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01.12.1978 - 

Anwenderbericht Klebchemie M.G. Becker GmbH, Weingarten:

Basic/four wahrt das Geheimnis der Rezepturen

WEINGARTEN - Die "Klebchemie M.G.Becker GmbH & Co. KG" in Weingarten beliefert Handwerks- und Industriebetriebe mit Klebstoffen aller Art; zu den Hauptabnehmern gehören das Schreinerhandwerk sowie Möbel-Fertigungsbetriebe. Daneben weiten sich die Abnehmergruppen auch in den Bereich metallverarbeitender Unternehmen und in das Baugewerbe aus. Zur Zeit hat die Klebchemie das Know-how über rund 700 "Rezepturen", aus denen etwa 2500 unterschiedliche Produkte erstellt werden. Insgesamt zählt das Badener Unternehmen über 6500 Kunden mit sehr differenzierter Auftragsstruktur: Während ein durchschnittlicher Auftrag ab Außenlager (Vertreter) etwa 100 bis 200 Mark umfaßt, erreichen die Direktlieferungen aus dem Fabriklager in Weingarten Auftragshöhen bis zu einigen zehntausend Mark.

Der Umsatz der Klebchemie liegt zwischen 15 und 20 Millionen Mark; 124 Mitarbeiter und vierzig freie Handelsvertreter werden beschäftigt. Mit der Datenverarbeitung hat das mittelständische Unternehmen bereits seit 1962 "Tuchfühlung"; zunächst in einem herstellergebundenen Rechenzentrum, später mit freien Service-Rechenzentren und seit rund einem Jahr mit einem eigenen Computersystem. Aufbauend auf den recht guten Erfahrungen mit einem freien Rechenzentrum wurde zunächst auch für die Zukunft eine externe Lösung ins Kalkül gezogen. Gleichzeitig wurde als Alternative ein eigener Computer rechnerisch durchgespielt.

RZ-Lösung verworfen

Zudem bot sich bei einem befreundeten Unternehmen in Weingarten die Möglichkeit, gemeinsam mit diesem Betrieb einen Computer zu betreiben. Diese drei Möglichkeiten wurden zunächst einer eingehenden Analyse unterzogen. Als Ergebnis stellte sich heraus, daß trotz geringfügiger Kostennachteile eine "Im Haus-Lösung" - langfristig betrachtet - Vorteile bieten würde. Die RZ-Lösung wurde verworfen, weil Preiserhöhungen in Zukunft nicht auszuschließen waren und die Abhängigkeit von externer Verarbeitung mit zunehmender Betriebsgröße und steigendem Belegvolumen noch zunehmen würde.

"Die Preisdifferenz von etwa 1000 Mark zwischen Rechenzentrum und eigener Verarbeitung wog das Risiko nicht auf, wenn wir die Rezepturen und alle unsere Daten außer Haus gegeben hätten", sagt Klaus Becker-Weimann, Leiter des Bereiches Verwaltung bei der Klebchemie. Die Variante "externe Verarbeitung mit dem bisherigen Rechenzentrum wurde daher abgelehnt. Auch die Möglichkeit der gemeinsamen Verarbeitung mit einem Partnerunternehmen fand keine Unterstützung, "da erheblich mehr Hardware angemietet werden müßte, als ein Partner allein bräuchte" (Becker-Weimann). Der nächste Schritt bestand nun darin, ein geeignetes Computersystem auszuwählen.

Bevor die Entscheidung zugunsten eines Dislogcomputers fiel, wurden 21 Computersysteme von zwölf EDV-Herstellern einer detaillierten Analyse unterzogen. Untersucht wurde die Ausbaufähigkeit der Hardware, der Preis, die Programmiersprachen und die Wartungsfreundlichkeit. Aus dieser Analyse kamen zwei Dialogrechner in die engere Wahl, darunter ein Computer von MAI der schließlich den Zuschlag bekam. Den eigentlichen Ausschlag für den MAI-Rechner gab die Software, "da uns die MAI einen Referenzkunden mit unserer Struktur vergleichbaren Aufgaben nennen konnte", sagt Klaus Becker-Weimann.

