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Krise der Konkurrenz hält Banyan Systems von Börseneintritt ab


29.09.1989 - 

Barometer im LAN-Markt zeigt Tiefausläufer für DOS-Produkte

WESTBORO (CW) - Die Banyan Systems Inc. geht nicht an die Börse. Pläne in diese Richtung hat der Vorstand des Unternehmens vorerst zurückgestellt. Grund: Am Netzwerk-Horizont türmen sich Gewitterwolken auf Außerdem sind die Aktienkurse der Hauptkonkurrenten Novell und 3Com nach Veröffentlichung der schwachen Quartalsergebnisse stark gesunken.

Unsicherheit regiert derzeit den Markt für Netzwerk-Betriebssysteme. Experten sehen in der momentanen Situation die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Sie rechnen nämlich damit, daß unter den Produzenten Anfang 1990 ein gnadenloser Kampf um die Spitzenpositionen entbrennt.

Trumpfas im Ärmel der Hersteller werden nach Ansicht der Experten neue Produkte und Techniken sein. Insbesondere den jahrelang marktbeherrschenden Unternehmen Novell und 3Com mit ihren auf DOS basierenden Produkten werden schlechte Karten bescheinigt. In der Branche hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, daß die Zukunft Produkten gehören wird, die Unix und OS/2 unter einem Prozessordach vereinigen. Aktivitäten werden besonders DEC und IBM nachgesagt.

Angesichts der brodelnden Gerüchteküche hält sich die Kauflust der Anwender derzeit deutlich in Grenzen. Dies hat dazu geführt, daß die Marktführer Novell und 3Com rückläufige Quartalsumsätze und Ertragseinbußen melden mußten (siehe CW Nr. 34, Seite 4: "3Com und Novell müssen Abstriche machen"). Allerdings zeichnet nicht nur das mangelnde Kaufinteresse der Anwender für die Misere der beiden Unternehmen verantwortlich. So haben Experten bei 3Com eine verfehlte Discountpolitik im Bereich der Hardware und die noch zögerliche Nachfrage nach OS/2-Software als Übel ausgemacht. Bei Novell wurden Mangel im Vertrieb und der Sparkurs nach dem Kauf von Excelan als Ursachen diagnostiziert.

Vor diesem Hintergrund hat das Management von Banyan kalte Füße bekommen und den Eintritt in die Börse bis auf weiteres verschoben. Dazu Dave Mahoney, Präsident von Banyan: "Wir wären eigentlich gerne an die Börse gegangen, aber die gegenwärtigen Marktbedingungen sind leider nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben." Das Management von Banyan befürchtet, daß das zur Zeit negative Erscheinungsbild von Novell und 3Com auf das eigene Unternehmen projeziert werden könnte. Immerhin ist die 3Com-Aktie von 28 auf 11 Dollar gefallen und ein Ende des Sturzes nicht abzusehen.

Während sich die Chefetage von Banyan für die Lösung des Abwartens entschieden hat, gehen in Kreisen von Finanzexperten die Anschauungen über das Verhalten von Banyan auseinander. Gerade jetzt sehen viele den Zeitpunkt Banyan-Aktien auf den Markt zu werfen, als ideal an. Sie argumentieren damit, daß der drittgrößte Hersteller von Netzsoftware finanziell gut dasteht, einen Umsatzzuwachs von 75 Prozent aufweisen kann und mit einem solchen Schritt aus dem Schatten der Konkurrenten treten könnte. Insbesondere das bislang farblose Profil und die anämische Distribution von Banyan könnte dadurch in den Augen der User und OEMs aufgepäppelt werden.

Die DOS-Wiese ist abgegrast

Man muß nicht bibelfest sein, auf die fetten Jahre die mageren folgen. Diese Gesetzmäßigkeit haben jetzt auch Novell und 3Com zu spüren bekommen, zwei Unternehmen, die sich lange im LAN-Erfolg sonnten. Daß nun Schatten auf die Bilanzen fällig hat einleuchtende Gründe. Der wichtigste: Die DOS-Wiese ist abgegrast. Ferner scheint Novell noch schwer am hastig verschlungenen Excelan-Brocken zu kauen und sich mit der Trennung von einigen OEM-Partnern keinen großen Gefallen getan zu haben. 3Com wiederum hat für seine Hardwareprodukte die falsche Preispolitik gewählt und wartet verzweifelt darauf, daß der OS/2 Zug ins Rollen kommt.

Immerhin dürfte das Unternehmen schon auf dem richtigen Gleis stehen, denn die Signale für Unix und OS/2 stehen, so munkelt die Branche, auf Grün. Die Weichen am LAN-Markt werden also neu gestellt. Novell wäre aber nicht Novell, würde es sich nicht auf die neuen Fahrtziele einstellen. pg