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27.07.1979

Bankenterminals: Ergonomische Anforderungen nur sekundär?

Als Anwender von Kassenterminals bezeichnen sich viele Banken heute noch als Neulinge, denn der größte Teil der Systeme wurde erst innerhalb der letzten drei Jahre installiert. Damals sei man noch nicht so weit gewesen, die effektiven Anforderungen konkretisieren zu können, gesteht Paul Urscheler, EDV-Chef der Bank in Gossau/Schweiz. Bei der Entscheidung für einen elektronischen Kassenplatz wurden denn auch bei den von CW zum Thema "Terminalauswahl" befragten Bankleuten unterschiedliche Kriterien zugrunde gelegt. Werner Tack von der Handelsbank in Lübeck wollte einen vernünftigen Preis erzielen, während Ernst Muth vom Bayerischen Sparkassen- und Giroverband eher organisatorische Anforderungen in den Vordergrund stellte. Weitere Entscheidungsmerkmale waren Ausfallsicherheit, Kunderservice und Ergonomie. Fünf Anwender berichten.

Heinrich Behrend von Grass

Leiter der Organisationsabteilung, Kunden-Kredit-Bank (KKB) in Düsseldorf

Ursprünglich hatten wir rund 300 Siemens-Datenstationen Transdata 8220, im Prinzip Fernschreiber, auf etwa 200 Zweigstellen verteilt. Wir mußten praktisch alle Informationen mechanisch ausdrucken lassen.

Vor unserer Entscheidung für intelligente Bankenterminals haben wir 1976 eine Studie anfertigen lassen, die uns bestätigte, welche Anforderungen wir an derartige Systeme stellen müßten. Die Erfordernisse und das entsprechende Mengengerüst wurden dann unter Mitwirkung einer Consulting-Firma in einem betriebsinternen Team erarbeitet. Daraus entstand ein Anforderungskatalog, den wir an 15 Hersteller sandten. Nach dem ersten Auswahlprozeß blieben lediglich drei Hersteller übrig. Unsere Erfahrungen waren dabei sehr delikat insofern, als einige Anbieter plötzlich bereit waren, von ihrem ursprünglichen Angebot um bis zu vier Millionen Mark herunterzugehen. Da sollte dann ein System nicht mehr 18 Millionen Mark, sondern nur noch 14 kosten. Dies sprach sich natürlich auch in der Branche herum.

Wir entschieden uns für Bunker Ramo. Im Vordergrund unserer Bedürfnisse stand neben einem großen Bildschirm eine eindeutige, klare und bekannte Tastatur, die möglichst nah an eine Schreibmaschinentastatur herankommen sollte, damit die Bediener ein Medium vorfinden konnten, das sie bereits kannten. Denn zur Bedienung der Terminals sollte nichts erforderlich sein, was irgendwie das Wort "Operator" in der Zweigstelle auch nur annähernd rechtfertigen würde. Wichtig war uns weiterhin, daß alle Zweigstellen mit der gleichen technischen Hierarchie ausgestattet werden sollten.

Werner Tack

Direktor und Leiter der Organisation und Revision, Handelsbank Lübeck

Wir wollten seinerzeit ein für sämtliche Stellen der Bank einheitliches Terminal installieren, welches ohne Konzentratoren stand alone eingesetzt werden kann. Jedes Terminal sollte für sich funktionsfähig sein. Darüber hinaus sollte es im Offline-Status in der Lage sein, den Kassenverkehr voll abzuwickeln. Dieser Terminal-Status bedingt zwar, daß maschinell keine Dispositionen getroffen und Sparbuchnachträge nicht vorgenommen werden können, aber aufgrund der im Speicher in Zählern aufzubauenden Umsatzsummen wollten wir Kassenverkehr und Kassenabschluß offline durchführen können.

Wir haben 1976 fünf Terminalhersteller aufgefordert, uns ihre Produkte anzubieten. Es kam uns darauf an, neben Erfüllung der Forderungen hinsichtlich Hardware und Software einen vernünftigen Preis zu erzielen.

