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05.01.1990

Baustelle Informatik

Das DV-Jahr 1990 beginnt, wie das DV-Jahr 1989 endete: Die Computer-Industrie entläßt Mitarbeiter. Schlimm genug, aber die Verantwortlichen haben offenbar keine Konzepte, wie sie es besser machen können. Die DV-Branche wird gelähmt von einer Legende: Was gut ist für IBM, muß gut sein für den Rest der Computerwelt - der Big-Blue-Mythos. Noch ist der Glaube in die Führungsfähigkeit der IBM bei PCM-Herstellern, Clone-Anbietern, Softwarehäusern, Leasingfirmen, Beratern und - last but not least - bei DV/Org.-Chefs ungebrochen. Doch das Heiligenbild beginnt zu verblassen. Die "schöne, neue DV-Welt" - hatte nicht die IBM im Zusammenhang mit der System-Anwendungs-Architektur SAA geradezu überschwenglich von einem "Durchbruch" gesprochen -, diese Welt ist zu Beginn der 90er Jahre eine einzige Baustelle. Nur: Nichts rührt sich, nichts geht voran. Ob die "schöne, neue SAA-Welt" jemals Realität wird, ist völlig ungewiß.

CW-Cartoonist Oldrich Jelinek hat die Situation festgehalten (siehe Farbposter auf den Mittelseiten). Mit dem Zeichenstift beschreibt er die Selbstblockade einer lndustrie ohne Profil, einer Branche, die stets auf IBM fixiert war, weil sie sich davon die schnelle Mark versprach. Profitiert von der Legendenbildung hat indes allein die IBM. War die Verwirrung von Big Blue gewollt, so wurde sie von den Nachahmern bisher zumindest nicht als bedrohlich empfunden. Die "Welcome IBM"-Haltung vieler Softwarehäuser und Berater wirkt freilich heute nur noch peinlich.

Denn natürlich geht es in erster Linie um die Interessen der Anwender. Nur: "Nichts wie weg" - diese Möglichkeit gibt es nicht. Für nicht wenige Unternehmen ist die Informatik in der Tat zu einem Schlüsselfaktor geworden - gefährlich wird die DV-Schwäche dort, wo die Informationstechnik ganz nahe am eigentlichen Produkt, an der eigentlichen Dienstleistung sein muß, wo Marketing längst "Computer"-Marketing ist: bei Banken, Versicherungen und Touristik-Unternehmen - um nur einige IS-sensible Bereiche zu nennen -, aber auch bei Produktionsbetrieben mit Just-in-time-Anforderungen.

Wichtig ist, das Ziel jedweder DV-Planung nicht aus den Augen zu verlieren, nämlich volle Integration auf Anwendungsebene zu unterstützen - ohne Einschränkung, sei sie nun hardware-, software- oder kommunikationstechnischer Art. In der Mainframe-orientierten /370-Welt sind wir von diesem Ziel noch Lichtjahre entfernt. Nach wie vor bietet die IBM proprietäre Lösungen an. In solchen Systemumgebungen wächst die Komplexität, ohne daß der Grad der Effektivität zunimmt. Wenn sich die IBM herausnimmt, mehrere inkompatible Systemfamilien als sogenannte Industriestandards durchzupäppeln, um den Wettbewerb lahmzulegen, dann ist das ihre Sache. Wenn das zu Lasten der Anwender geht, dann ist das ein Skandal.