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16.03.2001 - 

SAP-Unterstützung für Unternehmensplanung nur Mittelmaß

Barc-Studie: Planungswerkzeuge im Vergleich

MÜNCHEN (CW) - Das Angebot an Business-Intelligence-Tools (BITs) für die Unternehmensplanung wächst. Das Business Application Research Center (Barc) der Universität Würzburg hat untersucht, welche Produkte für welche Anwendungsszenarien geeignet sind.

Von 14 getesteten Werkzeugen für die Unternehmensplanung sind für den Einsatz in Großunternehmen und Konzernen beziehungsweise in mittelständischen oder Kleinunternehmen jeweils fünf Produkte "besonders empfehlenswert". Das ist das Ergebnis eines Produktvergleichs, den Carsten Bange, Holger Mertens, Oliver Dahnken und Heiko Schinzer von der Universität Würzburg angestellt haben. Zur Anwendung in Großunternehmen und Konzernen empfehlen sie Comshares "Budget Plus", Hyperions "Pillar", Information Factorys "IPE", Oracles "Financial Analyzer und "SAP SEM" (weitere Empfehlungen siehe Übersicht).

Wenig Web-FunktionalitätEin Ranking der Produkte bietet die Studie nicht, dennoch sind deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten innerhalb einer Gruppe erkennbar. So erhält SAP SEM beispielsweise in der für die Nutzung in verteilten Organisationen wichtigen Kategorie "Web-Funktionalität" ebenso magere zwei von fünf möglichen Punkten wie IPE aus der Sankt Gallener Information Factory. Budget Plus hingegen bietet die komplette Funktionalität der Client-Server-Version auch übers Web und bekommt dafür vier Punkte. Oracles Financial Analyzer bringt es mit weitgehend an der Client-Server-Version orientierten Funktionalität immerhin auf drei Punkte, während Hyperion Pillar mangels Web-Komponenten leer ausgeht.

Null Punkte bekamen SAP und Oracle für fehlende Angebote von Standard-Planungsmodellen. Die Konkurrenten erhielten jeweils drei Punkte für ihre Vorlagen, die dem Anwender bei der Erstellung des Planungsmodells Arbeit abnehmen. Schwächen zeigte das Produkt aus Walldorf auch bei der zeitlichen Koordination der Planung, für die im Standardumfang keine Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Nur mit einem Scheduler ist eine Aneinanderreihung von Transaktionen möglich. Dafür gibt es zwei Punkte, ein Ergebnis, das auch Oracle, Information Factory und Hyperion mit ihren Produkten nicht übertreffen. Einzig Comshares Budget Plus glänzt bei der zeitlichen Koordination mit einer grafischen Übersicht des Planungsstatus und vier Punkten.

Grundlage einer erfolgreichen Unternehmensplanung sind aussagekräftige Ist-Daten. Deren Gewinnung wird jedoch - nomen est omen - nur vom Financial Analyzer mit adäquaten Analysewerkzeugen unterstützt. Was Budget Plus, Pillar, IPE und SEM hier bieten, geht über die Möglichkeiten von Excel nicht hinaus. Ähnliches gilt für die Bewertungs- und Entscheidungsinstrumente von Budget Plus und Financial Analyzer.

Pluspunkt: Dynamische SimulationBeide Produkte verfügen nicht über einen eigenen Simulationsmodus als Bewertungs- und Entscheidungsinstrument. SAP SEM hingegen bietet über "Powersim" eine dynamische Simulation und wird dafür mit vier Punkten belohnt - ebenso wie IPE, das die modellbasierte Simulation mit What-if- und How-toAchieve-Analysen ermöglicht. Bei der Navigation im Datenmodell erzielte SAP SEM das schlechteste Ergebnis aller untersuchten Produkte - nicht nur in der Gruppe der für den Einsatz in Großunternehmen empfohlenen - mit einer in das SAP-GUI eingebetteten Excel-Oberfläche, für die es nur zwei Punkte gibt. Sieger aller Klassen mit vier Punkten ist hier Budget Plus, das beispielsweise einen Drill-down auf Regionaldaten innerhalb von Landkarten durch einfaches Klicken auf eine Region erlaubt.

