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21.01.1983 - 

Umorganisation in eigener Regie bringt Vorteile:

Batch läuft automatisch über Nacht

Von einer Umorganisation profitiert die DV-Anwendung der Wiesbadener Bauverlag GmbH. In eigener Regie führte das Unternehmen "Systemenbetrieb ohne Systemoperator " ein: Die meisten Batchanwendungen wurden von den Tages- auf die Nachtstunden verlegt und laufen dann automatisch ab. Als Vorteil ergab sich daraus eine erhebliche Verbesserung des Durchsatzes für die Tagesarbeit an den Bildschirmen und außerdem konnte qualifizierte Operatorkapazität an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden. Den organisatorischen Ablauf sowie die Vor- und Nachteile schildert der Geschäftsführer der GmbH, Wolfgang Emmes, in diesem Beitrag. Der Autor zeichnet für Datenverarbeitung und die Organisation des Wiesbadener Hauses verantwortlich.

Etwa Mitte des Jahres 1980 war abzusehen, daß die Speicherkapazität der installierten Anlage IBM /3-12 mit sechs Bildschirmen noch ungefähr zwei Jahre ausreichen würde. Bereits zu diesem Zeitpunkt war es nicht mehr möglich, neue Arbeiten zu installieren. Nach eingehender Analyse der auf dem Markt befindlichen Anlagen entschieden wir uns für das System IBM /38.

Einerseits war während der Planungs- und Schulungsphase erkennbar, daß ein großer Teil der mit anderen Systemen gesammelten Erfahrungen nicht mehr verwertbar war. Andererseits eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten der Organisation und Programmierung. Eine dieser Möglichkeiten, der "bedienerlose Systembetrieb", sei nachstehend kurz beschrieben.

Automatischer Systemablauf

Beim Starten des Systems wird ein Programm aufgerufen, das zunächst inaktiv bleibt. Jedem Bildschirmbediener steht ein Menü für interaktive Arbeit und ein Menü für Jobaufrufe zur Verfügung. Damit hat er die Möglichkeit, jeden für ihn erlaubten Batchjob aufzurufen. Hierbei werden Eingaben, die zur Jobsteuerung nötig sind, von einem einzigen Programm abgefragt und geprüft (Arbeitsdatum, Anzahl der Druckkopien, Sortierfolge). Diese Eingaben stehen dem Job zur Ausführungszeit zur Verfügung. Für den Bediener ergibt sich als Variante, den Job sofort auszuführen oder Verarbeitung über Nacht vorzusehen. Die Möglichkeit, einen Job tagsüber auszuführen, ist jedoch weitestgehend eingeschränkt, um die Rechenleistung vorrangig den Bildschirmen zur Verfügung zu stellen.

Jeder aufgerufene Job ist vom Bediener noch zu stornieren, solange er in der Warteschlange steht.

Sofern notwendig, kann auch ein aktiver Job selbständig (Batch oder Dialog) einen weiteren Batchjob in die Nachtwarteschlange stellen. Ein Beispiel: Das System vergibt automatisch unbelegte Adressnummern. Sind diese Nummern bis auf 500 aufgebracht, wird ein Job in die Nachtwarteschlange gestellt der unbelegte Adressnummern erzeugt. Auf diesem Wege werden benötigte Reorgläufe vom System selbständig aufgerufen.

Um 15 Uhr startet automatisch ein Prüfungsprogramm, das das System auf eventuell mögliche Fehlerquellen abchekt. Dieses Programm gibt noch während der normalen Arbeitszeit Nachricht über den Zustand der Objekte, die für den reibungslosen Ablauf des Nachtbetriebes erforderlich sind, so daß auftretende Probleme rechtzeitig behoben werden können.

Um 18.00 Uhr wird das bei Systemstart aufgerufene Nacht-Programm aktiv und damit die Beendigung des Tages-Batch-Systems eingeleitet. Ein eventuell zu diesem Zeitpunkt laufender Batchjob wird noch abgeschlossen.

In die Warteschlange des Nacht-Batch-Systems werden auch Arbeiten gestellt, die grundsätzlich jede Nacht ablaufen.

Das Nacht-Batch-Stystem wird gestartet und verarbeitet sämtliche in der Jobwarteschlange stehenden Jobs. Nachdem die Jobs abgearbeitet sind, schaltet sich das System einschließlich der Stromversorgung automatisch ab.

Auch die Klimatisierung wird relaisgesteuert abgeschaltet, sobald die Stromversorgung für die Systemkühlung unterbrochen wird.

Als manuelle Arbeitseingriffe sind nötig:

- System starten. Im Starten des Systems sind mehrere in den Nachbarräumen tätige Mitarbeiter unterwiesen.

