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Neue Richtlinien zur Kreditvergabe fordern Management und IT heraus

Basel II zwingt zu mehr Transparenz

19.04.2002
Nach Datum-2000-Umstellung und Euro-Einführung steht mit Basel II eine neue Herausforderung für Unternehmen vor der Tür. Denn wer künftig Kredite bekommen will, muss eine transparente, glaubhafte Datenbasis vorweisen können. CW-Bericht, Bernd Seidel

Deutschland im Januar 2006: Die Zahl der Insolvenzen deutscher Unternehmen hat im abgelaufenen Jahr alle Rekorde gebrochen. Insbesondere die Pleiten mittelständischer Betriebe sind auf einem Allzeithoch. Der Grund für die Krise: Seit Anfang 2005 gelten die Kriterien der neuen Eigenkapitalvereinbarung - kurz Basel II.

Es ist eingetreten, was Finanzexperten befürchtet hatten: Die Kreditinstitute haben vielen Unternehmen, vor allem kleineren und mittleren, den Geldhahn zugedreht oder die Konditionen für Darlehen derart verschlechtert, dass eine weitere Geldaufnahme unmöglich wurde. Das Gros der Betriebe war zudem nicht in der Lage, Geldgebern seine künftige Zahlungsfähigkeit, die Management-Qualität und Marktstellung transparent zu machen. IT-Systeme, die bei der systematischen Unternehmensplanung und dem Risiko-Management hätten helfen können, waren nicht eingeführt worden. Schnitt.

Der Mittelstand ist gefordertDeutschland im April 2002: Bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Sitz in Basel wird an einer grundlegenden Modifikation der bisherigen Eigenkapitalvereinbarungen aus dem Jahr 1988 gefeilt - etwa an der Höhe des Kredits, ab dem die neuen Bewertungskriterien - neudeutsch Ratings - angewendet werden. So viele Einzelheiten auch noch ungeklärt sind, eines ist sicher: Basel II kommt.

Das Ziel der Beschlüsse ist es, die "Solidität und Sicherheit des Finanzsystems sowie Risiken umfassender und adäquater zu berücksichtigen", heißt es in dem Baseler Papier. Das wirkt in zwei Richtungen, interpretiert Finanzexperte Martin Detzel, Leiter des Steinbeis Transferzentrums für Informations-Management und Unternehmenssteuerung in Karlsruhe: "Banken und Sparkassen sollen durch Basel II künftig risikogerecht mit Eigenkapital ausgestattet sein, um zu verhindern, dass sie sich bei der Vergabe von Krediten übernehmen. Konkret bedeutet das: Je größer das Risiko eines Kunden ist, umso besser muss das Kreditinstitut dieses Darlehen mit Eigenkapital absichern." Bislang galt für nahezu alle Kreditinstitute weltweit folgendes Grundprinzip: Acht Prozent von jeder Mark, die als Kredit an Firmenkunden vergeben wurde, sollten - unabhängig von der Bonität des Schuldners - als Eigenkapital in der Bilanz der Bank vorgehalten werden. Vom Jahr 2005 an soll für unsichere Kredite nun mehr Eigenkapital hinterlegt werden.

Um künftig das Risiko der Kunden zu bewerten, bauen Banken und Sparkassen auf Basis der Beschlüsse derzeit Rating-Systeme auf. Ein weiteres Ziel von Basel II ist es, die Quersubventionierung von Kreditnehmern mit schlechter Bonität durch Kreditnehmer mit guter Bonität zu beenden.

Hohes Risiko bedeutet kein GeldDas hat auch für Kreditnehmer Folgen - nach bisherigem Verhandlungsstand Unternehmen mit einem Umsatz größer fünf Millionen Euro pro Jahr. Die stärkere Berücksichtigung des Risikos bei der Kalkulation der Kreditkonditionen verteuert Kredite an schlecht bewertete Betriebe. Gut eingestufte Unternehmen werden demzufolge günstiger an Geld kommen.

War früher bei der Vergabe von Geldern das Geschäftsgebaren in der Vergangenheit maßgeblich, wird heute die Zukunft beurteilt: "Es nützt einem Unternehmen nichts, wenn es 20 Jahre lang profitabel war. Wichtig ist, was in der Auftrags-Pipeline ist, wie es um die Innovationskraft steht und welche Prozesse aufgesetzt sind", erläutert Detzel.

Ob überhaupt und zu welchen Konditionen Unternehmen Finanzspritzen erhalten, wird künftig anhand eines Katalogs von quantitativen und qualitativen Kriterien beurteilt - dem Rating, das IT-gestützt vorgenommen wird. Kreditnehmer, die ohne ausreichend transparente und aussagekräftige Daten über die Auftragslage, Produkte, Produktplanungen, Auslastungen und Risiken bei ihrer Bank um Geld fragten, könnten gleich wieder nach Hause gehen. Ein Informationsmangel führt automatisch zu einer skeptischeren Risikoeinschätzung und damit höheren Forderungen des Kreditgebers. Im schlimmsten Fall wird der Antrag abgelehnt.

Ein Denkmal für die IT?Höchste Priorität für die Beurteilung haben laut Basel II künftig messbare Größen wie Cashflow, Rentabilitäts- und verschuldungsorientierte Kennzahlen. Auch Standortfaktoren, die Leistungsfähigkeit von Prozessen, Organisationsstruktur sowie die Mitarbeiterführung finden als qualitative Kriterien Eingang in das Rating. Gelernt haben die Baseler Kreditexperten auch aus den Pleiten und Abstürzen vieler Unternehmen der New Economy. Deshalb wird in Zukunft bewertet, ob ein Unternehmen über ein funktionierendes Controlling und Risiko-Management sowie eine finanzwirtschaftliche Steuerung verfügt.