Beim Berichtswesen bewerteten die Würzburger Forscher Hyperion Pillar am höchsten: Vier Punkte gab es für eine ausgefeilte Lösung mit Verteilfunktion. SEM und IPE kamen mit vergleichsweise einfachen Ansätzen über zwei Punkte nicht hinaus. Die selten vergebene Höchstpunktzahl erhielt Budget Plus für die Funktionalität der Abweichungsanalyse: Das Comshare-Tool kann in Zellen mit aggregierten Werten auf Abweichungen in niedrigeren Hierarchieebenen hinweisen, die momentan nicht angezeigt werden. Die Unterstützung vorgefertigter Lösungen für strategisches Unternehmens-Management allerdings fehlt bei Budget Plus ebenso wie bei Pillar und IPE völlig. Die Tools von Oracle und SAP punkten hier jeweils vierfach - unter anderem mit Balanced-Scorecard-Systemen.

Die Traumnote fünf beschert der SAP-Lösung die Währungsumrechnung, die als frei definierbare Funktion die Kennzahlen in eine wählbare Zielwährung umrechnet und dabei auf eine umfassende Währungstabelle im mitgelieferten Business Information Warehouse (BW) auf Kursinformationen aus den Bewegungsdaten zurückgreift. Fünf Punkte bekommt auch die Währungsumrechnungsfunktion von Pillar, mit der sich bis zu 200 unterschiedliche Währungen verwalten lassen. Budget Plus schneidet unter diesem für internationale Unternehmen so wichtigen Aspekt mit vier Punkten ebenfalls noch gut ab, während IPE und Financial Analyzer nur Grundfunktionen bieten und je zwei Punkte erhalten.

Stark präsentierten sich die untersuchten Produkte bei der Datenanbindung. Sowohl die Auswahl der erfassbaren Datenquellen als auch die Funktionen für Datenimport und -export wurden bei allen für Großunternehmen empfohlenen Tools mindestens mit drei Punkten bewertet.

Lösungen für den MittelstandWichtiger als ein möglichst großer Funktionsumfang ihres Planungswerkzeugs sind für mittelständische und kleinere Unternehmen, einfache Bedienung und Integration in das bestehende Planungssystem des Unternehmens. Der "Corporate Planner" von Corporate Planning begegnet dieser Anforderung unter anderem mit einer "Boss Box", in der häufig benutzte Funktionen für Auswertungen, Kennzahlen oder Grafiken so hinterlegt werden, dass sie auch von unerfahrenen Anwendern genutzt werden können. Darüber hinaus bietet das Produkt Beispieldaten für den Modellaufbau. Beim "Coplanner" von BFB wird die Modellierung grafisch unterstützt. Außerdem sind Zusatzmodule erhältlich, in denen wesentliche Zusammenhänge zwischen den Teilplänen des Unternehmens bereits berücksichtigt sind. Das gilt auch für MIS? "Control-It". Der "Professional Planner" von Winterheller liefert dem Anwender vordefinierte betriebswirtschaftliche Logik als Grundlage seiner Planungen.

Für das Szenario "Unterstützung durch Analyseverfahren" konnten sich solche Produkte qualifizieren, die den Planer bei verschiedenen Analysemethoden mit vorgefertigten Lösungen bereits im Vorfeld der eigentlichen Planung unterstützen. So bietet etwa der "Corporate Planner" neben ABC- und Break-Even-Analyse auch diverse Kennzahlen und Kennzahlensysteme für die aussagekräftige Aufbereitung der Datenbasis an. Das Konkurrenzprodukt Point Out bietet im Rahmen eines Baukastensystems unter anderem vorgefertigte Komponenten für ABC- und Portfolio-Analyse.

