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24.06.1994

BASF ersetzt halbautomatisches Verfahren durch CID Zeit fuer die Installation hat sich um die Haelfte verringert

Konventionelle Software-Installationsverfahren erweisen sich zunehmend als zeit- und kostenaufwendig. Aus diesem Grund hat sich auch die Personalabteilung des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF nach einer Alternativloesung umgesehen und schliesslich fuer das "CID"-Konzept der IBM entschieden. Frank Bornhoeft* beschreibt die Details.

Die Herausforderung lag darin, fuer eine Vielzahl von PCs und Servern einheitliche Standards und effiziente Verfahren zur PC- Konfiguration einzufuehren, um dadurch vor allem die gestiegenen Anforderungen an die Systemverfuegbarkeit zu erfuellen. "Bei einer Betriebsstoerung muessen die Systeme spaetestens nach zwei Stunden wieder einsatzbereit sein", erlaeutert Claus-Peter Schroeder, Netzwerkverantwortlicher der BASF- Personalabteilung.

Im einzelnen wurden im Hinblick auf die PC-Arbeitsplaetze folgende Ziele definiert:

- einheitliche Migration aller PCs auf die Betriebssystem-Version OS/2 2.1, nachdem die PCs bislang mit unterschiedlichen OS/2- Versionen (neben 2.1. auch 1.3 EE und 2.0) sowie unterschiedlichen Zusatzkomponenten betrieben wurden;

- Pflege einheitlicher Software-Release-Staende: Neben OS/2 2.1 sollten auf allen Rechnern einheitlich der "LAN Adapter Protocol Support" (Laps) sowie LAN Requester 3.0, CM/2 1.1 und DB2/2 installiert sein. Als Standardsoftware waren diverse DOS-, Windows- und OS/2-Netzanwendungen sowie Lotus Notes vorgesehen;

- Standardisierung und Anpassung der OS/2-Oberflaeche nach Benutzergruppen;

- Verringerung des Supportaufwandes durch konsequente Verlagerung der Daten und Anwendungen auf die Server und Reduktion der OS/2- Desktop-Tools.

Das Hauptaugenmerk galt jedoch der Aufgabe, den zeitlichen und finanziellen Aufwand fuer die Konfiguration der einzelnen PCs drastisch zu senken. Urspruenglich wurden die einzelnen PCs manuell ueber eine Vielzahl von Disketten installiert. Dabei waren im Schnitt vier bis sechs Stunden fuer die Konfiguration eines einzigen Rechners noetig.

Deshalb fuehrte die BASF-Personalabteilung zunaechst ein halbautomatisches Installationsverfahren ein. Mittels eines speziellen Konfigurations-Servers konnten dabei die Installationszeiten bereits um die Haelfte reduziert werden. Doch blieben weiterhin manuelle Anpassungen an den Arbeitsplaetzen erforderlich.

Umstellung innerhalb von drei Monaten

Um Effizienz und Wirtschaftlichkeit bei der PC-Konfiguration weiter zu steigern, entschied sich die BASF-Personalabteilung schliesslich fuer das von der IBM entwickelte CID-Verfahren. Es ersetzt die aufwendige Einzelinstallation der PCs vor Ort. Kernbestandteil dieses Verfahrens - die Abkuerzung steht fuer "Configuration Installation Distribution" - ist der CID-Server, auf dem saemtliche Definitionen, Protokolle und Kennungen der einzelnen PCs abgelegt werden.

Dieser Server kann sowohl fuer die Installation neuer PCs als auch zur Migration bestehender Netzwerke eingesetzt werden. Prinzipiell eignet sich hierfuer jeder Rechner, auf dem OS/2 und Laps installiert sind.

Der CID-Server ist Bestandteil der "Network Transport Services" (NTS/2), die unter anderem im LAN Server 3.0 enthalten sind. Zur automatischen Software-Installation muss der PC nur ueber eine eigene Kennung am CID-Server angemeldet werden. Nach der Anmeldung wird ein Rexx-Programm gestartet, das die komplette Installation steuert. Alle fuer die Installation notwendigen Informationen (Adapteradresse, PC-Name, Gateway-Adresse, Grafikadapter, Drucker) werden aus Textdateien, den "Response Files", ausgelesen. Manuelle Anpassungen an den neu installierten PCs sind nicht mehr noetig. Das CID-Verfahren erlaubt ferner die automatische Partitionierung, Formatierung und Oberflaechenanpassung der Arbeitsplatzrechner.

Die Umsetzung des Projektes nahm der DV-Dienstleister Compunet zwischen Dezember 1993 und Mai 1994 vor. Der effektive Zeitaufwand fuer die Implementation des CID-Verfahrens sowie die Umstellung aller 300 PCs auf einheitliche Standards betrug jedoch nur drei Mannmonate.

Einen Schwerpunkt bildete die Definition von Musterarbeitsplaetzen fuer die drei Bereiche beziehungsweise LANs innerhalb der Abteilung. In enger Zusammenarbeit mit BASF entwarf Compunet mehrere Oberflaechen, die aehnlich aufgebaut waren, aber unterschiedliche Funktionalitaet besassen. Hierbei wurden auch mobile Arbeitsplaetze beruecksichtigt, die sowohl im Netzwerk als Docking-Station als auch am Wohnort der Mitarbeiter eingesetzt werden sollten.

