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22.06.1984 - 

Ersatzkasse stieß an die Grenzen der zentralen DV:

Barmer arbeitet jetzt mit DDP-System 8100

WUPPERTAL - Aufwendige Datenerfassung, durch den Postweg verzögerte Verarbeitung und mehrmals zu überprüfende Fehlerprotokolle bei einem Meldevolumen von 4,5 Millionen Mitgliedern signalisierten für die Barmer Ersatzkasse, Wuppertal, Merkmale die wirtschaftlichen und technischen Grenzen ihrer Datenerfassung. Erfassung vor Ort und zentrale Stapelverarbeitung waren zu Hemmschuhen geworden. Jetzt kommuniziert die Zentrale mit den Außenstellen über das Postnetz. Günter Ueberhorst, zuständig für Organisation und DV, skizziert die neuen Möglichkeiten.

Seit Oktober 1966 ist die elektronische Datenverarbeitung bei der Barmer Ersatzkasse zur Unterstützung der Sachbearbeiter eingesetzt. Die der EDV eigentümliche Dynamik führte zu einer sehr raschen Erweiterung der maschinell zu lösenden Aufgaben, initiiert zunächst aufgrund der innerhalb der eigenen Organisation zu verbessernden Arbeitsabläufe, nicht zuletzt auf Wunsch der Mitarbeiter der Kasse, sondern bald auch durch den Gesetzgeber, der in den letzten Jahren bei den Versicherungsträgern funktionsfähige EDV-Anlagen geradezu voraussetzte, weil anders Gesetze und Verordnungen durch die Verwaltung gar nicht mehr handhabbar waren.

Die Entscheidung fiel zugunsten eines Datennetzes mit knapp 100 Subsystemen IBM 8100, die als dezentrale Rechner jeweils über eine Postleitung mit dem Zentral-Rechner in Wuppertal verbunden sind.

Anwendungen praxisnah gestalten

Das Projekt wurde im April 1981 mit verschiedenen Vorgaben gestartet.

- Die Systeme 8100 in den Geschäftsstellen müssen ohne EDV-Personal programmgesteuert laufen.

- Der bestehende Standard der Leistungen der EDV für die Geschäftsstelle muß von Anfang an übertroffen werden und über die Möglichkeiten eines Auskunfts- und Erfassungssystems hinaus den Sachbearbeiter im Dialog über seinen Bildschirm zum gewünschten Arbeitsergebnis führen.

- Leistungs- und Beitragskarten müssen wegfallen.

- Daten, die regelmäßig in den Geschäftsstellen benötigt werden, sind auch dort bereitzuhalten. Daten, die vor Ort nicht verfügbar sind, können von der Zentrale über den Bildschirm angefordert werden.

- Alle eingegebenen Änderungsdaten sind für die weitere Verarbeitung sofort verfügbar.

- Anwendungsverfügbarkeit und Antwortzeitverhalten müssen einem sehr hohen Standard gerecht werden.

Um die Bedürfnisse der Sachbearbeiter abzudecken, sind in der Projektarbeit neben den EDV-Fachleuten und den Vertretern der Fachabteilungen Mitarbeiter aus den Geschäftsstellen eingesetzt, die direkt aus der "Front" abgezogen wurden, damit die Anwendungen möglichst praxisnah gestaltet werden. Der Datenschutz wird durch eine doppelte Ausweispflicht des Systembenutzers bereits bei der Anmeldung sichergestellt.

Die Mitgliederbestände stehen allen zugriffsberechtigten Mitarbeitern eines Systems stets mit dem neuesten Stand zur Verfügung. Es ist dafür gesorgt, daß die Daten im zentralen Rechner und den Subsystemen immer übereinstimmen.

Auf Menü-Bildschirmen wird die gesamte Anwendungsbreite der einzelnen Sachgebiete und Transaktionen angezeigt, so daß der Sachbearbeiter sich durch die einzelnen Bildschirme durcharbeiten kann, bis er seine Aufgabe gelöst hat. Auf diesem Wege fällt zudem die Einarbeitung neuer Mitarbeiter leicht.

Für die Bestandsführung eingegebene Daten stehen gleichzeitig auch anderen Sachgebieten zur Verfügung. Werden vom Sachbearbeiter Bestandsdaten eingegeben, die beitragsrelevant sind, so wird automatisch vom System der Beitragsdialog eröffnet. Um auf schnellstem Wege die Daten eines Mitgliedes oder eines Arbeitgebers zu erhalten und ihn mit Sicherheit zu identifizieren, bedarf es der Eingabe der Mitglieds- oder Firmennummer. Steht diese nicht zur Verfügung, ist sie über Kombinationen aus Familiennamen und Geburtsdatum oder Vornamen oder Straße oder Wohnort leicht zu ermitteln. Der sofort mögliche Zugriff gilt auch für eine Neuaufnahme, deren Daten zuzüglich gegebenenfalls der Angehörigen und des Arbeitgebers gerade ins System aufgenommen worden sind und für die das System automatisch sofort eine Mitgliedsnummer vergeben hat.

