tochter im August dieses Jahres zu einem "Blick hinter die Kulissen" eingeladen: Vertretern von Presse, Firmen und Institutionen wurden Informationen ueber die geschaeftliche Lage geboten, und die Besichtigung des Rechenzentrums war erlaubt.

Die fensterlosen und operatorfreien Raeume mit ihren blinkenden IBM-Schraenken (insgesamt 370 GB Speicherkapazitaet) wirkten auf einige Besucher eher ernuechternd. Von einer Rechnerzentrale hatte man sich wohl mehr versprochen. Dafuer beeindruckte das auf den Computern und rund 15 000 Magnetbandkassetten gespeicherte Datenvolumen um so mehr.

Nach Aussagen der Geschaeftsfuehrung heben taeglich etwa 15 000 Menschen rund vier Millionen Mark an den im Berliner Fiducia- Bereich stationierten 400 Geldautomaten ab. Das sind pro Tag etwa 600 000 Kontenbewegungen, die beim Dienstleister in der Storkower Strasse auflaufen, verwaltet und archiviert werden muessen. Allein in den Partnerbanken, so Herbert Gloeckner, ehemaliger DVZ-Mann und jetzt Geschaeftsfuehrer Produktion, seien etwa 6500 PC-Arbeitsplaetze vernetzt und mit den Mainframes im RZ verbunden. Die Flut an eintreffenden Informationen habe man nur mit einem breiten Datennetz und per Satellit bewaeltigen koennen.

Die Geschaefte in den neuen Laendern scheinen fuer den Outsourcer nicht schlecht zu laufen. Mit einem Umsatz von 50 Millionen Mark im vergangenen Jahr und einem Betriebsergebnis von drei Millionen Mark "werden wir auch die Schulden bei unserem Mutterhaus bezahlen koennen", hofft Melchiori.

Kuenftig wollen die Berliner noch aktiver werden. Neben der Eroeffnung einer neuen Geschaeftsstelle in Rostock und eines Produkt- und Schulungszentrums in Erfurt soll im naechsten Jahr die komplette DV der Deutschen Kredit- und Handelsbank AG, Berlin, in eigener Regie uebernommen werden.

Monika Schalwat