Bei der Klebechemie ist heute ein Modell 400 (Mai-System "basic/four") mit einer Brutto-Hauptspeicherkapazität von 48 K Bytes, vier Arbeitsbildschirmen, zwei Magnetplatten-Laufwerken mit je einer Fest- und Wechselplatte (insgesamt 20 Millionen Bytes) und einem Drucker (200 Zeilen pro Minute) installiert (siehe Foto). Die vier Arbeitsbildschirme sind in der Fakturierabteilung, in der Auftragserfassung und Arbeitsvorbereitung sowie (zwei Geräte) direkt am Computer eingerichtet. Diese beiden dienen einmal der Buchhaltung, zum anderen "Kleinbenutzern", die insgesamt nur einen Bildschirm benötigen. Außerdem werden diese Bildschirme bei Arbeitsspitzen mit herangezogen sowie zur interaktiven Programmierung.

Rohstoffbereich integriert

Die wichtigsten kommerziellen Programme, die auf dem MAI-System laufen, sind: Auftragsbestätigungen und Lieferscheine, Ausgangsrechnungen, Gutschriften, Be- und Entlastungen von Paletten, Materialabrechnungen, Ergebnisrechnungen, Kalkulation, Änderungsdienst, Abfragen, Eingangsrechnungen, Zahlungsverkehr, Statistiken, Berichte, Mahnungen, Journal- und Kontenausdrucke, Betriebsabrechnung, Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung, Konten-Neuanlage, Saiden-Vorträge und Lieferanten-Bestellungen.

Naturgemäß zählen die Bereiche Lagerhaltung, Auftragsbearbeitung, Fertigungsplanung und Materialabrechnung zu den zentralen Aufgaben in einem fertigungsintensiven Unternehmen. Hinzu kommt, daß bei der Klebchemie die Aufträge sehr schnell, in der Regel einen Tag nach Auftragseingang, ausgeliefert werden müssen. Der Rechner hat zu prüfen, ob die georderten Produkte im Fertigwarenlager bereitstehen, erst aus Zwischentanks abgefüllt oder sogar erst produziert werden müssen. Folglich mußte der gesamte Rohstoff-Bereich mit in das System integriert werden.

Informationshilfe für den Einkäufer

Heute ist der gesamte Bereich der Materialabrechnung und Fertigungssteuerung in die computergestützte Auftragsbearbeitung eingeschlossen. Die eigentliche Fertigungsplanung beginnt mit der Eingabe der Produktionsaufträge in das Rechnersystem. Anschließend wird ein kompletter Produktionsauftrag ausgedruckt. Daran anschließend wird ein Rohstoff-Tagesbedarfsplan vom Rechner erstellt. Das Verbuchen von Rohstoffzugängen, von Verlusten bei Rohstoffen und Fertigwaren oder das Umbuchen von Fertigwaren geschieht automatisch. Parallel dazu wird das Kostenträgerkonto für die Nachkalkulation geführt.

Rücklieferungen werden automatisch auf ein Konto (Retouren) für gesperrte Waren gebucht. Um auch die Warenträger (zum Beispiel Paletten) bestimmen zu können, druckt der Rechner eine Verpackungs-Stückliste aus. Aus dieser gehen die Artikel, die Verpackungsart, die Gewichtsart, die Abfüllmenge und das Taragewicht hervor. In diesen Bereich gehören auch die Bestellhinweise für Disponenten. Auf einer Liste werden die Zu- und Abgänge pro Tag, der Bestand, die verplante Menge, der verfügbare Bestand, der eiserne Bestand sowie die optimale Bestellmenge ausgedruckt und dem Einkäufer als Informationshilfe vorgelegt.

Walter Lönneker ist freier EDV-Fachjournalist.