- Kontrollieren der Druckausgabe. In der Nacht werden alle Ausgaben auf Tabellierpapier sofort gedruckt. Druckerfehler werden in Kauf genommen. Die Spooldateien werden nach der Ausgabe nicht gelöscht und können jederzeit für weitere Ausdrucke genutzt werden.

- Erledigte Druckdateien aus Spool entfernen.

- Aufruf der Ausdrücke auf Sonderformularen/Kontolisten, Rechnungen.

- Sicherung der in der Nacht vorbereiteten Sicherungsdateien auf Disketten.

- Disketten von fremden RZ einlesen.

Der praktisch vollautomatische Ablauf des Systems überläßt also als manuelle Arbeiten nur das Anschalten, die Spoolbearbeitung, die Datensicherung und das Diskettenhandling. Da auch diese Arbeiten menügesteuert sind, ist nach unserer bisherigen Erfahrung eine zweitägige Einarbeitung ausreichend, um diese Fähigkeiten zu erwerben. Der für diese Tätigkeit benötigte Zeitaufwand liegt durchschnittlich bei zwei Stunden pro Tag.

Das Menü zur Systemsteuerung enthält auch außerdem die Auswahl den Wechsel von Tages- und Nachtsystem zeitlich vor- oder zurückzuverlegen oder ganz zu verhindern.

Da die Batchjobs ohne Aufsicht ablaufen, sind an die Sicherheit, verglichen zum bisher üblichen Systembetrieb, wesentlich höhere Anforderungen zu stellen. Verschiedene Sicherheitsmaßnahmen wurden deshalb eingebaut.

So stellt jeder datenverändernde Batchjob zu Beginn ein Merkmal in einen Datenbereich und löscht es nach korrekter Beendigung der Arbeit. Jeder weitere Batchjob prüft dieses Merkmal. Ist es vorhanden, bricht er ab.

Jeder datenverändernde Batchjob modifiziert zudem nach vorgegebenen Regeln die Namen der benötigten Dateien und macht diese Änderung nach korrekter Verarbeitung rückgängig. Damit sind für jede weitere Arbeit (Batch und Dialog) Dateien, die falsch bearbeitet wurden, nicht mehr auffindbar.

Jeder Batchjob ist wiederaufrufbar und findet selbständig die Abbruchstelle.

Druckausgaben werden in eine separate Ausgabeschlange gestellt und bei Jobende in die normale Ausgabeschlange übertragen. Druckdateien aus einem unterbrochenen Job sind dadurch weder sichtbar noch druckbar.

Tauchen Fehler auf, die im Jobprogramm abgefangen werden und die zum Abbruch führen, sendet das Programm eine Nachricht an eine Nachrichtenschlange. Beim Systemstart wird diese Mitteilung sofort angezeigt. Die Nachricht enthält sämtliche für den Programmierer nötigen Informationen, einschließlich dem Abbruchgrund.

Als großer Vorteil ergab sich, daß Dialoganwendungen nicht durch Batch gebremst werden, da fast alle Batcharbeiten in die Nacht verlagert sind. Zudem benötigt das System keinen ausgebildeten, ständigen Bediener.

Auch die Systembelegung erfolgt automatisch. Die Fachabteilungen sind für den Abruf, die korrekte Eingabe der Steuerungsdaten und die Termineinhaltung selbst verantwortlich.

Wir haben festgestellt, daß fast alle Programme neu geschrieben werden mußten. Einerseits ist dies eine einmalige Gelegenheit, alte Zöpfe abzuschneiden und neue Ideen und Konzepte zu verwirklichen. Andererseits ist dies mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Die Forderungen an die Sicherheit des Ablaufes sind hoch anzusetzen. Auch damit ist ein erhöhter Aufwand verbunden.

Einen Operator im herkömmlichen Sinn gibt es nicht mehr. Nicht zu letzt verfügen bisherige Systembediener nicht über die für einen automatischen Systemablauf notwendigen Kenntnisse. Beim Jobabsturz ist der Eingriff durch den Programmierer notwendig. Ferner sind auch für die Steuerung eines Ablaufes ein sehr hoher Aufwand an Vorbereitung, Programmierung und Tests notwendig.

Die aufgezeigten Vor- und Nachteile beziehen sich nur auf den automatischen Systembereich.

Die Erfahrungen mit dieser Organisationsform sind ausgezeichnet. Im Prinzip war diese Umstellung mit einem gewissen Wagnis versehen, aber die Fachabteilungen haben in der Zwischenzeit die ihnen übertragene Verantwortung voll übernommen.