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Misstrauensvotum gegenüber der internen Informatik?

BASF will IT europaweit bündeln und auslagern

08.12.2000
MÜNCHEN (qua) - Der Chemieriese BASF AG, Ludwigshafen, plant, seine Informatikbereiche auf europäischer Ebene zu konsolidieren und in eine Tochter zu überführen. Sie soll sich auch strategischen Themen wie E-Commerce, Wissens- und Supply-Chain-Management widmen. Als Ziel der Ausgründung gelten höhere Flexibilität und ein "wettbewerbskonformes" Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wer den BASF-Personalleiter Friedbert Hofmann auf die in Gründung befindliche BASF Information Service GmbH (BIS) anspricht, erntet alles andere als Begeisterung: "Wir wollen vermeiden, dass wir zur Angriffsfläche von Headhuntern werden", blockt er detaillierte Fragen ab.

Von der Ausgründung betroffen sind voraussichtlich 1200 Mitarbeiter. Einer von ihnen dokumentierte seine Unzufriedenheit, indem er der CW eine Präsentation zuspielte, mit der Kurt Bock, als neuer Leiter des BASF-Zentralbereichs Logistik und Informatik (ZL) maßgeblich am Aufbau der BIS beteiligt, intern die "Weiterentwicklung der Informatik" vorstellte. Dabei übte Bock selbst Kritik am Status quo der Informatikabteilung, die seiner Ansicht nach "nicht zu den Besten" gehört. An anderen Stellen des Unternehmens ist - hinter vorgehaltener Hand - die Rede von "hemmenden Strukturen", Gerangel um die knappen Informatikressourcen, überhöhten IT-Kosten und mangelnder Flexibilität.

Um diese Probleme zu lösen, hat sich der Chemiekonzern entschieden, so Bock in seiner Präsentation, die IT in einer europaweiten und "wettbewerbskonformen" Gesellschaft zu bündeln. Der ZL soll als Koordinationsstelle die Anforderungen der Nutzer mit den technischen Möglichkeiten und den Gruppeninteressen "bedarfsgerecht" abgleichen.

Schon 1992 hatte BASF einige IT-Funktionen ausgelagert - in die BASF Computer Services (BCS). Doch während es damals nur um Brot-und-Butter-Funktionen wie den Rechenzentrumsbetrieb und die Personalabrechnung ging, sollen in die BIS auch Teile der Informatik einfließen, mit denen der Konzern neue Geschäftsfelder erschließen und seine Prozesse beschleunigen will.

Auf Bocks To-do-Liste stehen beispielsweise E-Commerce, Workflow-Lösungen, Wissens-Management und die Vernetzung von Kunden und Lieferanten, gemeinhin Supply-Chain-Management genannt. Allein in die E-Commerce-Aktivitäten werde die BASF innerhalb der nächsten zwei Jahre mindestens 150 Millionen Mark investieren, verriet der Logistik- und IT-Chef der Tageszeitung "Mannheimer Morgen".

Wenn alles so läuft, wie von der Konzernleitung geplant, geht der Übergang von der alten zur neuen Organisation in vier Monaten über die Bühne. Ein Steering-Komitee, das mit BASF-Managern aus dem Informatikumfeld und den Geschäftsbereichen besetzt ist, überwacht das mehrstufige Projekt: Bis Weihnachten wird an der Vereinheitlichung der Daten und am Entwurf der künftigen Struktur gearbeitet. Der Januar 2001 ist für die Migrationsplanung reserviert. Am 1. April soll die neue Organisation eingeführt sein.

Bedenken gegen die Ausgründung hat der Betriebsratsvorsitzende Robert Oswald angemeldet. Gegenüber der Tageszeitung "Die Rheinpfalz" sprach er von Ängsten der Mitarbeiter, die daher rührten, dass Vorgesetzte, die schlechtes Führungsverhalten bewiesen hätten, in der neuen Gesellschaft "weitermachen" dürften. Den derzeitigen ZL-Leiter nahm Oswald aber von der Kritik aus; Bock habe die Abteilung von seinem Vorgänger Bernd Flickinger in dem Zustand übernommen, die dem sie sich jetzt befinde.