Soweit noch Beitragsnachweise an die Arbeitgeber zu versenden sind, werden sie zur Entlastung der Geschäftsstellen in der Hauptverwaltung gedruckt und auch von dort mit der zur Verfügung stehenden Postbearbeitungstechnik versandt. Die Zuordnung der Beiträge zu den einzelnen Beitragsgruppen wird ebenso maschinell gesteuert, wie nach notwendigen Sollberichtigungen ohne Eingriff des Sachbearbeiters sofort ein automatisches Umbuchungsverfahren eingeleitet wird. Alle für Betriebsprüfungen benötigten Daten sind jederzeit auf dem neuesten Stand verfügbar und können zu beliebigen Terminen abgerufen werden.

Über einen Bildschirm "Mitgliedsübersicht" werden dem Sachbearbeiter alle zur Beurteilung des Leistungsfalles benötigten Daten gezeigt. Für jede wesentliche Leistungsart sind einige Bildschirme vorgesehen. Der Sachbearbeiter sieht also immer nur die Daten, die er zur Beurteilung des Falles benötigt. Er hat außerdem die Möglichkeit des Vor- und Zurückblätterns.

Sicherungen gegen Datenänderung

Während der Eingabe läuft eine Reihe von Plausibilitätsprüfungen ab, die verhindern, daß zum Beispiel nach einem Austritt oder während einer ruhenden Mitgliedschaft geleistet wird, daß Kontonummern eingegeben werden, die dem Sachgebiet nicht entsprechen, oder daß eine Kontonummer der Allgemeinen Krankenversicherung eingegeben wird, obgleich das Mitglied als Rentner geführt wird (die Bearbeitung von nachgehenden Ansprüchen ist dennoch sichergestellt). Die Kontierung wird schon durch den Leistungssachbearbeiter vorgenommen, damit nach Prüfung durch den Leistungsprüfer weder für den Kassierer noch durch die Buchhaltung eine Änderung der geprüften Daten möglich ist.

Alle prüfpflichtigen Eingaben bleiben in einer Zwischendatei abgespeichert, bis sie vom Leistungsprüfer geprüft und freigegeben sind. Soweit aus der Tätigkeit der Leistungssachbearbeiter eine Zahlung resultiert, wird ein Kassenauszahlungs- oder Überweisungssatz an die Buchhaltung überstellt, der sämtliche benötigten, geprüften Angaben enthält und von dort aus weiter verarbeitet wird.

Bei der Bearbeitung der einzelnen Anwendungen in der Buchhaltung werden die Möglichkeiten des Systems nicht zuletzt dadurch voll genutzt, daß einmal erstellte, erfaßte oder bereits bekannte und geprüfte Daten für die weitere Bearbeitung von dem in sich abgeschlossenes maschinelles Verfahren bis zum Abschluß immer wieder herangezogen werden. Die Änderung eines einmal als richtig festgestellten Datensatzes ist ausgeschlossen. Ein bisher mögliches, versehentliches Ändern von Daten durch Arbeitsteilung wird ebenfalls maschinell verhindert.

Sämtliche Teile voll integriert

Mit dem Erfassen der Bank- und Postscheckumsätze am Morgen werden auch der jeweils alte und neue Saldo eingegeben und vom System ebenso wie die Reihenfolge der Buchungstage überprüft. Weil die so eingegebenen Daten nicht mehr änderbar sind, wird schon zum frühestmöglichen Zeitpunkt der richtige Tagesabschluß sichergestellt. Denn jede Transaktion gewährleistet programmgesteuert auch die Übereinstimmung zwischen Soll und Ist.

Alle an einem Tage eingegebenen Neueingaben und Änderungen werden sofort in das Subsystem eingearbeitet und auf eine Datei überstellt, die am Tagesschluß abgeschlossen und über eine Postleitung an den Großrechner in der Zentrale übertragen wird. Damit wird der Gleichstand der Daten in der Zentrale und in den Dezentralen sichergestellt und so die Datensicherheit erhöht. Weil bei der Erfassung eine Fülle von Plausibilitätsprüfungen abläuft, reduziert sich der Anteil der in der Zentrale noch festgestellten Fehler auf ein Minimum. Der Wegfall der schwierig zu handhabenden Fehlerprotokolle ist als Entlastung der Geschäftsstellen zu werten. Im Laufe der Nacht werden die aus der Geschäftsstelle übermittelten Daten in der Zentrale verarbeitet und die aus dieser Verarbeitung resultierenden Nachrichten noch vor Arbeitsbeginn des nächsten Tages an die Geschäftsstellen zurückgesendet.

Das hier beschriebene Projekt stellt ein System dar, dessen sämtliche Teile von ineinander integriert sind und das damit auf einem hohen Entwicklungsstand eingeführt wird. Die vielfältigen Dialoganwendungen garantieren einerseits, daß die Möglichkeiten, die die Datenverarbeitungsanlagen bieten, schon im Anfangsstadium sehr weitgehend und rationell genutzt werden können, daß es darüber hinaus aber auch keine Schwierigkeiten machen wird, weitere Anwendungen auf allen Sektoren anzufügen. Alle Programme sind modular aufgebaut und gestatten damit eine leichte Wartung. Soweit das überhaupt möglich ist, wurde aber auch bei der Entwicklung der Programme an später mögliche Erweiterungen gedacht. Die dafür notwendigen Ein- und Ausgänge wurden bereits eingeplant. Das Projekt "lebt" also. Es wird weniger schwierig sein, neue Aufgaben zur Übernahme in die bildschirmunterstützten Dialogverfahren einzubringen, als eine Prioritätenliste für die Wünsche der Anwender aufzustellen.