Nach gründlicher Prüfung der Angebote haben wir uns für Olivetti entschieden. Maßgeblich war, daß wir nach Rückkehr des Online-Status die vorher offline erfaßten Barumsätze automatisch nachübertragen können. Wir sind auch in der Lage, die Kassentransaktionen über ein nicht im Kassenbereich stehendes zweites oder drittes Terminal auszuführen, sofern das Kassenterminal selbst einmal gestört sein sollte. Außerdem - und das entspricht unserer Vorstellung von Online und von einer sicheren Ablauforganisation - haben wir die Möglichkeit, einen zweiten Weg zu gehen. Bei Ausfall oder Überlastung eines Terminals können die Buchungsbelege, auf die wir weitgehend nicht verzichten, körperlich zu unserem zentralen Buchungszentrum, das mit dem Rechenzentrum in einem Gebäude untergebracht ist, weitergeleitet werden. Man würde also bei längerem Ausfall eines Terminals wie früher nach dem Belegpäckchenverfahren arbeiten können.

Heute, nachdem wir 110 Terminals online an das Honeywell Bull-System 66/60 angeschlossen und gute Erfahrungen gesammelt haben, sehen wir, daß diese Konzeption richtig war, auch wenn wir bei der Planung dem selten eintretenden Offline-Status zu starke Bedeutung beigemessen haben.

Wir führen die Buchungen des gesamten baren und weitgehend auch des unbaren Zahlungsverkehrs über unsere Terminals direkt durch, wickeln den gesamten Alpha-Änderungsdienst über die Terminals ab und führen neben der automatischen Disposition zahlreiche Abfragen über die gespeicherten Kunden- und Kontenbestände, jedoch streng unter Beachtung des Datenschutzgesetzes, durch.

Unser Terminalsystem bewährt sich bereits wenige Monate nach Abschluß der Installationsphase voll, arbeitet zufriedenstellend aus Sicht unserer Mitarbeiter und wird in der Kompensation von Personal- und Sachkosten zu einer Kostenentlastung. Wir würden uns heute wieder für Olivetti entscheiden.

Günter Sawka

Leiter der Organisation, Raiffeisenbank e.G., München

Grundsätzlich möchte ich beim Einsatz von Schalterterminals in Kreditinstituten zwischen hardware- und software-bedingten Anforderungen unterscheiden. Obwohl es oft nicht zugegeben wird, ist der Einsatz der Terminals in voller Konsequenz meist nicht möglich. Viele Banken arbeiten mit eigenen Groß-EDV-Anlagen und haben somit Budget's am Hals, die keine größeren Aufwendungen für Soft- und Hardware von Terminals mehr erlauben.

Durch diese Feststellung ergibt sich bereits eine andere Anforderungsgrundlage an Bankenterminals. Wichtig sind dabei unter anderem betriebswirtschaftliche, arbeits- und geschäftspolitische Faktoren, wobei der Faktor Geschäftspolitik schwer meßbar ist. So kann bereits die Entscheidung für Groß-EDV für längere Zeit Handlungsunfähigkeit bewirken.

In der Raiffeisenbank München (Anschluß bei der Rechenzentrale Bayerischer Genossenschaften) konnte bei der Entscheidungsfindung für die nunmehr installierten Terminalsysteme mehr Wert auf den Komfort gelegt werden. Aber erst die Zukunft wird zeigen, ob:

1. der Rationalisierungseffekt am Schalter den Wegfall der Mehrfachbearbeitung bewirkt,

2. der Entlastungseffekt in der zentralen Datenverarbeitung (keine Schichtarbeit) eintritt,

3. sich der "Kunden-Service-Effekt" am Schalter bemerkbar macht und eine Verminderung von verwaltungsorientierten Arbeiten durch zentrale Erfassung mit "Unbar"-Terminals in Verbindung mit Codierung und Erfassung hervorruft,

4. der Wachstumseffekt den Fortfall der genannten Schalterarbeiten ermöglicht.

Bei uns wurden in diesem Zusammenhang alle Zweigstellen mit Terminals ausgerüstet, auch wenn betriebswirtschaftlich eine andere Entscheidung möglich gewesen wäre.