Zunaechst musste festgestellt werden, welche Standardsoftware und welche von BASF selbst entwickelten Programme fuer welchen Arbeitsplatz noetig waren oder vielmehr: auf welche Anwendungen und Tools die Benutzer gegebenenfalls auch wieder verzichten wuerden. Am Ende der Analyse stand eine Uebersicht ueber Software- Anwendungen, die in das CID-Verfahren einbezogen werden konnten und sollten.

Dabei zeigte sich, dass aufgrund unterschiedlicher Aufgabenstellungen fuer jeden Bereich der Personalabteilung sowie fuer einzelne Anwender individuelle Anpassungen der PC- Musterkonfiguration erforderlich waren. Die Definition von Musterarbeitsplaetzen einschliesslich Anpassungen erforderte daher einen hoeheren Zeitaufwand als die Installation des CID-Servers und die Umstellung der PCs mit Hilfe des neuen automatischen Verfahrens. Der Standardarbeitsplatz besteht unter der definierten OS/2-Musteroberflaeche nur noch aus den benoetigten Anwendungen und Tools.

Als die Arbeitsplaetze umgestellt waren, zeigte sich, dass besonders die aelteren PS/2-Modelle an ihre Leistungsgrenze stiessen. Das gleichzeitige Starten von LAN Requester, Communications Manager, Database Requester, Lotus Notes, Windows-Anwendungen sowie - teilweise - TCP/IP fuehrte zu langen Ladezeiten und zaehfluessigem Arbeiten. Daher wird die BASF diese Maschinen kurzfristig durch leistungsfaehigere Modelle ersetzen.

Ferner wurde klar, dass nicht die Anzahl der Produkte und Geraete fuer den zeitlichen Aufwand entscheidend ist, sondern deren Komplexitaet beziehungsweise CID-Faehigkeit. Das Implementieren von nicht CID-faehigen Produkten erwies sich als Problem.

Um diese Aufgabe zu loesen, entwickelte Compunet mit Hilfe des Programmierwerkzeuges Rexx ein spezielles Installationsprogramm, in das auch nicht CID-faehige Anwendungen einbezogen wurden. Auf diese Weise liessen sich auch die selbsterstellten Client-Server- Anwendungen der BASF-Personalabteilung via CID installieren. Waehrend urspruenglich nur OS/2 und OS/2-Produkte wie LAN Server, DB2/2, Laps oder CM/2 CID-faehig waren, kann seit der Version 6.x auch PC-DOS ueber CID aufgespielt werden.

Ein Produkt ist CID-faehig, wenn

- es von einem Netzwerklaufwerk installiert werden kann,

- eine ASCII-Datei als Response File existiert, in der alle fuer die Installation und Konfiguration notwendigen Informationen abgelegt sind, und

- ein Installationsprogramm vorhanden ist, das das Response File ausliest und nach der Installation einen definierten Standard- Return-Code zurueckliefert.

Kann auch Netware-Umgebungen unterstuetzen

Ferner erfordert CID, dass die Standard-Return-Codes vom Produkt- Installationsprogramm an das CID-Steuerungsprogramm ueberstellt werden. Diese Codes legen beispielsweise fest, ob nach der Produktinstallation neu gebootet werden muss.

Ueberraschend erwies sich, dass das CID-Verfahren auch in Novell- Netware-Umgebungen funktioniert. Das ist deshalb moeglich, weil das CID-Konzept unabhaengig vom verwendeten Netzwerk-Betriebssystem arbeitet. Dadurch gewinnt die BASF-Personalabteilung die Option, mit CID in Zukunft auch Netware-Umgebungen zu unterstuetzen.

Die Installationszeit hat sich im Vergleich zu dem bisher eingesetzten halbautomatischen Verfahren um ueber 50 Prozent verringert. Die PCs werden mittlerweile in rund einer Stunde vollstaendig konfiguriert und installiert. Der Konfigurationsaufwand fuer die Netzwerkbetreuer am PC-Arbeitsplatz vor Ort konnte sogar auf 15 Minuten gesenkt werden. Dabei ist die Installation mehrerer PCs gleichzeitig moeglich.

Wegen der Umstellung auf Softwarestandards wird das Personalwesen der BASF kuenftig nicht nur beim Aufspielen von Software-Updates und neuen Betriebssystem-Versionen profitieren, sondern auch bei diversen Support-Aufgaben.

Die Ausgangsbedingungen

Die Personalabteilung der BASF verfuegt ueber eine ausgebaute Client-Server-Infrastruktur mit drei lokalen Netzwerken und rund 300 PCs, die ihre Daten und Anwendungen von insgesamt 25 Servern erhalten. Im Zuge einer konsequent verfolgten Downsizing-Politik wurden auch kritische Anwendungen wie Teile der Lohn- und Gehaltsabrechnung vom Host auf PC-Server transferiert.

*Frank Bornhoeft ist Systemingenieur bei der Compunet GmbH in Frankfurt am Main.