Und hier können IT-Lösungen, insbesondere Controlling-, Planungs- und Steuerungssysteme, helfen. "IT-Mitarbeiter, die sich ein Denkmal setzen möchten, haben hier ein weites Betätigungsfeld", formuliert es Detzel. Denn die Unternehmen sind noch schlecht vorbereitet, und ohne IT-basierende Werkzeuge lässt sich die notwendige Datenbasis kaum schaffen. Nach Erhebungen der DG-Bank und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG fühlt sich gerade ein Drittel der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 100 Millionen Euro Basel-II-fit. Die Lage bei Großunternehmen, darin sind sich alle Fachleute einig, ist entspannter, da hier bereits im großen Stil Finanz- und Controlling-Software im Einsatz ist. Außerdem seien Konzerne personell in der Lage, sich des Themas anzunehmen.

"Grundsätzlich ist das Interesse, sich über Basel II kundig zu machen, groß", sagt Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin der IHK Köln. Das zeigten die stark besuchten Informationsveranstaltungen der IHK zu dem Thema, die seit dem letzten Jahr angeboten wurden. Doch mit der konkreten Umsetzung lassen sich die Firmenlenker Zeit. Die aber drängt: Laut Steinbeis-Berater Detzel werden die Rating-Verfahren bereits 2003 an Bankkunden "erprobt".

Tools sorgfältig auswählenDer Basel-II-Experten von CSC Ploenzke, Frank Romeike, empfiehlt daher, rechtzeitig IT-basierende Controlling- und Risiko-Management-Systeme einzusetzen und diese mit Anwendungen im Bereich der Unternehmensplanung und der strategischen Steuerung zu integrieren. "Die Werkzeuge müssen eine flexible Selektion von Daten sowie ein Ad-hoc-Reporting erlauben", so die Kriterien des CSC-Fachmanns.

In jedem Fall sollten die Tools sorgfältig ausgewählt werden: "Der Leistungsumfang und die Stärken der am Markt verfügbaren Produkte sind sehr unterschiedlich", konstatiert Steinbeis-Berater Detzel. Die Spanne reicht von Baukastensystemen, mit deren Hilfe sich Planungs- und Analyseapplikationen bauen lassen, bis hin zu vorgefertigten Lösungen für das Business-Performance-Management.

Vor einer Entscheidung sollte daher ein Pflichtenheft mit den wichtigsten Anforderungen erarbeitet werden. Funktionen wie eine integrierte Jahresabschluss- und Finanzplanung sollten auf jeden Fall dazugehören. Damit ist es mit einem Planungsakt möglich, sowohl den Einfluss potenzieller Risiken auf die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage als auch die Zahlungsströme (Liquidität) aufzuzeigen. Daneben gehört eine Mehrjahresplanung zum Pflichtprogramm, die innerhalb eines Jahres eine Feinplanung in Teilperioden zulässt. Auch Funktionen für die Simulation zählten zur Basisausstattung von Planungs- und Steuerungswerkzeugen.

Da viele Anwender insbesondere im Controlling mit Excel arbeiten, darf auch die Integrationsmöglichkeit mit dem Office-Paket nicht fehlen.

Neben den Spezialanbietern für Planungs- und Risiko-Management-Software erhoffen sich auch Hersteller von Business-Intelligence-Werkzeugen zusätzliches Geschäft durch Basel II. Auf Anwenderseite mehren sich demgegenüber die Stimmen, Berater und Softwareanbieter würden Panik verbreiten, um ihr Geschäft anzukurbeln - die Jahr-2000-Umstellung und Euro-Einführung ließen grüßen. Denn die neue Transparenz gibt es nicht zum Nulltarif: Selbst ein kleines Unternehmen ist schnell mit 70000 Euro und mehr für Lizenzkosten, Hardware und Implementierung dabei, wie auf einer Veranstaltung des Business Application Research Center (Barc) zum Thema Planungssoftware berichtet wurde. "Viel Geld, um einmal im Jahr bei der Bank oder Sparkasse Informationen für einen Kredit auf den Tisch zu legen," hieß es aus Anwenderkreisen.

Für Fachleute greift diese ablehnende Argumentation jedoch zu kurz: "Basel II und insbesondere das Thema Rating ist mehr als ein Tool oder eine Software", urteilt CSC-Beraterin Gertrud Lieblein. "Es handelt sich um einen Umdenkprozess und einen Kulturwandel in mittelständischen Unternehmen." Viele hätten mittlerweile erkannt, dass sich mit Hilfe geeigneter Werkzeuge und der neu gewonnenen Transparenz die Ertragskraft stärken lasse. Auch der Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen wie Venture Capital oder dem Börsengang seien mit einer soliden Datenbasis leichter möglich. Nicht zu unterschätzen ist laut Berater Detzel die Bedeutung eines Ratings als Fitness-Check und Frühwarnsystem für das Unternehmen.

Linkswww.bis.org

http://e-risknews.com

www.kpmg.de/services/financial-advisory-services

www.everling.de

www.cscploenzke.com/risikocontrolling

www.ihk-koeln.de

www.roedl.de

www.stw.de

www.standardandpoors.de

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Der Funktions- und Leistungsumfang der Werkzeuge reicht vom Baukastensystem bis hin zu vorgefertigten Business-Lösungen. Quelle: BARC