Ernst Muth

Abteilungsdirektor des Bayerischen Sparkassen- und Giroverbandes, München

Bei der Auswahl unserer Terminals standen zunächst einmal unsere organisatorischen Anforderungen im Vordergrund. Wir haben seinerzeit den gesamten Markt "abgegrast" und auf unsere Ausschreibung etwa zehn bis zwölf verschiedene Angebote erhalten. Bei der Auswertung sind wir von einem Preis-/Leistungsverhältnis ausgegangen, und zwar speziell bezogen auf die Komponenten, die bei uns stufenweise zum Einsatz kommen sollten. Ein weiteres Kriterium war die Ausfallsicherheit. Insofern kann nur ein Hersteller in Frage, der mit einem guten Kundennetz präsent sein würde. Also keiner, der bei Adam und Eva hätte anfangen müssen, ein Kundennetz aufzubauen.

Es war für uns wichtig, vom Hersteller zu erfahren, wie weit er in der Lage ist, Terminals mit bestimmten Bauelementen anzubieten, die im Falle eines Defektes entweder ausgetauscht oder schnell repariert werden können. Selbstverständlich haben wir auch versucht, von bisherigen Anwendern zu erfahren, wie die einzelnen Geräte bislang gelaufen sind. Aber das war vor etwa drei Jahren noch sehr schwierig. Die Systeme waren erst relativ neu auf dem Markt, so daß man sich nur an den wenigen Systemen orientieren konnte, die es bis dahin im Einsatz gab.

Wir haben unsere ersten Anwendungsprogramme von der Stadtsparkasse Augsburg übernommen und dort war Nixdorf im Einsatz. Es bot sich also an, daß wir bei diesem Hersteller blieben. Da wir fast sämtliche bayerischen Sparkassen mit unserer Datenverarbeitung versorgen, ist natürlich auch bei uns die Frage diskutiert worden, mehrere Hersteller hereinzunehmen, um damit einen Wettbewerb zu haben oder ob mit einem Hersteller möglichst schnell viele Sparkassen ausgestattet werden sollten. Wir haben uns vorerst für die zweite Möglichkeit entschieden.

Paul Urscheler

EDV-Chef der Bank in Gossau, Gossau/Schweiz

Die Anforderungen, die wir an ein Bankenterminal am Kassenplatz stellen, möchte ich kurz charakterisieren: Der Bildschirm muß vom Bediener nach seinen Bedürfnissen eingestellt werden können. Die Farbe des Bildes sollte möglichst grün und die Tastatur getrennt angebracht sein, damit die gewünschte Distanz mühelos selbst gewählt werden kann. Großbuchstaben werden nach unseren Erfahrungen schneller erkannt als Groß-/Kleinschreibung. Ein Terminal darf außerdem nur wenig Platz einnehmen, weil an den Schaltern kein Überfluß an Raum vorhanden ist.

Der technische Dienst des Herstellers sollte sich möglichst in der Nähe des Anwenders befinden, damit eventuelle Ausfälle schnell behoben werden können. Die Office-Terminals müssen aus Redundanzgründen nach den Kassenterminals übereinstimmen.

In ergonomischer Hinsicht konnten bei uns keine wesentlichen Schwerpunkte gesetzt werden, da ein Teil der Arbeitsplätze bereits gegeben waren. Außerdem war man vor etwa dreieinhalb Jahren auf diese Aspekte noch nicht so sensibilisiert wie heute. Das Problem der Ausfallsicherheit haben wir in der Weise gelöst, daß im Falle eines

"Out" ein Office-Terminal mit einem Kassenterminal einfach umgesteckt wird.

Sämtliche von uns eingesetzten Terminals sind von Bunker Ramo. Wir haben uns dabei ausschließlich auf die Empfehlung von Univac verlassen, die den Zentralrechner lieferte. Damals waren wir zeitlich noch nicht so weit, den Bedarf selbst beurteilen zu können. Als Anwender von Rassenterminals sind die Banken vielfach Neulinge die erst nach und nach in das Metier hineinwachsen.