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08.06.1979 - 

Von einem, der auszog, ein EDV-Schulbuch zu finden:

Basic ist gar nicht so einfach

Es war einmal ein Oberstudienrat, der war jahrelang in der Praxis gewesen, der schrieb auch Bücher über Organisationslehre, er unterrichtet dieses Fach heute noch, meint daher, von diesen Dingen etwas zu verstehen, und mischt auch in der Datenverarbeitung mit. Dann schrieb er einmal mit einem sehr sachverständigen Freund ein Buch über Organisation und Datenverarbeitung und stritt sich mit den lehrbuchbearbeitenden anonymen Kollegen darüber, ob es heute noch angebracht sei, den Schülern die Lochkartenverarbeitung mit Mischer, Sortiermaschine etc. beizubringen. Solchermaßen gestählt und vorbereitet und von Freunden aus dem Computerbereich animiert, machte er sich auf, seinen Schülern das Programmieren in Basic beizubringen.

Da hörte unser Lehrer von den "neuen Computern", und er informierte sich gründlich darüber. Dazu gehört nun einmal ein Computer und Geld, ein derartiges Gerät zu kaufen. Der Staat hatte keines, der Sachkostenträger, das heißt der Landkreis, winkte müde lächelnd ab. Nun - resigniert hat unser Lehrer nicht. Er machte sich, vom Schulleiter mit guten Ratschlägen versehen, auf eine Betteltour, besuchte die ihm bekannten Betriebe, schnorrte und bettelte, wurde eigentlich nur einmal und da sehr höflich abgewiesen - und am Ende hatte er das Geld für einen der neuen spottbilligen Computer beisammen, die frei programmierbar sind, über einen Schreib-/Lese-Speicher (RAM) von 8 KB verfügen, auf die Programmiersprache Basic hören und weniger als 3000 Mark kosten und erweiterbar sind.

Nach gründlicher Prüfung kaufte man dann das Gerät. Unser Schulmeister holte den Computer selbst ab. Er wurde gut verpackt angeliefert, ausgepackt und es herrschte eine Stimmung wie am Heiligen Abend. Die ganze Familie, Frau und Kinder standen ehrfurchtsvoll um den Vater herum, der das Gerät zunächst einmal in seinem Arbeitszimmer ausprobieren wollte.

Dieser war ganz Fachmann, nahm die Betriebsanleitung und las und las so lange, bis die Familie, enttäuscht davon, .daß das Ding weder Töne noch Bilder von sich gab, den Vater einsam zurückließ.

Dieser studierte solchermaßen die Betriebsanleitung, um sich dann nach einiger Zeit wie der griechische Philosoph ,sagen zu müssen "Ich weiß, daß ich' nichts weiß". Also machte er sich auf, den Computer selbst zu erkunden, was ihm auch relativ schnell gelang. Um es nicht gar zu spannend zu machen. Der gute Oberstudienrat hatte, was Lehrern heute vom unkundigen Normalbürger sowieso nicht geglaubt wird, im Moment viel zu tun. Aus diesem Grunde durch. forstete er das Bücherverzeichnis seines Buchhändlers, rief Freunde und Bekannte an und hatte demnach in Tagen eine '@ Menge Bücher im Haus, die versprachen, daß nach ihnen die Programmiersprache, Basic kinderleicht zu erlernen sei. Ausgestattet mit dieser Literatur, zog sich unser Freund am Wochenende in sein Studierzimmer zurück, um das für seine Schüler geeignete Werk auszusuchen. Er las und las, begutachtete und nahm sich vor, die geeigneten Bücher links neben den Schreibtischstuhl zu legen, die ungeeigneten Bücher dann rechts davon. Als er einige Stunden später links auf den Boden blickte, strahlte ihm sein frischgereinigter Teppich entgegen. Nanu, was war denn das? Richtig, unser Lehrer hatte keines der ihm vorliegenden Bücher als schülergerecht empfunden.

Die dem Oberstudienrat vorliegenden Basic-Programmierbücher wiesen in etwa folgende grundsätzliche Mängel auf:

1. Sie scheinen für solche Leser geschrieben zu sein, die Basic bereits mehr oder weniger beherrschen. Wenn Sie Bücher finden, die 40 Seiten lang die Basie-Anweisungen respektive -Befehle erklären, kein Beispiel geben, also reine Theorie sind, so schaltet jeder Leser, nicht nur der Schüler, nach kurzer Zeit ab.

2. Die meisten Bücher sind einfach zu schwierig. Sie sind für Gymnasiasten kurz vor dem Abitur oder Ingenieure, Mathematiker geschrieben. Was soll ein Berufsschüler, Realschüler, Handelsschüler oder Fachoberschüler damit anfangen, wenn er Programme für kubische Gleichungen, die statistischen Meßzahlen von N-Daten, schwierige mathematische oder physikalische Formeln vorgesetzt bekommt.

3. Methodischer Aufbau würde bedeuten

- vom Leichten zum Schweren gehen,

- viele Beispiele und darauf aufbauende 1, Erklärungen bringen,

- Mut zur Stoffbegrenzung und Anpassung an die Erfordernisse der Schüler haben,

- Erkennen der Grenzen der für die Schüler relevanten Lehrinhalte und Lerninhalte,

- Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse von Methodik und Didaktik.

4. Es wird immer noch verkannt beziehungsweise nicht erkannt, daß der Computer eine neue Bedeutung in der Praxis bekommen hat. Die neue Technologie, verbunden mit einem enormen Preissturz, wird es ermöglichen, Kleincomputer verstärkt im Büro einzusetzen. Das bedeutet, und hier liegen die Lehrplangestalter sehr richtig, daß auch angehende Kaufleute lernen müssen, mit Computer umzugehen. Daß diese eine andere Ausbildung, eine andere Mentalität gegenüber der Technik haben, ist zu berücksichtigen.

5. Der Computer wird aber auch zum Hobby. Eine Entwicklung, bei der uns die USA weit voraus sind. Es werden sich immer mehr Laien mit dem Computer befassen. Je leichter man es ihnen machen wird, sich in die Materie einzuarbeiten, um so mehr Anhänger wird der Computer finden. Es ist dabei auch die momentane Anticomputerstimmung (Computer gleich Arbeitsplatzfresser) zu überwinden.

6. Eine Entwicklung, die bis jetzt in der Literatur noch nicht genügend berücksichtigt erscheint, kommt aus dem Bereich des Maschinenbaus. Die neuen Werkzeugmaschinen werden weitgehend durch Kleincomputer gesteuert werden.

Das bedeutet, daß die Arbeitsvorbereiter werden lernen müssen, entsprechende Programme zu schreiben. Dabei eröffnet sich ein neues Feld lerninteressierter Menschen.

Auch diesen Menschen, vor allem, wenn sie älter sind, wird das Lernen nicht leichtfallen, zumal sie zwar gute Techniker, aber keine EDV-Spezialisten sind.

Der Lehrer, der versucht aufgrund seiner pädagogischen Erfahrungen das Programmieren zu unterrichten, wird sich dann wohl ein eigenes Manuskript erstellen müssen.

Dr. Horst Spitschka ist Oberstudienrat und Dozent an der Fachhochschule München.