Point Out empfehlen die Verfasser der Studie aufgrund seines komponentenbasierten Ansatzes auch für das Szenario "Freie Entwicklung von Planungsapplikationen". Hier sind Eigenschaften gefragt, die es dem Anwender ermöglichen, über die Grundfunktionalität seines Tools hinaus individuelle Planungsumgebungen zu erstellen. Board M.I.T. als Entwicklungsumgebung für BITs und Budget Plus mit der integrierten Entwicklungsumgebung "Decision" wurden in dieser Klasse ebenso nominiert wie Oracles Financial Analyzer.

Wer aufgrund der Unternehmensstruktur an unterschiedlichen Standorten plant, wird sich für die "Web-basierte Planung" interessieren. Hier konnten sich Budget Plus, ABC für OLAP und der Financial Analyzer durchsetzen. Im Szenario "Vordefinierte Planungslogik" empfiehlt die Studie mit dem Co Planner, Point Out, SAP-SEM und Professional Planner solche Produkte, die die Verknüpfung der verschiedenen Teilpläne eines Unternehmens besonders unterstützen. Dabei zeichnet sich die SAP-Lösung dadurch aus, dass sie die gezielte Kombination von Objekten in Planungspakete für einzelne Positionen im Unternehmen ermöglicht.

Business-Intelligence-Tools mit dem gewissen ExtraPlanungswerkzeuge gehören laut Definition der Barc-Studie zu den Business-Intelligence-Tools (BITs) und beinhalten sowohl Analyse- als auch Planungsfunktionen. Der Unterschied zu einem herkömmlichen BIT: Während Business-Intelligence-Tools bislang in der Regel nur einen lesenden Zugriff für Analysen erlaubten, soll der Anwender mit einem Planungswerkzeug die Möglichkeit erhalten, Daten auf die Datenbank zurückzuschreiben. Als konkrete Unterscheidungsmerkmale, die sich aus der Planungsaktivität ergeben und in bisherigen BITs nur sehr schwer abgebildet werden können, nennt die Studie:

-Möglichkeit einer zentralen und dezentralen Planung;

-schreibender Zugriff auf die Datenbestände;

-Konsistenz der Planzahlen, auch bei rollierender Planung,

-iterative Planabstimmung auf mehreren Ebenen,

-Berücksichtigung unterschiedlicher Zeithorizonte sowie

-Simulation verschiedener Planzahlen.

Bislang werden spezielle Planungswerkzeuge nach Schätzung der Autoren der Studie allerdings nur in rund fünf Prozent der Unternehmen eingesetzt. Die restlichen 95 Prozent planen demnach noch "mit Excel oder Papier und Bleistift".

Empfohlene PlanungswerkzeugeSzenarien:Konzerne und Großunternehmen (1)

Kleine und mittelständische Unternehmen (2)

Unterstützung durch Analyseverfahren (3)

Freie Entwicklung von Planungsapplikationen (4)

Web-basierte Planung (5)

Vordefinierte Planungslogik (6)

Produkte:

BFB - Co Planner 2, 6

Comshare - Budget Plus 1, 4, 5

Corporate Planning - Corporate Planner 2, 3

Cubus - ABC für OLAP 2, 5

Hyperion - Pillar 1

Information Factory - IPE 1

MIS - Control IT 2

Oracle - Financial Analyzer 1, 4, 5

Orenburg - Board M.I.T. 4

Point Out - Point Out 3, 4, 6

SAP - SEM 1, 6

Winterheller Software - Professional Planner 2, 6

12 der 14 getesteten Tools sind für mindestens ein Anwendungsszenario "besonders empfehlenswert". Quelle: Barc

Abb: Installationszahlen

Noch halten sich die Unternehmen beim Einsatz von Planungs-Tools zurück. Quelle: Barc